Atom-Demo auf dem Wendelstein: Ärzte setzen sich gegen nukleare Rüstung ein

Ein spektakuläres Bild boten die Ärzte mit einer Raketenattrappe auf dem Wendelstein. Sie warnten mit diesem Marsch vor nuklearen Gefahren. thomae

Mit einer Raketenattrappe hatte sich am Sonntag eine Gruppe von Ärzten auf den Weg zum Wendelsteingipfel gemacht, um damit ein Zeichen gegen die nukleare Rüstung zu setzen. Die rund ein Dutzend Ärzte gehören der Regionalgruppe München und Oberbayern der Friedensorganisation IPPNW an. Dieses Kürzel steht für die Vereinigung „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung“.

Brannenburg– Der Wendelsteingipfel als Ort für die Aktion war ganz bewusst gewählt. Ein Mitglied der Gruppe, Ingeborg Oster, hatte es noch kurz vor ihrem tragischen Tod bei einem Bergunfall im September dieses Jahres so formuliert: „Dort oben ist es so wunderschön, dass man sich einen Krieg gar nicht vorstellen mag, schon gar nicht einen Atomkrieg. Der atemberaubende Blick bestärkt einen vielmehr in dem Engagement zum Erhalt unserer Erde.“

Friedensnobelpreis für IPPNW

Dabei sei die nukleare Gefahr uns allen näher, als man sich vorstelle, so die Ärztegruppe: Im rheinlandpfälzischen Büchel lagerten nicht nur amerikanische Atomwaffen, es würden dort auch Luftwaffenpiloten im Umgang mit ihnen ausgebildet, dies als Teil der unter den Nato-Mitliedern vereinbarten sogenannten nuklearen Teilhabe.

Die Organisation IPPNW, die für ihr Engagement 1985 den Friedensnobelpreis erhalten hat, fordert schon seit Längerem, Deutschland solle sich aus dieser Teilhabe zurückziehen und stattdessen dem Atomwaffenverbot der UNO anschließen. Dieses ist vor zwei Jahren von der Mehrheit der UNO Staaten unterschrieben worden, die Nato und damit auch Deutschland haben sich nicht daran beteiligt.

Für die Ärzte ist der dieser Weigerung zu Grunde liegende Abschreckungsgedanke kein Argument, sondern schlicht pervers: „Es geht dabei darum, dem Gegner maximalen Schaden zufügen zu können. Wie krank müssen Menschenhirne sein, um sich eine solch perfide Zerstörungslogik auszudenken?“ Denn für die Ärzte ist klar: Versagt der Abschreckungsgedanke eines Tages, „dann gibt es nur noch Schrecken, keine Abschreckung mehr“.

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Für die Ärztegruppe von IPPNW geht es, wie sie auf dem Wendelsteingipfel deutlich machte, aber nicht nur um Atomwaffen, das Engagement wendet sich allgemein gegen eine sich wieder schneller drehende Rüstungsspirale. Das nicht zuletzt auch aus Gründen des Klimaschutzes: „Es ist gut und wichtig, dass wir alle etwas weniger fliegen und Auto fahren“ hieß es. „Aber was nützt das, wenn gleichzeitig Ölfelder in Brand geschossen werden und weiter Flugzeugträger die Ozeane und Panzer die Wüste durchpflügen?“.

Dabei, so ein weiterer Kritikpunkt, würden durch die Rüstung auch riesige Geldbeträge letztendlich sinnlos verschleudert: Europa rüste mit einem Etat von über 200 Milliarden Euro auf. Gleichzeitig mache man sich daran, die Grenzen gegen Flüchtlinge zu sichern. Statt Menschen mit Gewalt abzuweisen, sollte das Geld gegen Armut, Flucht und Vertreibung investiert werden: „Wir wünschen uns von den Verantwortlichen den Mut zu einer aktiven Friedenspolitik, denn wir wissen von der Macht friedlicher Konfliklösungen: Nur friedliche Lösungen sind menschenfreundlich und nachhaltig“.

Dass die Veranstaltung nicht zuletzt auch im Zeichen des Gedenkens an die verunglückte Kollegin Dr. Ingeborg Oster stand, versteht sich von selbst.

In ihrem Sinne hat Dr. Thomas Nowotny aus Stephanskirchen, einer der Teilnehmer, das Gedenken allerdings noch weiter gefasst: „Ingeborg hat sich immer für das Erinnern eingesetzt als eine Voraussetzung für die Zukunft. Und so wollen wir jetzt, wenn wir an Ingeborg denken, auch aller Opfer der alten und neuen Nazis, von Rassismus und Intoleranz gedenken“.

Der Aufmarsch der Ärzte sorgte für Aufmerksamkeit am Gipfel. Umstehende Leute diskutierten mit den Akteuren über den Grund ihrer Demonstration.

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