Antrag schlägt hohe Wellen

Das derzeitige Rathaus in Großkarolinenfeld wurde 1863 errichtet und diente einst als Pfarrhaus und Schulgebäude. Foto lindl
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Das derzeitige Rathaus in Großkarolinenfeld wurde 1863 errichtet und diente einst als Pfarrhaus und Schulgebäude. Foto lindl

Hoch her ging es in der jüngsten Sitzung des Großkarolinenfelder Gemeinderats. Kurz vor den anstehenden Bürgermeisterwahlen Anfang November hatte Wiltrud Rothmayer (Bündnis 90/Die Grünen) jetzt den Antrag gestellt, die Planungen für den Bau eines neuen Rathauses auf den Weg zu bringen. Das sorgte bei Johann Riedl (GBV) für Zündstoff.

Großkarolinenfeld - "Aus meinem Antrag soll kein Politikum gemacht werden. Vielmehr wollte ich den Anstoß zum Thema RathausNeubau geben", erklärte Wiltrud Rothmayer gleich zu Beginn der Sitzung. Schließlich würden die Standort-Bestimmung, die Finanzierung und Ausführung eines solchen Vorhabens sicherlich noch Jahre dauern.

Mit mehreren Argumenten versuchte Rothmayer, die Notwendigkeit eines Neubaus zu untermauern. So sei beispielsweise das derzeitige Rathaus marode. Es weise einen feuchten Keller auf, die elektrische Versorgung sei eine Gefahr, es fehle ein Aufzug, der Sitzungssaal im Dachgeschoss dürfe aus brandschutzrechtlichen Gründen nicht mehr genutzt werden, und energetisch weise das Gebäude große Mängel auf, was sich auch finanziell in den Unterhaltskosten bemerkbar mache.

"Entscheidendes Kriterium für die Frage, ob ein neues Rathaus erforderlich ist, sollte jedoch in erster Linie seine Funktionsfähigkeit für eine moderne Verwaltung als Dienstleister der Bürger sein", meinte Rothmayer. Ein bürgerfreundlicher Parteiverkehr sei nur noch eingeschränkt möglich.

"Ein solcher Antrag ist derzeit nicht nachvollziehbar und regt mich auf. Das Rathaus ist noch nicht so marode, dass es abgerissen werden müsste. Wir können doch keinen Beschluss fassen, wenn wir noch nicht mal wissen, wie wir einen Neubau finanzieren könnten", sagte Johann Riedl (GBV). Er sei grundsätzlich dagegen, das Gebäude abzureißen.

Bürgermeister Bernd Fessler versuchte die Wogen zu glätten. Es gehe laut Fessler momentan nicht darum, die bestehende Bausubstanz zu beseitigen. Vielmehr solle sich der OrtsentwicklungsAusschuss mit der Standortfrage und dem weiteren Verfahrensweg befassen.

Die Idee, dass sich der Ortsentwicklungs-Ausschuss mit der Sache befassen sollte, fand bei Roman Hörfurter (PLW) großen Anklang. "Ich verstehen Rothmayers Antrag nicht so, dass wir jetzt sofort mit der Planung beginnen müssen."

Verärgert über Riedls grundsätzlich ablehnende Haltung war Albin Schenk (CSU). Er erinnerte Riedl daran, dass dieser schon 1989 an vorderster Front für ein neues Rathaus gekämpft habe. "Deshalb überrascht mich Deine Haltung jetzt sehr. Aber vor dem Hintergrund, dass bald Bürgermeisterwahl ist, kann man es auch wieder verstehen", so Schenk.

Er kritisierte zudem, in Anspielung auf die jüngste Ausgabe des GBV-Bürger-Anzeigers, dass hier bei den Bürgern der Eindruck erweckt worden sei, man wolle in Großkarolinenfeld ein ähnlich großes Rathaus wie in Kolbermoor oder Bad Aibling bauen. Und dem wollte Schenk in aller Deutlichkeit widersprechen: "Wir sind bisher mit den Finanzen sorgsam umgegangen und werden dies auch künftig tun." Mit Fessler an der Spitze seien die Schulden in den vergangenen zwölf Jahren stetig abgebaut worden, und man sei ohne Neuverschuldung ausgekommen. In diesem Zusammenhang wies Schenk mit Blick auf Riedl darauf hin, dass es vielmehr die GBV gewesen sei, die vor nicht allzu langer Zeit neue Schulden habe aufnehmen wollen.

Den Vorwurf, die anstehenden Bürgermeisterwahlen hätten die Haltung der GBV beeinflusst, wollte Johann Kosek (GBV) nicht auf sich sitzen lassen: "Das ist unfair." Auch Riedl wies diese Kritik zurück, denn es sei nicht die GBV gewesen, die das Thema nun auf den Tisch gebracht habe: "Der Antrag hätte ja nicht ausgerechnet jetzt gestellt werden müssen. Ich bin doch kein kleines Kind und muss mich in der Sitzung nicht so anreden lassen", warf Riedl ein.

Bürgermeister Fessler plädierte dafür, "wieder eine Sachdiskussion zu führen und nicht mehr weiter in der Vergangenheit zu wühlen".

Der Rathaus-Chef setzte der Diskussion ein Ende, indem er zur Abstimmung schritt. Mit der Gegenstimme von Marga Knorek (GBV) entschied das Gremium, dass sich der OrtsentwicklungsAusschuss mit dem Thema Rathaus-Neubau und der Standortfrage befassen soll.

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