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DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim

Starkregen, Sturmböen und Hagel

DWD warnt vor schwerem Gewitter in Teilen des Landkreises Rosenheim

Landkreis Rosenheim – Der DWD veröffentlichte am Sonntagabend (26. September) eine amtliche …
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WALDBESITZER SIND SAUER

Biber arbeiten in Schechen am Wasser und am Hang

Halber Meter Rinde weggenagt und schon muss eine mehrere hundert Jahre alte Eiche gefällt werden.
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Halber Meter Rinde weggenagt und schon muss eine mehrere hundert Jahre alte Eiche gefällt werden.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Hier jahrhunderte alte Eichen, dort alle Bäume am Fischweiher, tiefe Löcher im Acker – die Wald- und Grundbesitzer im Süden Schechens haben die Nase voll vom Biber. Ein knappes Dutzend der großen Nager hinterlässt immer wieder Spuren der Verwüstung. Jetzt werden Gegenmaßnahmen ergriffen.

Schechen – Der Biber ist im Süden des Gemeindegebietes unterwegs. Und nicht nur einer, sondern nach Einschätzung von WBV-Obmann Johanna Weichselbaumer und dem bei der WBV Rosenheim regional zuständigen Georg Wechselberger ein knappes Dutzend. „Und die sind nicht mehr nur an den Fluss- und Bachläufen unterwegs, die sind längst den Berg hoch und wüten da in den Wäldern“, berichtet Johanna Weichselbaumer. „Die Population ist zu groß“, sagt Wechselberger.

Uralte Eiche fiel Biber zum Opfer

Bei Familie Zehetmayer hat ein Biber eine mehrere hundert Jahre alte Eiche angenagt. Er kam über die Rinde nicht hinaus, das reichte aber, „dass wir unseren schönsten Baum fällen mussten“, so Ingrid Zehetmayer. Was habe der Baum schon alles erlebt – „und dann kommt der Biber und frisst ihn kaputt.“ Allerdings tat der Nager das noch vor der großen Laubholzversteigerung, zu der Zehetmayers ihre Eiche dann brachten. „Die WBV hat gesagt: ‚Sofort fällen, sonst geht Euch das Holz auch noch kaputt‘ “, so Ingrid Zehetmayer.

Wirtschaftlicher Schaden bei jungen Bäumen groß

Der wirtschaftliche Schaden sei bei kleineren Bäumen höher als bei großen, da die sich besser verkaufen lassen, so Wechselberger. Da hat man sich um die Setzlinge gekümmert, zugesehen, dass sie gute Bedingungen fürs Wachstum haben, hat sie vor dem Wild geschützt, „dann sind sie zehn, zwanzig Zentimeter dick, aus dem Gröbsten raus – und dann kommt der Biber...“

Die Vertreibung aus dem Paradies

Elisabeth Grabmaiers Fischteich sieht gar nicht gut aus. „Da ist die ganze Südseite weggefressen, der See ist zu sehr in der Sonne und verkrautet.“ Ja, es gebe ein paar hundert Euro Entschädigung, aber das sei nicht Sinn der Sache. „Der Fischweiher war immer mein Paradies. Und jetzt gehe ich nicht mehr hin, weil ich es nicht ertrage.“

Biber nagen ganze Hänge leer

Biber gingen, so Johanna Weichselbaumer, längst nicht mehr nur an Weiden oder weiche Hölzer, die nagten alles an, was ihnen unterkomme, egal ob Kirsche, Buche, Pappeln, Ahorn, Eiche, „die nagen ganze Hänge leer.“ Wechselberger weiß von einer Eiche zu berichten, die bis in einen Meter Höhe etwa zehn Zentimeter tief angenagt war. Im Sommerhalbjahr bedienen sich die Tiere auch gerne an Feldfrüchten. Hinterlassen dann tiefe Löcher. „An denen kann man sich den Traktor kaputtmachen“, so die WBV-Ortsvorsitzende.

Biber fehlen die natürlichen Feinde

Elisabeth Grabmaier versteht den strengen Schutz der Biber nicht, die vermehrten sich wie Unkraut. Das sieht auch Johanna Weichselbaumer so: Die Biber werden ein immer größeres Problem, weil sie sich ungebremst fortpflanzen. „Sie haben keine natürlichen Feinde mehr. Das waren Wolf, Bär und Luchs.“ Biber sind aber nach wie vor nach den FFH-Richtlinien der EU geschützt. Wie sinnvoll diese Richtlinie im Bezug auf Biber heute ist, dazu wollte sich die Untere Naturschutzbehörde nicht äußern. Der Biberschutz sei Sache der Politik.

Landkreis stockt Entschädigungen des Umweltministeriums auf

Die Waldbesitzer fühlen sich allein gelassen. Die freiwilligen Entschädigungen des Landkreises seien laut WBV Rosenheim nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Allerdings stockt der Landkreis – ebenfalls freiwillig – Entschädigungen des Umweltministeriums auf. Das waren 2019 inklusive der direkten eigenen Gelder etwa 11 000 Euro.

Hohe Hürden vor Abschusserlaubnis

Biber gehen nur an weiche Hölzer? An dieser Eiche nagten sie auf einen Meter Höhe etwa zehn Zentimeter des Durchmessers weg.

Die Erlaubnis, Biber aus ihrem Revier herauszunehmen, wahlweise durch Umsiedelung oder durch Abschuss, gibt es extrem selten. Beim Landratsamt heißt es auf Anfrage der Redaktion, dass dort keine Meldungen über Biberschäden aus Pfaffenhofen/Marienberg vorliegen. „Die wären Voraussetzung, dass die Kollegen tätig werden können“, so Ina Krug, Sprecherin des Landratsamtes. Wenn eine Meldung über Biberschäden eingehe, schauen sich Fachleute die Schäden und die Situation vor Ort an. Erst danach könne entschieden werden, welche Maßnahmen getroffen werden können. Der Abschuss eines Bibers sei sicherlich der letzte Ausweg. Die Hürden dafür lägen extrem hoch.

Mit Draht, Strom und Zaun gegen die Nager

Also greifen die Grundeigentümer, die sich alleingelassen fühlen, zu anderen Mitteln. Am alten Bahnwärterhäuschen haben die Bewohner den Zaun unter Strom gesetzt. Zehetmayers wollen, wie andere Waldbesitzer auch, ihre Bäume vermehrt mit Zäunen und Drähten vor den zweitgrößten Nagern der Welt schützen. Viel mehr legale Mittel gibt es nicht.

Was Johanna Weichselbaumer zu allem anderen erzürnt: „Und was ist mit all den anderen Tieren, denen die Biber den Lebensraum zerstören? Denen weint kein Tierschützer eine Träne nach.“

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