IN STEPHANSKIRCHEN IST BARRIEREFREIER SEEZUGANG GEPLANT

Auf dem Rollisteg ab in den Simssee

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Temperaturen um den Gefrierpunkt, Schnee und ein barrierefreier Seezugang – passt nicht? Passt doch, denn ein solches Vorhaben am Badeplatz in Baierbach will vorbereitet werden.

Von Sylvia Hampel

Stephanskirchen – Deswegen trafen sich Vorstandsmitglider des Seebesitzerverbandes, Bürgermeister Karl Mair und der Behindertenbeauftragte der Gemeinde Stephanskirchen, Harald Oberrenner im Winter am Kiosk in Baierbach.

Ersten Standort lehnten Seebesitzer ab

Die Überlegungen, an dem beliebten Badeplatz einen behindertengerechten Seezugang zu bauen, gib es nicht erst seit diesem Winter. Bisher war ein solcher Zugang nahe der Wasserwachthütte angedacht. Was den Seebesitzern nicht gefiel. „Dort wird bei Ostwind der ganze Dreck angetrieben und das wollten wir den Leuten nicht zumuten“, so Thomas Sandbichler, Vorsitzender des Seebesitzerverbandes.

Behindertenbeauftragter nahm Kontakt auf

Dann ging eine ganze Zeit nichts weiter. Im vergangenen August nahm Harald Oberrenner dann Kontakt zu den Seebesitzern auf. „Ich bin völlig leidenschaftslos, ob der Zugang nun ein paar Meter weiter rechts oder links entsteht. Das sollten Fachleute entscheiden“, so Oberrenner, der selber im Rollstuhl sitzt.

Barrierefreier Zugang auch für Senioren wichtig

Ihm sei wichtig gewesen, den Seebesitzern zu vermitteln, dass ein gut zu bewältigender Seezugang für immer mehr Menschen wichtig sei. Dazu trage auch der demografische Wandel bei. Denn ältere Leute tun sich bei zu nachgiebigen Untergrund genauso schwer wie bei steilen Leitern.

Gutes Gespräch am winterlichen See

Die Botschaft kam an und das Treffen am winterlichen Seeufer fand statt. „Es war ein gutes Gespräch“, freut sich Oberrenner rückblickend. Die Seebesitzer schlugen vor, den behindertengerechten Zugang doch in gerader Linie vom neuen Kiosk vor an den See zu legen.

Guter Zugang vom Parkplatz aus

Die Stelle sei vom Parkplatz aus gut zu erreichen, so Sandbichler, auf direktem Weg seien es nur 20 Meter. Und die Wasserqualität sei besser als an der Wasserwachthütte. Außerdem sei es dort eher flach, das sei vermutlich auch günstig.

Langer Steg in seichter Bucht

Das ist der einzige Punkt, an dem Karl Mair widerspricht: Wegen des flachen Wassers brauche der Steg eine gewisse Länge bis zur benötigten Wassertiefe. Laut Oberrenner müssen die Gegebenheiten so sein, dass Rollstuhlfahrer und alle anderen Badegäste, die nicht gut zu Fuß sind, problemlos vom Steg ins Wasser hineinschwimmen und dann auch wieder ans Ufer hinausschwimmen können. „Das dürfte eine größere Maßnahme werden“, so Mair.

Standort kam bei allen an

Einig sind sich alle Beteiligten, dass die gute Zufahrt zum Parkplatz und per Rolli weiter an das Ufer ideal sei. Im neuen Kiosk könnten auch behindertengerechte Dusche und WC untergebracht werden.

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Oberrenner dringt darauf, dass die Gemeinde ernsthaft planerisch tätig wird, dann habe man für alles Weitere eine solide Gesprächsbasis. Der Bürgermeister hat schon einen Stegbauer darauf angesetzt, der sich die Situation anschaut.

Sommer 2021 könnte knapp werden

Ob dann Behindertenparkplätze ausgewiesen werden, wie praktische Fragen und Fragen der Sicherheit zu beantworten sind, das ist dann nach Ansicht Sandbichlers Sache der Gemeinde. Wie auch der Bau des Steges. Da gelte es auch noch, eventuelle Fördermittel auszuloten, so Mair. Ob Finanzierung und Bau bis zum Sommer über die Bühne gehen können, hält Mair angesichts der Corona-Pandemie für fraglich. Im Sommer 2022 soll Oberrenner aber, geht es nach Mair, in Baierbach aus seinem Rollstuhl in den Simssee hinaus schwimmen können.

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