Viel teurer als geplant

Bad-Trißl-Straße in Oberaudorf: Warum der Straßenaushub in der Oberpfalz entsorgt wird

Mitte Mai wurden die Bauarbeiten des ersten Abschnitts der Bad-Trißl-Straße eingeleitet. Der erste von insgesamt drei Abschnitten soll Ende November fertig sein.
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Mitte Mai wurden die Bauarbeiten des ersten Abschnitts der Bad-Trißl-Straße eingeleitet. Der erste von insgesamt drei Abschnitten soll Ende November fertig sein.
  • Barbara Forster
    vonBarbara Forster
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Der belastete Untergrund der Bad-Trißl-Straße bereitet der Gemeinde Oberaudorf Kummer. In der jüngsten Gemeinderatssitzung beschloss das Gremium, den Sondermüll durch die Firma Heiss Velop entsorgen zu lassen – eine kostspielige Maßnahme.

Oberaudorf – Die Gemeinde Oberaudorf zerbricht sich seit geraumer Zeit den Kopf über den belasteten Untergrund der Bad-Trißl-Straße. In der jüngsten Gemeinderatssitzung beschloss das Gremium mit einer Gegenstimme (17:1) den Sondermüll durch die Firma Heiss Velop für circa 119 000 Euro brutto entsorgen zu lassen. Ein kostspieliges Unterfangen, war sich das Gremium einig.

Keine einzige Deponiestelle in ganz Oberbayern

Im Zuge der Baumaßnahmen wurde im Aushub in der Bad-Trißl-Straße verunreinigtes Bodenmaterial festgestellt. Eine weitere Beprobung hat ergeben, dass das Material unter die Deponieverordnung fällt und somit entsprechend zu entsorgen sei.

Das Problem: In Oberbayern gebe es keine einzige Deponiestelle. „Die nächsten befinden sich in der Oberpfalz oder in Sachsen“, erklärte Michael Schmid, zuständig für Sonderprojekte der Gemeinde Oberaudorf. Und die Transportstrecke sei wiederum mit hohen Kosten verbunden.

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„Über Sinn oder Unsinn brauchen wir hier nicht reden“, merkte Bürgermeister Professor Dr. Matthias Bernhard (FWO) an. Wenn nur ein Brocken Teer im Untergrund zu finden sei, müssten schon die gesamten Materialen kostspielig entsorgt werden. Die Gemeinde hatte von mehreren Firmen Abfuhr-Angebote eingeholt. Der billigste Vorschlag sei von der Firma Heiss Velop eingegangen, erklärte Schmid. Entsorgt werden soll das Bodenmaterial voraussichtlich in der Oberpfalz.

Zuerst keinerlei Hinweise auf Kontaminierungen

Wegen laufender Beprobungen werden aber noch weitere Ausgaben auf die Gemeinde zukommen, machte Schmid deutlich. Die Ausschreibung zur Abfuhr sei bereits nach etwa 50 Prozent der Baumaßnahme erfolgt. Man gehe davon aus, dass der weitere Aushub ebenfalls Verunreinigungen aufweise. Schmid rechnet deshalb mit zusätzlich 100.000 Euro. Diese Entsorgung soll durch eine Auftragserweiterung an die bestbietende Firma vergeben werden.

Dass zu Beginn der Baumaßnahmen nur lediglich 60.000 Euro Entsorgungskosten veranschlagt worden, erklärt Schmid so: In einem Bodengutachten vor Beginn der Baumaßnahme habe es keinerlei Hinweise auf eine Kontaminierung gegeben. Erst beim weiteren Graben sei man drauf gekommen, dass sich im Untergrund Teerbrocken befänden. Mittlerweile haben sich nun Mehrkosten von circa 159.000 Euro ergeben. Diese seien förderfähig. Der Freistaat Bayern übernehme 40 Prozent, den Rest müsse die Gemeinde stemmen.

Gemeinde muss sich über Lagerflächen Gedanken machen

Ein weiteres Thema, worüber sich die Gemeinde Gedanken machen sollte, seien Lagerflächen. Derzeit sei Oberaudorf in der glücklichen Lage, die Materialien beim ehemaligen Hallenbadgelände zwischenlagern zu können. „Aber das Gelände wird nicht ewig zur Verfügung stehen“, merkte Schmid an. Und eine Zwischenlagerung ziehe weitere Kosten nach sich.

Transport von Bodenmaterial teurer als Bau der Straße

„Wir verstehen den Gesetzgeber nicht“, echauffierte sich Schmid auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Der Freistaat stelle Gesetze auf, ohne sich um deren Auswirkungen zu kümmern. Unterm Strich würde die Entsorgung von Bodenmaterialien mehr Kosten verschlingen als der tatsächliche Bau der Straße. Zudem würden die anfallenden Schadstoffe aufgrund der langen Transportwege auch die Umwelt belasten, meint Schmid.

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