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Abgeschobene nigerianische Familie

Asyl: Gemeinderat Brannenburg setzt Zeichen gegen Abschiebung von Frauen und Kindern

In der Container-Unterkunft in der Steinbeisstraße leben derzeit 28 Geflüchtete.
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In der Container-Unterkunft in der Steinbeisstraße leben derzeit 28 Geflüchtete.

Dass eine nigerianische Mutter mit ihren drei in der Gemeinde aufgewachsenen Kindern kürzlich abgeschoben wurde, ging dem Brannenburger Gemeinderat sehr nahe. Deshalb sprach sich das Gremium geschlossen dafür aus, die Trennung von Familien sowie die Abschiebung von Frauen und Kindern zu verurteilen.

Von Maria Stuffer-Chunphetch

Brannenburg – Eindeutig positioniert hat sich der Brannenburger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zur derzeitigen Asyl-Situation in der Gemeinde. Insbesondere unter dem Aspekt der kürzlich erfolgten Abschiebung einer nigerianischen Mutter mit ihren drei in der Gemeinde aufgewachsenen Kindern votierten die Ratsmitglieder geschlossen dafür, die Trennung von Familien und die Abschiebung von Frauen und Kindern zu verurteilen.

Diese einstimmig gefasste Erklärung sollte auch als politisches Signal in Richtung Landratsamt Rosenheim und anderer zuständiger Behörden gesehen werden. Vom Freundeskreis Asyl Brannenburg-Flintsbach wurde auch die Schaffung einer Sozialarbeiter-Stelle in der Gemeindeverwaltung angeregt, die allen Bürgern zugutekommen würde.

Arbeitserlaubnisse haben hohen Wert

Vier Leiter des Helferkreises berichteten in der Sitzung von den vielfältigen Aufgabenbereichen, die sich im Laufe der Jahre deutlich verändert haben: Dabei unterstrichen Gemeindereferentin Barbara Weidenthaler, die zugleich Asylbeauftragte der Kommune ist, Pfarrer Thomas Löffler sowie Claudia Zäch und Dr. Petra Carqueville den hohen Wert von Arbeitserlaubnissen für eine einfachere Integration und ein Leben unabhängig von staatlichen Hilfen.

Gerade in Branchen, die von Personalmangel geplagt sind, könnten durch die leichtere Vergabe von Arbeitserlaubnissen häufiger Stellen besetzt werden. Deshalb drängte sich die Frage auf, inwieweit eine politische Einflussnahme durch den Gemeinderat möglich sei. Die fehlende Alltagsstruktur bei Asylbewerbern ohne Arbeit und die daraus resultierenden Probleme und Auffälligkeiten könnten vom Helferkreis nur begrenzt aufgefangen werden.

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Wie in vielen anderen Helferkreisen, ist auch beim Freundeskreis Asyl die Zahl der ehrenamtlichen Helfer in den vergangenen Jahren – auch bedingt durch die Corona-Beschränkungen – enorm zurückgegangen. Gründe dafür liegen laut den vier Leitern im zunehmend komplexen Aufgabenfeld, das häufig weit über ein Ehrenamt hinausginge.

Erschwerend komme oft die fehlende Handhabe hinzu: Da der Helferkreis keinerlei offizielle Position innehabe, erhalte er bei auftretenden Problemen zum Teil keine Auskünfte. Deshalb sei es nun – trotz eines mittlerweile guten Drahts zu Ämtern und Beratungsstellen – an der Zeit, einige Teile der Asylarbeit zu professionalisieren: „Gute Arbeit im Bereich der Flüchtlinge ist eine Investition in die Zukunft und trägt zu einem guten und sicheren Miteinander im Dorf bei“, war die einhellige Meinung der vier Leiter.

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An seine Grenzen stoße der Helferkreis beispielsweise beim Organisationsprozess freiwilliger Rückkehrungen, welcher trotz der Unterstützung durch die Caritas mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden sei. Eine große Erleichterung wäre es auch, wenn Kindergartenanmeldungen für Geduldete für ein Jahr gelten würden und nicht, wie derzeit erforderlich, mehrmals neu beantragt werden müssten. Besonders die Schilderung der kürzlich erfolgten Abschiebung einer Mutter mit ihren drei minderjährigen Kindern nach Nigeria ging dem Gemeinderat nahe: Könne man es sich wirklich leisten, hier im Dorf aufgewachsene Kinder mit Zukunftschancen in ein ihnen unbekanntes Land abzuschieben?

Zuerst muss Vorarbeit geleistet werden

Und hier sahen die Leiter des Helferkreises einen Lösungsvorschlag: Eine Vorreiterrolle könnte die Gemeinde mit der Schaffung einer Sozialarbeiter-Stelle einnehmen, die nicht nur an Asylbewerber oder anerkannte Flüchtlinge adressiert sei, sondern auch als niedrigschwelliges Hilfsangebot allen Gemeindebürgern zugutekäme. Vor einer solchen Entscheidung muss allerdings noch einiges an Vorarbeit geleistet werden, erläuterte Bürgermeister Matthias Jokisch (CSU). Denkbar sei beispielsweise auch eine Kooperation mit einigen Nachbargemeinden.

Die Anzahl der Geflüchteten:

Derzeit leben im Brannenburger Veserhaus drei und im Container in der Steinbeisstraße 28 Geflüchtete. Dazu kämen zwölf anerkannte Personen, die nicht mehr in Landratsunterkünften wohnen. Zudem betreut der Freundeskreis Asyl in der Gemeinde Flintsbach rund 25 Personen.

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