Initiative von Maria und Rudolf Finsterwalder

Biogemüse im Dauer-Abo: In Stephanskirchen entsteht eine solidarische Landwirtschaft

Auf dem Grund in der Landlmühle in Stephanskirchen, auf dem Rudi und Maria Finsterwalder (links) und Gärtner Fridolin Sandmeyer stehen, werden bald Felder und Äcker zu sehen sein. Dort entsteht eine „solidarische Landwirtschaft“.
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Auf dem Grund in der Landlmühle in Stephanskirchen, auf dem Rudi und Maria Finsterwalder (links) und Gärtner Fridolin Sandmeyer stehen, werden bald Felder und Äcker zu sehen sein. Dort entsteht eine „solidarische Landwirtschaft“.
  • Alexandra Schöne
    vonAlexandra Schöne
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Auf 200 Beeten soll in der Landlmühle in Stephanskirchen in wenigen Monaten Biogemüse angebaut werden. Die Stephanskirchner Architekten Maria und Rudolf Finsterwalder wollen dort eine „Solidarische Landwirtschaft“ (Solawi) aufbauen. Das steckt hinter Projekt.

Stephanskirchen – Rudolf Finsterwalder geht über den schmalen Kiesweg, der am Landlmühlbach in Stephanskirchen vorbeiführt. Er blickt über die große Fläche, die von hohen Bäumen eingerahmt wird. Im Moment wuchert dort noch Gras. Doch schon im nächsten Jahr sollen sich dort auf 11.500 Quadratmetern 150 Beete und ein Gewächshaus befinden.

Zwei Hektar Produktionsfläche

Folgt man dem Kiesweg, stößt man irgendwann auf eine zweite Anbaufläche und auf eine dritte. Alle drei sind zusammen zwei Hektar groß. Darauf wollen Rudolf und Maria Finsterwalder von Gärtner Fridolin Sandmeyer aus Riedering Gemüsesorten wie Kartoffeln, Kürbis und Salat anbauen lassen. Und Obst. Alles in Bio und Permakultur, also in einem landwirtschaftlich produktiven Ökosystem.

Das Besondere an dem Projekt „Die Landler“: Es soll eine „solidarische Landwirtschaft“ sein. Das Konzept: Verbraucher bezahlen einen fixen Beitrag. In diesem Fall sind es pro Kiste, in der es acht Portionen gibt, 24 Euro. Dafür bekommen die Mitglieder wöchentlich einen Anteil der Ernte, erklärt Fridolin Sandmeyer. Wichtig sei aber, dass sie jeden Monat gleich viel zahlen, ergänzt Maria Finsterwalder. Egal, ob es viel oder wenig Ertrag gibt. Der Erzeuger, also in diesem Fall Fridolin Sandmeyer, bekommt so immer das gleiche Gehalt.

„Wir wollen keine Angestellten, sondern Partner“

Das Konzept der „solidarischen Landwirtschaft“ ist nicht neu. Laut „Netzwerk Solidarische Landwirtschaft“ gibt es in Bayern 45 eingetragene Initiativen.In Jolling bei Bad Endorf zum Beispiel, oder auch in Großkarolinenfeld.

Bald folgt die „Solawi“ der Finsterwalders in Stephanskirchen. Sie hätten sich für die Landlmühle schon lange so etwas gewünscht, sagen sie. Die beiden Architekten fungieren beim Projekt „Die Landler“ als Initiatoren, wollen sich aber sonst im Hintergrund halten. „Wir wollen keine Angestellten, sondern Partner. Jemanden, der eigenständig handelt“, sagt Rudolf Finsterwalder. Deshalb werde demnächst eine Genossenschaft gegründet. Er rechnet mit 200 bis 250 Mitgliedern. Für mehr sei die Anbaufläche momentan auch nicht ausgelegt.

Die Konsumenten können sich vor Ort ein Bild machen

Bei der „Solawi“ stehe für die Architekten nicht nur die Produktion, sondern vor allem auch der soziale Aspekt im Mittelpunkt. Die Leute sollen sich untereinander kennen, sich gegenseitig austauschen. Das Projekt ist laut Rudolf Finsterwalder nicht nur dazu da, Gemüse zu erwerben. Vielmehr stehe der „Erlebnischarakter“ im Vordergrund. Die Konsumenten sollen sich auf Rundgängen anschauen, wo Gemüse und Obst produziert werden. Oder sie gehen selbst auf die Felder und helfen bei der Ernte. Es soll nämlich transparent in der Landlmühle zugehen, das ist den beiden Initiatoren wichtig.

Und auch die Nachhaltigkeit dürfe nicht zu kurz kommen. Um weite Lieferwege zu vermeiden, sollen die Verbraucher das Gemüse vor Ort in der Landlmühle abholen können. Dass das Gemüse direkt vom Acker an den Kunden vermarktet wird, ist auch für Gärtner Fridolin Sandmeyer ausschlaggebend. „Ich bin ein Freund des Regionalen“, sagt er. Rudolf Finsterwalder ergänzt: „Von Rosenheim kann man zu uns auch mit dem Rad fahren.“ Die Zeit für so ein Projekt, davon ist er überzeugt, sei reif.

„Bereicherung für die Gesellschaft“

Das sieht auch Kreisbäuerin Katharina Kern so. Sie hält die Solawi für eine Bereicherung für die Gesellschaft. Diejenigen, die keinen Garten haben, könnten so selbst aktiv werden und bei der Produktion mitwirken. „Man lernt auch den Wert von Lebensmitteln viel mehr schätzen“, sagt sie. „Wenn man sieht, wo und wie sie hergestellt werden und wie viel Arbeit das ist.“

Mit der Solawi möchten die Finsterwalders ihre Vision von einem „Selbstversorger-Dorf“ in der Landlmühle näher kommen. „Nächstes Jahr soll angebaut werden“, sagt Rudolf Finsterwalder. Damit es im April die erste Ware gibt.

Mehr Infos zum Projekt:

Mehr Information zum Projekt „Die Landler“ gibt es unter www.dielandler.de oder per E-Mail an info@dielandler.de.

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