Die Aufreger des Jahres 2018

Auch in diesem fast abgelaufenen Jahr 2018 gab es in allen Gemeinden wieder viele „Aufreger des Jahres“ – positive wie negative. Hier eine kleine Sammlung zum Schmunzeln und Nachdenken.

Vogtareuth/Flintsbach/Kiefersfelden/Nußdorf/Neubeuern/Raubling – Für gute Laune sorgte zunächst im Gemeinderat Vogtareuth und beim dortigen Bürgermeister Rudolf Leitmannstetter die sogenannten Blühstreifen am Ortseingang. „Die Blumen sind mehrjährig, bald werden sie uns mit ihren leuchtenden Farben erfreuen.“ Das sagte der Rathauschef im April. Doch acht Wochen später hatte sich immer noch nichts getan. Statt Blumen sprießte Unkraut. Vogtareuth wurde zur Lachnummer im ganzen Landkreis – bis sich dann doch etwas tat. Umso schöner grünte und blühte es – eine Augenweide, wie die Zuschriften vieler OVB-Leser bestätigten. Was lernen wir daraus? Abwarten und Tee trinken! Oder: Wer zuletzt lacht....

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Auf 725 Jahre kann das alte Gemäuer des Kuchler-Hofes mitten im Ortskern von Flintsbach zurückblicken. Das war den Flintsbäckern ein riesiges Dorffest wert. So präsentierte sich der Kuchler-Hof, dessen Alter ihm kaum anzusehen ist, fein herausgeputzt. Das liegt wohl auch daran, dass seit seinem Bestehen in ihm ein reges Leben stattfindet. Denn er gibt seinen Bewohnern aus vier Generationen ein Zuhause und den derzeit 18 glücklichen Milchkühen eine großzügige Unterkunft. Mit dem Klang ihrer Glocken, die sie nur zu festlichen Anlässen tragen, wurde das Fest eingeläutet. Zu den örtlichen Zeitgenossen gesellte sich auch „Graf Siboto“, der zwar kein Geburtstagsgeschenk dabei hatte, aber einen Steuerbescheid, um sich seinen „Zehnt“ abzuholen.

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Bereits seit vielen Jahren erregt der Betrieb des Steinbruchs im Nußdorfer Ortsteil Überfilzen die Gemüter der Bürger. Vorausgegangen war eine rechtliche Ausei nandersetzung zwischen Landratsamt Rosenheim, dem Freistaat Bayern als Genehmigungsbehörde und der Gemeinde bezüglich der Abbauhöhe im Überfilzener Steinbruch. Schließlich kristallisierte sich das Thema heraus, ob ein Gesteinsabbau über 758 Meter gestattet ist? Eine vorläufige Antwort bekam die Gemeinde im Mai vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof: Im Steinbruch östlich von Überfilzen dürfen vorerst keine Abbrucharbeiten mehr durchgeführt werden! Die Bürger freuen sich! Bereits seit der Vorweihnachtszeit ziert nun ein beleuchteter Tannenbaum die obere Abbaukante. Ein Zeichen? So heißt es denn im weihnachtlichen Kapitel 2 des Lukas-Evangeliums „Und Frieden auf Erden den Menschen“.

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Mit der Ankündigung der bekannten italienischen Oberalp-Gruppe, in Kiefersfelden ein „architektonisches Zeichen am Tor der Alpen im Süden“ setzen zu wollen, geriet das Alpendorf direkt an der österreichischen Grenze in helle Aufregung. Zu den bekanntesten Marken der Investoren gehören „Salewa“ und „Dynafit“, wobei die Bergsportmarke Dynafit schon bald in Kiefersfelden nahe der Inntal-Autobahn A 93 zwischen Bahnlinie und Autobahn seine neue Heimat bekommen soll. Beim internationalen Architektenwettbewerb mit namhaften Teilnehmern, beispielsweise aus Spanien und Schweden, haben sich zwei Favoriten herauskristallisiert. Bürgermeister Hajo Gruber ist voller Zuversicht, allerdings sagt er auch: „Erst wenn das Richtfest gefeiert wird, können wir sicher sein, dass es so kommt wie geplant.“ Ein weiser Mann, dieser Bürgermeister. Denn mit dieser Ansiedelung hat er namhafte Konkurrenzstädte clever aus dem Feld geschlagen, nicht zuletzt München. Die Ansiedlung würde übrigens bedeuten, dass in dem durch den Verlust von vielen Arbeitsplätzen arg gebeutelten ehemaligen Industriestandort wieder viele hochwertige neue Stellen entstehen.

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Und wieder einmal stank es in Raubling. Aber nein, nicht die üblichen Verdächtigen, sondern diesmal waren die Bakterien der hauseigenen neuen Kläranlage des Unternehmens Pharmazell in Raubling in den Streik getreten. Und in was für einen! Drei Wochen lang hielten sie das Führungspersonal auf Trab. Wegducken ging da nicht mehr! Dann, nach rund drei Wochen und etlichen Euros ließen sich die Stinke-Bakterien der Kläranlage besänftigen. „Hurra, endlich“, riefen da auch die Raublinger und nahmen ihren Mund- und Nasenschutz wieder vom Gesicht!

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Neubeuern ist immer für einen Aufreger gut – egal, ob es sich um abgeschnittene Kastanienbäume, einen Kiosk am See oder einen Bürgermeister handelt, der es mit der Justiz zu tun bekommt. Jüngst machte er sich im Rat unbeliebt, weil er den Trassen-Kritikern den Wind aus den Segeln nahm. Hatten diese doch bereits ihre Ritterrüstungen angezogen und wollten gen Karlsruhe zum Bundesverfassungsgericht ziehen. Das fiel dann aus, weil eben dieser Bürgermeister das Bohrgutachten an die Bahn he rausgerückt hatte. Die „edlen Ritter“ waren sehr erbost über ihren Unglücksraben-Rathauschef. Und was kommt im neuen Jahr? Keiner weiß es, aber es bleibt spannend. Aufreger sind vorprogrammiert!

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Rewe oder Edeka? Das war in Riedering die Frage. Die Bürger durften entscheiden und sagten: Wir lieben Edeka. Der Bürgerentscheid im Oktober ging allerdings relativ knapp aus. 1521 Bürger stimmten für Edeka, 1326 Bürger für Rewe. Bis ein Uhr nachts sei ausgezählt worden, sagt Bürgermeister Josef Häusler. In der Stichfrage hatte Edeka mit 195 Stimmen die Nase vorn. Beide Märkte warben mit spektakulären Bauten: Rewe wollte in den Schlittenberg hinein bauen, Edeka bot Wohnungen mit Traumblick auf dem Dach des Einkaufsmarktes. Bis 2020 könnte Edeka am Ortsausgang Richtung Mitterfeld stehen.

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Aufatmen konnte Großkarolinenfelds Bürgermeister Bernd Fessler, als er Ende Oktober zum ersten Spatenstich fürs neue Rathaus in die Gemeinde geladen hatte. Denn lange Zeit hing der geplante Neubau am seidenen Faden, nachdem die Gemeinderatsmitglieder Josef Lausch (PLW), Dr. Erwin Gutsmiedl (GBV) und Elfriede Strasser (PLW) unter dem Titel „Rathauswahnsinn stoppen“ ein Bürgerbegehren initiiert hatten. So warfen die drei Gremiumsmitglieder den Neubau-Befürwortern unter anderem vor, mit unrealistischen Kosten von rund 6,3 Millionen Euro zu rechnen. Letztlich waren die Bürger Mitte September zum Bürgerentscheid an die Wahlurne gerufen – und sprachen sich mit einer deutlichen Mehrheit für das neue Rathaus aus.

Die Aufreger 2018 in Bildern (im Uhrzeigersinn):Der dann endlich doch blühende Blühstreifen in Vogtareuth, der Kuchler-Hof in Flintsbach feierte 725-jähriges Bestehen, Bürger haben Angst vor Abbruch des Steinbruchs in Überfilzen, „Wir lieben Edeka“ meinten die Riederinger und stimmten für den Edeka-Markt statt für Rewe, Gestank durch Bakterien im Chemieunternehmen Pharmazell, hierher kommt Dynafit zur Freude der Kieferer und ihres Bürgermeisters Hajo Gruber. Knothe/ Kirchner/ Steffenhagen/ Hoffmann/ ruprecht

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