Warum junge Leute Landwirt werden

Benno Maier aus Prutting baut Stall für 500.000 Euro: Zwischen Kuhstall und Finanzen

Benno Maier junior aus Prutting steht in seinem neuen Stall im Ortsteil Bamham. Sieben Monate arbeitet er schon daran. Bis Ende des Jahres soll alles fertig sein.
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Benno Maier junior aus Prutting steht in seinem neuen Stall im Ortsteil Bamham. Sieben Monate arbeitet er schon daran. Bis Ende des Jahres soll alles fertig sein.
  • vonAlexandra Schöne
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Benno Maier aus Prutting ist 26 Jahre alt, hat den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern übernommen und baut jetzt einen Stall für eine halbe Million Euro. Was treibt einen jungen Mann zu dieser Investition – und zu dieser Berufswahl?

Prutting – Benno Maier junior steigt über am Stallboden liegende Kabel, umrundet Metallrohre und Holzblöcke und weicht einem Heuwender aus. Er schaut sich im Stall um. „Es ist noch einiges zu tun“, sagt er und grinst. Der Stall, in dem der 26-Jährige steht, wird gerade im Pruttinger Ortsteil Bamham gebaut.

Neues Zuhause für 40 Kühe

Von außen ähnelt er einer großen Baustelle. Der Erdboden ist aufgerissen, ein Bagger steht daneben. Innen sieht der Bau nach sieben Monaten bereits sehr nach Kuhstall aus. Im Dezember muss alles beendet sein, sagt Maier. Dann sollen seine 40 Kühe und die Nachzucht in ihr neues Zuhause einziehen.

Er geht durch die langen Reihen. Dass er sich in seinem Beruf auskennt, merkt man. Der 26-Jährige zeigt auf die Kuhboxen mit dem aus kleinen Quadraten bestehenden Boden. Den will er später komplett mit Stroh auspolstern. „Gut für die Gelenke der Kühe.“

Natürlich mache ich mir Gedanken und habe Respekt. Aber Angst darf man keine haben

Benno Maier

Über 960 Quadratmeter erstreckt sich der Stall. Kosten: 500.000 Euro. Eine gewaltige Summe, das weiß auch Maier. Damit verbunden: viel Verantwortung. Und auch „ein Schwung Schulden“. Er hat jetzt 25 Jahre Zeit, das Geld für den Kredit zurückzuzahlen. Subventionen vom Staat Bayern habe er bekommen, aber das sei nicht viel gewesen. 48.000 Euro insgesamt. Den Rest der Kosten muss er „reinwirtschaften“.

Doch er zeigt sich optimistisch, ist selbstbewusst. „Natürlich mache ich mir Gedanken und habe Respekt. Aber Angst darf man keine haben“, sagt er. Landwirt sein, das bedeute nicht nur im Stall stehen und Kühe füttern. „Man hat viel mit Zahlen zu tun. Die Finanzplanung ist enorm wichtig.“

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Es war seine eigene Entscheidung, diesen Stall zu bauen. Er hat sich von niemandem davon abhalten lassen. Dabei hat er erst Anfang des Jahres den Betrieb von seinen Eltern übernommen. Er hat eine Ausbildung zum Landwirt gemacht, nächstes Jahr steht der Meister an. Davor hat er Schlosser gelernt. Dass er den Hof irgendwann übernehmen würde, sei schon immer klar gewesen.

Der Vater ist in Rente, hilft aber weiter auf dem Hof

Als es dann soweit ist, scheut er keine Veränderungen. Er modernisiert die Betriebsstruktur auf dem Bauernhof. Er hat seinen eigenen Kopf, zieht sein Ding durch. Auch, wenn das seinem Papa nicht immer gefalle, gibt der 26-Jährige zu.

Benno Maier senior ist bereits in Rente, hilft aber trotzdem noch, den 30 Hektar großen Betrieb zu bewirtschaften. Genauso wie Mutter Monika. Die Pruttinger Ortsbäuerin befüllt unter anderem täglich die „Milchtankstelle“, die vor dem Bauernhaus steht. Dort gibt es Eier, Nudeln und natürlich Milch.

Das ist viel Arbeit, das weiß auch ihr Sohn. „Als sie einmal nicht da war und ich das auch noch machen musste, bin ich fast wahnsinnig geworden“, sagt er und lacht.

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Überhaupt bedeutet ein Bauernhof viel Arbeit. Täglich steht Maier um 6 Uhr im Stall und füttert seine Tiere. Den Tag über geht er mehrere Male auf die Baustelle. Abends steht die zweite Fütterung an. Manchmal arbeitet er wegen des neuen Stalls bis 22 Uhr und in den vergangenen Monaten auch an Sonn- und Feiertagen.

Wie geht man mit der Witterung und dem Klimawandel um?

Zu stören scheint ihn die viele Arbeit nicht. Er ist damit aufgewachsen und wusste, was auf ihn zukommt. Während andere sich 30 Tage Urlaub wünschen, gibt er sich mit einer Woche im Jahr zufrieden. „Das braucht man schon zum Abschalten.“ In die Stadt oder in eine andere Gegend zieht es ihn nicht. Er liebt seine Heimat. „Vor den Bergen ist es doch am schönsten. Und wir haben ja hier alles“, sagt Maier.

Der Beruf des Landwirts ist für ihn vielseitig. Jedes Jahr stünden andere Entscheidungen an. Wie geht man mit der Witterung und dem Klimawandel um, wie mit den Tieren? „Das sind Herausforderungen, die jedes Jahr unterschiedlich sind. Und dann ist da ja auch immer noch das Finanzielle.“ Man dürfe  sich keine Fehler erlauben, sondern müsse „wie in jedem Handwerksberuf einen perfekten Job“ abliefern.

„Viele haben keinen Respekt“

Dass man aber selbst entscheiden kann, was man macht, gefällt ihm. Was er hingegen ablehnt, ist die Einstellung der Bevölkerung gegenüber Landwirten. Er wünscht sich mehr Anerkennung. „Viele haben einfach keinen Respekt vor dem Beruf. Vor den Leuten, die die Grundnahrungsmittel produzieren. Das ist schade.“

Das sagt BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier:

Auch der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Josef Bodmaier, begrüßt das Projekt von Benno Maier junior aus Prutting. „Mich freut es, dass ein junger Landwirt diesen Schritt wagt und Mut zeigt. Gerade in der jetzigen Zeit, die nicht sehr rosig ist. Er wird das Selbstbewusstsein haben und sich das zutrauen.“ Im Zuge der Familienabfolge sei es durchaus normal, dass viele Landwirte jung den Bauernhof übernehmen. Laut Bodmaier ist es Standard, dass Jungbauern auch zügig einen Stall bauen. So hätten sie genügend Zeit, um den Kredit abzuzahlen. „Ältere Landwirte wollen es sich vielleicht nicht antun, noch 30 Jahre Zinsen zu zahlen.“

An Nachwuchs mangele es in der Region Rosenheim nicht. Jährlich gibt es 30 bis 40 Landwirtschaftsschüler, die in die Höfe einsteigen. Diese Zahl sei aber auch immer von äußeren Faktoren abhängig, wie zum Beispiel der wirtschaftlichen Lage.

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