Bier vom Bauernhof – Simsseer Braumanufaktur will umziehen

Ein denkmalgeschützter Bauernhof an der Krottenmühlstraße soll die neue Heimat der Simsseer Brauereimanufaktur werden. Samt Bräustüberl. Schlcker
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Die Doppelgarage ist zu klein. Die Simsseer Braumanufaktur ist nach zwei Jahren ihrem Ursprungsgebäude entwachsen. Der Mietvertrag ist auch fällig. Neue Braustätte gesucht. Und gefunden. Im rund 155 Jahre alten Italiener-Hof von Konrad Lindner in der Krottenhausmühlstraße.

Stephanskirchen – Der denkmalgeschützte Hof am Sims-Kanal, direkt am Landschaftsschutzgebiet am südlichen Simsseeufer steht leer, einige Fensterscheiben sind bereits zerbrochen. Ein Zustand, den Lindner gerne ändern wollte, sich aber noch keine konkreten Gedanken gemacht hatte. Da passte es gut, dass dieSimsseer Braumanufaktur, genauer: Erika und Thomas Riedrich, auf Lindner zukamen. „Für uns ist das ein traumhafter Standort, direkt an der Sims“, sagt Elke Riedrich begeistert. „Es hat passt“, findet auch Lindner.

Die möglichen Beteiligten waren sich einig, dass eine Brauerei mit Bräustüberl eine gute Lösung für den Hof wäre und fragten bei der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt und bei der Gemeinde per Bauvoranfrage an, was die denn wohl davon hielten

Die Denkmalschützer sind dafür

Die Denkmalschützer waren sehr angetan, erzählen Lindner und Erika Riedrich übereinstimmend. Denn ein Ensemble wie der Bauernhof mit Sägewerk und Mühle nebenan gibt es nicht so häufig. Werden Gebäude nicht genutzt, werden sie nicht besser. Da kann dann auch der Denkmalschutz damit leben, dass im neuesten Gebäudeteil, keine 100 Jahre alt, ein großes Fenster den Blick auf die Braukessel freigeben könnte. Hauptsache belebt und das Erscheinungsbild insgesamt erhalten.

So ähnlich sieht das auch die Gemeinde Stephanskirchen. Zwar liegen Hof und Mühle im Außenbereich, eine neue Nutzung ist aber zulässig, „falls das Vorhaben einer zweckmäßigen Verwendung erhaltenswerter Bausubstanz dient, die äußere Gestalt des Gebäudes im Wesentlichen gewahrt bleibt“, wie es im Baugesetzbuch heißt. Die Bauvoranfrage von Lindner wurde sehr positiv aufgenommen, das Vorhaben kam gut an. Auch aus ortsplanerischer Sicht bestanden keine Bedenken.

Bauantrag klärt offene Fragen

Die Detailfragen rund um Denkmal-, Landschafts- und Wasserschutz werden dann im Zuge der Baugenehmigung geklärt. Und so weit ist es noch nicht, sagt Lindner, dessen einer Sohn sich in dem Gebäude eine Wohnung ausbauen will.

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Der Hobby-Brauer und Apotheker Thomas Riedrich hat vermutlich vor drei, vier Jahren nicht daran gedacht, dass aus ihm mal der Gründer einer Brauerei werden wird. Darauf gebracht hat ihn Rudolf Finsterwalder, Begründer der Simsseer Weidefleisch in Landlmühle. Der sagte zu seinem Genossenschaftsvorsitzenden Riedrich eines Tages „und jetzt noch ein g‘scheits Bier zum g’scheiten Fleisch...“.

Brauen in der Doppelgarage

Ein in Baierbach lebender Braumeister war schnell mit an Bord und die Simsseer Braumanufaktur nahm in einer Doppelgarage die Produktion auf. Die Biere kamen gut an, Erika Riedrich übernahm die Geschäftsführung der Brauerei und Anfang dieses Jahres war es dann so weit, dass ein junger Braumeister eingestellt wurde. „Nebenbei ging es nicht mehr“, sagt Erika Riedrich.

Pläne nehmen langsam Gestalt an

Jetzt schmieden die Gründer der Braumanufaktur und der Landwirt gemeinsame Pläne für eine größere Brauerei. „Unser Traum wäre natürlich ein Bräustüberl dazu“, sagt Erika Riedrich, „aber wie das dann aussehen und funktionieren soll, ob wir es selber betreiben, ist noch offen.“ Da will sich Lindner, der nebenan wohnt, gar nicht einmischen: „Ich verpachte Riedrichs die Hülle, alles andere ist deren Sache.“

Großprojekt braucht noch Zeit

Und es ist keine Sache von ein paar Wochen. Denn in Corona-Zeiten dauert alles länger, auch konkrete Absprachen mit Behörden, nach denen dann ein Architekt konkrete Pläne für das Großprojekt entwerfen kann.

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