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ÄLTESTE PRIVATE SCHMALSPURBAHN EUROPAS ZWISCHEN KIEFERSFELDEN UND WACHTL IN ÖSTERREICH UNTERWEGS

Beliebte Wachtl-Bahn vor dem „Aus“

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Nach einem guten Vierteljahrhundert Bahnverkehr zwischen Kiefersfelden und Wachtl in Österreich scheint das Signal für die „Wachtl-Bahn“, die der Verein „Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft Wachtl“ bis letztes Jahr betrieben hat, nunmehr auf „Rot“ gestellt zu sein.

Kiefersfelden – Zumindest sieht das der Eisenbahn-Betriebsleiter und langjährige Vereinsvorsitzende Günter Ziegler so. „Die Wachtl-Bahn steht vor dem Aus“, bedauert er. Doch es gibt noch einen Funken Hoffnung. „Schienen-Paten“ und Ziegler als „Pächter“.

In einem Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen gibt er einen Einblick in die aktuelle Situation um die besonders bei Touristen sehr beliebte historische Schmalspur-Attraktion. Er erklärt, dass „die Bahn stillgelegt wurde, weil keine Erneuerung der Strecke über lange Jahre hinweg vorgenommen worden war“. Eine sinnvolle Ausbesserung der etwas über sechs Kilometer langen Strecke durch den Eigentümer, die Zementwerke Rohrdorf, würde rund 200 000 Euro kosten. Erst dann dürfte der Eisenbahnbetrieb wieder aufgenommen werden, ist Günter Ziegler überzeugt.

Allerdings könnte die Beseitigung der gegenwärtigen Mängel an den teils maroden Schwellen, die zur Stilllegung geführt hatten, „auch gestreckt“ werden, heißt es aus dem Bayerischen Staatsministerium für Verkehr. Nach provisorischen Maßnahmen könnte der Bahnverkehr zunächst wieder aufgenommen werden.

In einem Gespräch mit Bürgermeister Hajo Gruber war dem Verein bereits zugesagt worden, „die pflegerischen Maßnahmen entlang der Strecke“ durch die Gemeinde wieder aufzunehmen, mit denen sie schon in den Jahren zuvor kostenlos den Verein unterstützt hatte.

Fakt ist auf jeden Fall, dass der Bahnbetrieb zum 30. April eingestellt werden musste. Aktuell läuft eine Ausschreibung des Bayerischen Innenministeriums auf Vergabe der Pacht für die Strecke, auf die sich neben Günter Ziegler, zugleich auch Eisenbahn-Sachverständiger, ein weiterer Bewerber gemeldet hat. Der neue Pächter, sollte es denn eine entsprechende Entscheidung der Staatsregierung geben, ist dann in der Pflicht, mit den Zementwerken Rohrdorf in Verhandlung um eine „Sicherstellung des Fahrbetriebs der Bahn“ zu treten. Wer dann für die Kosten der notwendigen Ausbesserungsarbeiten aufkommen muss, das stehe dabei ebenfalls zur Diskussion. Und da hat Eisenbahn-Betriebsleiter Ziegler auch schon eine Idee. Mit „Schwellen-Paten“ könnten die notwendigen Sanierungen an den maroden Gleisträgern finanziell abgesichert werden, schlägt er vor. Jeder Interessierte kann eine „Patenschaft“ über eine oder mehrere Schwellen übernehmen und so eventuell auch für das Überleben der Wachtl-Bahn sorgen.

Der Verein „Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft Wachtl“ hat in den zurückliegenden 27 Jahren, die er besteht, etwa 40 000 Euro investiert: für bauliche Maßnahmen, notwendige Werkzeuge und Reparaturen. Durchschnittlich 5000 Bahnreisende pro Saison wurden sicher und unterhaltsam mit den beiden E-Loks, der Diesel-Lok sowie den drei vereinseigenen Waggons befördert.

Die Wachtl-Bahn ist unter den Schmalspurbahnen mit 900 Millimetern Spurweite die älteste private Schmalspurbahn Europas, die zwischen zwei Ländern verkehrt. Auf ihrer exakt 6,1 Kilometer langen Strecke entlang des Kieferbachs, Klausenbachs und der Thierseer Ache erschließt sie ein weitläufiges Wander- und Erholungsgebiet, das von den Oberaudorfer Almen und der Gießenbachklamm bis zum Tiroler Seengebiet zwischen Hecht- und Thiersee durch landschaftlich und kulturell reizvolle Sehenswürdigkeiten führt.

Bahn fährt seit 1880

Sie wurde um 1880 in Betrieb genommen und beförderte bis 1991 ausschließlich Güter wie Kalkstein, der in Thiersee in Tirol abgebaut und im Werk der Heidelberger Zement in Kiefersfelden verarbeitet worden war.

Seit dem Jahre 1991 wurde die Wachtl-Bahn touristisch von der Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft Wachtl e.V. betrieben und genutzt, hauptsächlich an Wochenenden, Feiertagen und zu Sonder- und Ausbildungsfahrten von Juli bis Oktober eines jeden Jahres. Darüber hinaus hat sich der Verein auch die Erhaltung und Pflege von historischen Fahrzeugen und die Bewahrung der „Eisenbahntradition“ sowie die Ausbildung, Prüfung und Fortbildung von Mitgliedern auf die Fahnen geschrieben. Der Verein hat 125 Mitglieder im Alter von elf bis 85 Jahren.

„25 Jahre ging das sehr gut und nun soll auf einmal Schluss sein“, ist Güner Ziegler, seit 27 Jahren im Verein, enttäuscht. Seine Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des Eisenbahnverkehrs mit der historischen Wachtl-Bahn setzt er nun auf den „neuen Pächter“, der auch er sein könnte – und vor allem auf die Zementwerke Rohrdorf, die einer Wiederinbetriebnahme zustimmen müssen. hko

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