Tipps von zwei Expertinnen

Blühende Barbarazweige: Ein Wunder in der dunklen Jahreszeit

Kreisbäuerin Katharina Kern schneidet zusammen mit ihren Enkelkindern Maria (vorne), Vroni und Jakob Forsythienzweige im Garten ab.
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Kreisbäuerin Katharina Kern schneidet zusammen mit ihren Enkelkindern Maria (vorne), Vroni und Jakob Forsythienzweige im Garten ab.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Ein blühender Blickfang mitten im Wohnzimmer – wer sagt dazu Nein? Die Barbarazweige werden am 4. Dezember traditionell abgeschnitten und in eine Vase gestellt. Kreisbäuerin Katharina Kern und Walburga Fischbacher, Vorsitzende des Gartenbauvereins Pfraundorf, geben Tipps zur pünktlichen Blüte.

Oberaudorf/Raubling – Jedes Jahr am 4. Dezember, schneidet Katharina Kern aus ihrem Garten Obst- oder Forsythienzweige ab und stellt sie auf einen hellen Platz in eine Vase. Den Ästen beim Aufblühen zuzusehen, ist für die Kreisbäuerin ein schöner Brauch. „Der Barbara-Brauch ist in der bäuerlichen Gesellschaft weit verbreitet. Wir leben das ganze Jahr über mit der Natur. Da ist es in einem drinnen, dass man bestimmte Dinge zu einer bestimmten Zeit macht.“

Eine „leise Freude“ in der Adventszeit hilft beim Innehalten

Eine Heilige wie die Barbara, die als Schutzpatronin der Bergleute und Gefangengen gilt, sei vielen im Inntal noch ein Begriff. Sie sei der Legende nach eine Märtyrerin gewesen, erzählt Kern. Barbara sei eine Heidin gewesen, die zum Christentum konvertieren wollte. Deshalb sei sie von ihrem eigenen Vater zum Tode verurteilt worden. Und auf dem Weg ins Gefängnis habe sie versehentlich mit ihrem Gewand einen Zweig mitgenommen. Barbara nahm den Zweig und legte ihn in eine Trinkschale. Laut Legende ist er am Tag ihrer Hinrichtung aufgeblüht.

Das Aufblühen der Zweige bezeichnet Kern als eine „leise Freude“ in der Adventszeit: Überall werde man mit Weihnachtsliedern beschallt, man kauft Geschenke, backt Plätzchen – da sei so ein blühender Hingucker eine willkommene Einladung zum Innehalten in der dunklen Zeit. „Heute hat man in den Blumengeschäften eine große Auswahl. Das gab es früher nicht“, so Kern. Da haben sich die Leute als Farbtupfer Obstzweige in die Stube geholt.

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Die Kreisbäuerin nimmt am liebsten Kirschzweige her. Das Weiß der Blüte erinnere sie an Reinheit und passe gut zur Weihnachtszeit. „Für mich ist der Brauch schon auch ein wenig symbolhaltig.“ Aber auch Apfelzweige oder Forsythienzweige würden sich gut eignen. Bräuche weiterzugeben sei für die Kreisbäuerin „wichtig“: So schneide sie zum Beispiel gerne mit ihren Enkelkindern Zweige ab und stellt sie mit ihnen zusammen in eine Vase ans Fensterbrett. „Und dann warten wir ab, was passiert.“

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Jedes Mal klappe es mit der pünktlichen Blüte zur Weihnachten nicht. Woran das liege, wisse Kern auch nicht immer. Aber neben der Vorfreude auf blühende Knospen, seien die Zweige an sich schon ein toller Blickfang, findet sie: „Ich dekoriere viel mit Naturmaterialien.“ Um die Zweige mehr ins Blickfeld zu rücken, setzt sie auf Rot: Hagebutten, Granatäpfel oder einfach nur ein paar Walnüsse. „Da nehme ich alles, was so hergeht. Man kann mit vielem eine schöne Deko machen.“

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Ein blühendes Wunder holt sich am Barbaratag auch Walburga Fischbacher, Vorsitzende des Gartenbauvereins Pfraundorf, jedes Jahr ins Haus – und das schon seit mehr als 50 Jahren: „Für mich sind die Barbarazweige ein Symbol dafür, dass alles wieder zu wachsen beginnt“, erklärt die 70-Jährige. Als Barbarazweige würde sich fast jeder Obstzweig eignen. Aber Fischbacher schwört auf die Zweige der Scheinquitte: „Die blühen so schön rosafarben. Außerdem sieht man bei diesen Zweigen, schon ganz gut die kleinen Knospen.“

Erster Frost verhindert frühes Aufblühen

Wichtig sei bei allen Zweigen, dass sie bereits einen „ersten Frost“, abgekommen haben, weiß die 70-Jährige. Das verhindere, dass die Knospen frühzeitig aufblühen. Mit einer Gartenschere schneide sie die Zweige schräg ab und stellt sie in ein temperaturwarmes Wasser. Bei Bedarf, wenn das Wasser „zu riechen“, beginne, sollte man es auswechseln.

Aber auch bei der Vorsitzenden des Gartenbauvereins klappe es nicht immer mit der pünktlichen Blüte. Blühen die Zweige zu schnell auf, gebe es eben neue. „Grundsätzlich blüht die Scheinquitte schneller auf als die Kirschblüte.“

Und wo sollte man die Zweige am besten platzieren? „Je dunkler der Stellplatz, desto blasser wird auch die Farbe“, so Fischbacher. An einem hellen Ort bekommen die Blüten eine intensivere Farbe.

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