In 50 Tagen um Bayern - Zwei Sportler machen Halt in Flintsbach

Nach einem anstrengenden Tag, an dem sie rund 70 Kilometern und 1240 Höhenmeter überwunden hatten, trafen die beiden Sportler Ute Jansen (links) und Markus Frommlet (rechts) am Mehrgenerationenhaus in Flintsbach ein, wo sie von Bürgermeister Stefan Lederwascher (Zweiter von links) und Sebastian Wiesner, der das Projekt Mehrgenerationensport leitet, empfangen wurden.
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Nach einem anstrengenden Tag, an dem sie rund 70 Kilometern und 1240 Höhenmeter überwunden hatten, trafen die beiden Sportler Ute Jansen (links) und Markus Frommlet (rechts) am Mehrgenerationenhaus in Flintsbach ein, wo sie von Bürgermeister Stefan Lederwascher (Zweiter von links) und Sebastian Wiesner, der das Projekt Mehrgenerationensport leitet, empfangen wurden.
  • vonVolkhard Steffenhagen
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Rund um Bayern in 50 Tagen – diesem Abenteuer stellen sich die Berufsschullehrerin Ute Jansen und der Sportmediziner Markus Frommlet. Allein mit Muskelkraft wollen sie eine Distanz von 2.600 Kilometern bewältigen, bei denen sie insgesamt 52000 Höhenmeter überwinden müssen.

Flintsbach – Dazu nutzen sie rund 15 verschiedene Gefährte, vom Fahrrad über Kajak und Cityroller bis hin zum Rollstuhl. Manche Strecken nehmen sie auch zu Fuß in Angriff. Ihr Eifer dient einem guten Zweck für Menschen mit Behinderungen. Deshalb kommt auch der Rollstuhl zum Einsatz, um auf ihre Idee aufmerksam zu machen. Jetzt machten sie Halt in Flintsbach.

Spendenaktion für Kinder mit Behinderung

„Unsere ehrgeizige Expedition in der Heimat soll aber nicht nur zeigen, dass es auch hier in Deutschland möglich ist, noch niemals zuvor unternommene Abenteuer zu erleben, sie soll vor allem einem guten Zweck dienen: Wir wollen während unserer Umrundung Spenden sammeln für Kinder, die durch ihre Behinderung nicht in der Lage sind, sportlich aktiv zu sein, weil es an finanziellen Mitteln für unterstützende Maßnahmen, wie beispielsweise Sportprothesen oder Sportrollstühle fehlt“, erklärt Ute Jansen, die die Spenden in Zusammenarbeit mit dem Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands Bayern (BVS Bayern) zielgerichtet einsetzt. Durch die Spendenaktion sollen die Inklusion und das gemeinsame Aufwachsen dieser Kinder gefördert werden.

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Bayern ist manchmal eine Wildnis

Ob die Reise tatsächlich ein Abenteuer ist? „Ja“, sagte Markus Frommlet. Denn es sei manchmal gar nicht so einfach, sich exakt an der Grenze Bayerns zu bewegen. „Nicht überall befinden sich an den Grenzen Straßen, Feld- oder Wanderwege. Manchmal verlieren sich die Wege im Dickicht eines Niemandslandes und man glaubt, dass man sich gleich den Weg mit der Machete bahnen muss.“

Viele Menschen würden glauben, dass Deutschland dicht besiedelt sei. „Auf unseren ersten Etappen haben wir jedoch etwas ganz anderes erlebt.“ An manchen Tagen seien sie bei schönstem Wetter stundenlang unterwegs gewesen, ohne einer Menschenseele zu begegnen, beschreibt Frommlet seine Eindrücke.

In Lindau startete die Bayern-Tour

Gestartet ist das Duo am 25. Juli in Lindau. Nachdem zunächst alles wie geplant verlaufen war, hat sie die Natur am Dienstag der vergangenen Woche gezwungen, ihre Reiseroute zu ändern: Die Tour auf der Zugspitze musste wegen des Wetterumschwungs mit Starkregen und 20 Zentimeter Schneefall in höheren Gebirgslagen ausfallen. „Das wäre zu gefährlich gewesen“, sagte die Berufsschullehrerin, die mit ihrem Partner sogar den Unwettertag auf dem Rad verbrachte.

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„Einmal wurde es brenzlich, als wir einen Bach überqueren mussten, der zu einem stark fließenden Gewässer angeschwollen war. Dort mussten wir durchs reißende Wasser watend nacheinander erst unser Gepäck und dann die Räder übersetzen.“ Auf ihrer Reise unterstützt werden die beiden von einem Freund, der sie mit einem Fahrzeug begleitet.

Bei Flintsbach ein Drittel geschafft

Das erste Drittel der Gesamtstrecke erreichten sie am vergangenen Samstag in Flintsbach. „Der Tag begann für uns allerdings erlebnisreich, als wir auf der Gufferthütte gestartet sind. Schon morgens um 8 Uhr schwangen wir uns auf unsere Mountainbikes zur rasanten Abfahrt, doch schon bald kämpften wir uns im ersten Gang wieder bergauf“, schilderte Ute Jansen und schwärmte von der einsamen Natur und den faszinierenden steilen Schluchten, die sie durchquerten. 

Dann gönnten sich die Sportler ein kurioses Vergnügen: Mit einer Bobbycar-Downhill-Fahrt starteten sie auf der Schopperalm. Dank der speziellen Rallye-Reifen machten die Fahrzeuge bei der Abfahrt alles mit. Nach einem Zwischenstopp in Kiefersfelden stiegen sie auf Cityroller um und rollerten entlang des Inn-Ufers schließlich nach Flintsbach. Hier wurden sie am Mehrgenerationenhaus von Bürgermeister Stefan Lederwascher und Sebastian Wiesner, der das Projekt Mehrgenerationensport leitet, empfangen, als sie mit ihren Cityrollern auf den Hof fuhren. Zelt im Garten des Mehrgenerationenhauses aufgeschlagen

Um Bayern mit unterschiedlichen Gefährten

Warum ausgerechnet mit einem Cityroller?, fragten sich die erstaunten Flintsbacher. „Es macht viel Spaß, sich mit wechselnden Geräten fortzubewegen. Es stellt eine Abwechslung dar und es werden jedes Mal andere Muskelpartien beansprucht“, erklärt Ute Jansen.

Lederwascher und Wiesner stellten den Sportlern schließlich ihr elektrisch unterstütztes Spezial-Tandem vor, mit dem auch Radfahren möglich ist. Von diesen Tandemrädern gibt es in der Gemeinde vier Stück, Ihr Nachtlager, ein Zelt, schlugen Jansen und Frommlet dann im Garten des Mehrgenerationenhauses auf, ehe es am nächsten Tag in Richtung Bad Reichenhall weiterging. Ziel und Startort Lindau werden sie voraussichtlich am 12. September erreichen.

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