Brandheißes Szenario im Theaterhaus

Durchgeschmorte Elektronik verursacht einen Schwelbrand, der sich rasend schnell durch das Holz der drittältesten Bühne Bayerns frisst. Giftiger Rauch wabert in den Zuschauerraum, bewusstlose Schauspieler liegen verstreut auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Auch die Besucher bleiben nicht von der Ohnmacht verschont. Die Martinshörner der herbeirasenden Feuerwehren hören sie nicht mehr. Zum Glück war dieses Szenario nur eine Übung, geplant und durchgeführt von der Bad Endorfer Feuerwehr.

Bad Endorf - Alle vier Bad Endorfer Feuerwehren sowie die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) Priental des Bayerischen Roten Kreuzes trafen sich zu einer groß angelegten Einsatzübung am Bad Endorfer Theaterhaus. Mitglieder des Theatervereins schlüpften diesmal in eine etwas andere Rolle. Sie spielten nicht für Applaus, sondern mimten Verletzte, um die sich die rund 100 Rettungskräfte unter der Leitung der Bad Endorfer Feuerwehr vor Ort kümmern mussten. Den routinierten Schauspielern machte es erkennbar Spaß, ausnahmsweise einmal geschockte und verletzte Personen im Gebäude zu spielen, die zunächst aufgefunden, in Sicherheit gebracht und dann medizinisch versorgt werden mussten.

Ein komplexes Einsatzgeschehen wurde entwickelt, bei dem viele Aufgaben gleichzeitig und zeitlich abgestimmt zu erfüllen waren. Die Endorfer Drehleiter ging vor der Fassade in Stellung und holte um Hilfe rufende Menschen von den Fenstern der oberen Stockwerke. Drucklüfter wurden eingesetzt um das Gebäude vom Rauch zu befreien. Die Übungsleitung hatte nicht nur das Gebäude durch Stromabschaltung völlig verdunkelt, sondern auch mit viel Disco-Nebel den Zuschauerraum gefüllt. Das Absuchen des verwinkelten Bühnegebäudes war für die 20 Atemschutzgeräteträger eine besondere Herausforderung, die schier endlosen Sitzreihen im Saal mussten mit Handlampen einzeln abgesucht werden, da dort hilflose Personen am Boden vermutet wurden.

Eine Löschwasserversorgung wurde zeitgleich aufgebaut und die größte logistische Herausforderung war die Einrichtung einer Verletztenablage, von wo die geretteten Übungsdarsteller vom BRK übernommen, registriert und versorgt wurden. Eine Seitenstraße wurde für den Rotkreuz-Aufbau komplett gesperrt, um den dazu nötigen Platz zu schaffen.

Am Übungsort fand sich neben zahlreichen Schaulustigen auch Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben ein, um den Übungsablauf mit eigenen Augen zu verfolgen. Kommandant Mario Kögl zeigte sich mit dem Ergebnis der Übung recht zufrieden. Besonders die erfreulich hohe Zahl an aktiv mitwirkenden Helfern aller Organisationen und deren tatkräftiges Zusammenwirken während der anstrengenden Rettungsarbeiten hob er hervor. Auch konnte er festhalten, dass die rund 20 Verletztendarsteller in bestechend kurzer Zeit aus dem Rauch ins Freie gerettet wurden.

Nach der Übungsarbeit bot Kommandant Kögl zusammen mit der Vorstandschaft der Theatergesellschaft allen interessierten Helfern noch einen stressfreien Rundgang durch das Theaterhaus, diesmal aber unter voller Beleuchtung. Für die Feuerwehrler ist eine gute Ortskenntnis in solchen Großobjekten eine immense Erleichterung für den Ernstfall. Die meisten Rettungskräfte kannten das Theater zwar aus der Besuchersicht, einen Blick hinter den Bühnenbereich sowie in die Garderoben, Schmink- und Technikräume sowie den riesigen Requisiten-Fundus ergatterten aber fast alle an diesem Tag zum ersten Mal.

Im Feuerwehrhaus trafen sich dann noch Helfer und "Opfer" zur traditionellen Übungsbrotzeit. amf

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