PRUTTINGER GREMIUM ERLÄSST ABSTANDSFLÄCHENSATZUNG

Bei Traufseiten gilt der neue Faktor – Abstände an Giebelseiten werden mit 0,75 berechnet

Nachverdichtung ist derzeit das große Zauberwort bei der Wohnraumplanung: möglichst wenig neue Wohngebiete, lieber Baulücken in bereits gebauten Gebieten füllen. Deswegen hat die Bayerische Bauordnung die Abstandsflächen neu geregelt und die Mindestabstandsflächen verringert.

Prutting – Diese Abstandsflächen erhalte man, wenn die Wände des Hauses aufgeklappt werden. Zum Beispiel: Ist die Traufseite eines Hauses vier Meter hoch, so ergaben sich nach der alten Regelung daraus vier Meter Abstandsfläche. Nach der neuen Regelung kann dieser Abstand um den Faktor 0,4 reduziert werden, es wären nur noch 1,6 m Abstand zu halten.

Diese Regelung auf alle Hausseiten anzuwenden, da war man sich im Pruttinger Gemeinderat einig, ist vielleicht für städtische Gebiete mit ihrer von Haus aus engeren Bebauung sinnvoll, nicht aber für ländliche Gemeinden. Hier störe eine dichte Bebauung das dörfliche Ortsbild. Deshalb soll es eine abweichende Satzung für die Gemeinde geben.

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Für das Pruttinger Gremium war klar, dass für die Traufseiten der Faktor 0,4 angewendet werden könnte, denn er macht Grundstücke nutzbar, in die sonst nur schwer ein Haus hineinzubekommen wäre.

Bei den Giebelseiten aber sollte mehr Abstand gehalten werden. Auch hier gibt es eine Veränderung durch die Verordnung: Wurde früher der Abschnitt vom Ende der geraden Wand bis zum Dachfirst nur zu einem Drittel berücksichtigt, zählt er nun voll. Daraus ergibt sich für die Praxis, dass bei der Abstandsberechnung alles beim Alten bleibt, wenn man für die Giebelseiten eine Abstandsfläche von 80 Prozent der gesamten Gebäudehöhe fordert.

Gremium einigt sich auf Faktor 0,75

Im Gemeinderat gab es hier zwei Ansichten. Die einen wollten bei den Giebelseiten tatsächlich alles wie bisher belassen, plädierten also für den Faktor 0,8, während die anderen den Bauwilligen mehr Freiheit lassen wollten und deshalb für den Faktor 0,7 warben. Am Ende einigte man sich auf den Faktor 0,75 für die Giebelhöhen. Damit seien nachträgliche Änderungen, wie etwa das Aufbringen einer Aufdachdämmung auch für die möglich, bei denen die bisherigen Abstandsgrenzen bereits ausgereizt waren.

Zusätzlichen Spielraum bei der Entscheidung schaffte sich das Gremium durch die Entscheidung, das 16-Meter-Privileg beizubehalten. Dieses besagt, dass bei einem Haus, das mit seinen Wandlängen jeweils unter 16 Metern bleibt, die normalerweise festgelegten Abstandsflächen im Einzelfall unterschritten werden können. Der Beschluss für die Abstandsflächensatzung erfolgte einstimmig.

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