Am Stauwerk Feldkirchen bekommen Eidechsen und Co. Ausweichquartiere

Die wilden Haufen, die derzeit am Inn ab dem Stauwerk Feldkirchen Richtung Süden zu sehen sind, sind Reptilienhabitate. Diese sind Ersatzlebensräume und müssen daher frühzeitig errichtet und angeboten werden, bevor Bauarbeiten am Inndamm beginnen.
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Die wilden Haufen, die derzeit am Inn ab dem Stauwerk Feldkirchen Richtung Süden zu sehen sind, sind Reptilienhabitate. Diese sind Ersatzlebensräume und müssen daher frühzeitig errichtet und angeboten werden, bevor Bauarbeiten am Inndamm beginnen.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Baumaßnahmen in Natur- und Landschaftsschutzgebieten, gerade am reißenden Inn, sind eine heikle Sache. Aber nicht für die Verbund AG.

Schechen/Vogtareuth/Stephanskirchen – Sand, Steine, Wurzelteile, trockene Äste – besonders schön sind die Haufen, die in den letzten Tagen und Wochen am Inn oberhalb des Stauwerks Feldkirchen auftauchen nicht. Zumindest für viele Spaziergänger und Radfahrer nicht. Zauneidechsen sind da ganz anderer Meinung. Und deren Meinung zählt.

Nicht, weil Zauneidechsen von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie (die Lehre von den Amphibien und Reptilien, Anm.d.Red) und Terrarienkunde zum „Reptil des Jahres 2020“ ernannt wurden. Sondern weil sie streng geschützt sind, wie die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt bestätigt.

Zauneidechsen beim Sonnenbad. Wie oft im Tierreich: Das Männchen ist farbenfroher.

Ausweichquartierefür Reptilien

Aber warum die rund 50 Haufen? „Wir basteln gerade Ersatzhabitate für Reptilien, damit die ausweichen können“, erklärt Wolfgang Syrowatka, Sprecher der Verbund AG. Ausweichen vor den Arbeiten am Inndamm, die im Winter beginnen sollen. Zauneidechsen beispielsweise ziehen sich zwischen August (erwachsene Männchen) und Oktober (Jungtiere) zur Überwinterung zurück.

Inndamm wird höher und stärker

Der Verbund plant oberhalb seines Stauwerks in Feldkirchen, Gemeinde Schechen, Anpassungen des Dammkörpers an die gültigen Normen. Die erforderlichen Baumaßnahmen wollen wir gerne mit dem Einsetzen der Niedrigwasserperiode zum Ende des Jahres 2020 in Angriff nehmen“, so der Pressesprecher.

Der Damm muss in Teilen erhöht und verstärkt werden, ein klassischer Fall für Arbeiten bei Niedrigwasser, weil der Damm durch die nötigen Eingriffe laut Syrowatka zunächst geschwächt wird. Und das ist bei Niedrigwasser von November bis Februar geschickter, als jetzt im Hochsommer bei etwa doppelt so hohem Wasserstand und damit mehr Druck auf den Deich.

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„Der Verbund überprüft und passt regelmäßig die Dämme und Deiche am Inn an um die aktuellen Normen einzuhalten, aber auch um im Hinblick auf die Messwerte zu Hydrologie und Sedimenten immer ein hohes Sicherheitsniveau zum Hochwasserschutz zu gewährleisten“, so Syrowatka. Die Dammerhöhungen sind in Feldkirchen von Kraftwerk links bis zum Fischpass geplant. Oberhalb des Kraftwerks ist laut Verbund nicht viel notwendig.

Zwei Schutzgebiete betroffen

Zwei Schutzgebiete am Inn werden laut Unterer Naturschutzbehörde von den Maßnahmen berührt, nämlich das FFH-Gebiet „Innauen und Leitenwälder“ und das Landschaftsschutzgebiet „Schutz des Inntales“. Allerdings hat sich der Verbund seit der Übernahme der Innwerke den Ruf erarbeitet, sehr pfleglich mit der Natur umzugehen. Markantestes Beispiel dafür im Landkreis ist wohl die – mehrfach ausgezeichnete –Renaturierung des Inns und seiner Altwässer oberhalb des Wasserburger Innwerks in Kooperation mit den Kreisfischereivereinen Wasserburg und Rosenheim.

Blühwiesen entlang des Inndamms

Auch bei den im kommenden Winter geplanten Dammanpassungen zum Hochwasserschutz und dem Konzept aus Humusauftrag und Ansaat werden neben der Sicherstellung eines Hochwasserschutzes auch bessere Voraussetzungen für die immer seltener werdenden durchgehenden Blühwiesen geschaffen und die streifenartig zur Beschattung führenden dominierenden Kleinbäume zurückgenommen. „Das schafft weit höherwertige Standortvoraussetzungen für mehr Blühflächen“, so der Verbund-Sprecher. Ziel sei es die Diversität und Artenvielfalt an den Dämmen und Deichen zu erhöhen. „Hierzu lassen wir uns von Fachplanern und Experten der TU Weihenstephan beraten und optimieren unsere Pflege und Konzepte weiter“, so Syrowatka. Die Planungen und Konzepte würden zudem eng mit den Fachbehörden abgestimmt.

Anschauungsobjekt etwas flussabwärts

„Als Spaziergänger kann man unsere Dämme und Deiche mit ihren Blühwiesen bewundern. Im Staugebiet Wasserburg sind alle Maßnahmen zur Anpassung an die Normen abgeschlossen, sodass man sich den Zielzustand der Blühwiesen nach den Dammerhöhungen – auch hier wurden in den letzten Jahren viele Dämme und Deiche erhöht – direkt anschauen kann“.

Kosten erst nach Genehmigung klar

Die tatsächliche Umsetzung sei vom weiteren Verlauf des erforderlichen Genehmigungsverfahrens abhängig, so Syrowatka. Zu den Kosten und dem Zeitplan des Vorhabens ab Feldkirchen südlich will sich der Unternehmenssprecher nicht äußern. Das könne er erst tun, wenn die Genehmigung vorliegt.

Die Zauneidechsen wären vermutlich froh, wenn die Maßnahmen bis in den Februar über die Bühne wären. Denn Anfang März erscheinen zunächst die Jungtiere und die Männchen und einige Wochen später auch die Weibchen wieder an der Oberfläche, lassen sich von der Frühlingssonne auf Betriebstemperatur bringen.

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