Antennenmast: Klappe, die Zweite

Zweiter Versuch: Die aktuelle Planung bezieht sich auf ein Grundstück, das über eine Feuerwehrauffahrt zur Autobahn (Bild) erschlossen werden kann. Foto Ruprecht
+
Zweiter Versuch: Die aktuelle Planung bezieht sich auf ein Grundstück, das über eine Feuerwehrauffahrt zur Autobahn (Bild) erschlossen werden kann. Foto Ruprecht

Wie in einem falschen Film fühlen sich Anlieger in Raubling, die sich zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres mit einem geplanten Funkmasten in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sehen. Mit einem Schachzug hatte der Gemeinderat im vergangenen Mai eine 48 Meter hohe Anlage in der Nicklheimer Filze verhindert.

Dass das Thema damit nicht vom Tisch sein würde, war angesichts der Tatsache, dass hier ein Suchkreis angemeldet ist, zu erwarten. Jetzt hat die Deutsche Funkturm GmbH einen erneuten Vorstoß nicht weit vom ersten ins Auge gefassten Standort unternommen.

Raubling - Bürgermeister Olaf Kalsperger bestätigte auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass die deutsche Funkmast GmbH, eine Tochter der Telekom, die Gemeinde über die Wiederaufnahme der Suche nach einem Standort für eine Anlage informiert hat. Diesmal gehe es anscheinend um einen 30 Meter hohen Masten plus Antenne. Beim ersten, gescheiterten Versuch war ein 48 Meter hoher Masten plus sechs Meter Antennenhöhe geplant gewesen. Der neue geplante Standort liegt nur etwa 150 Meter weiter südlich.

Im Frühjahr 2014 hatte die Gemeinde zu einem Trick gegriffen, um die Errichtung zu verhindern: Sie kaufte dem Landkreis einen Feldweg ab, der für die Erschließung des Privatgrundstückes notwendig ist. Ein Geh- und Fahrtrecht konnte auf diese Weise dem Antragsteller verweigert werden.

"Dass der Betreiber nicht aufgeben wird, war klar", betont der Bürgermeister. Ein neuer Bauantrag für einen neuen Standort liegt nach seinen Angaben jedoch noch nicht in der Gemeindeverwaltung vor. Seit einer Informationsveranstaltung im Dezember, zu der die Gemeinde eingeladen hatte und bei der neben Vertretern der Deutchen Funkmast GmbH auch ein Referent des Landesamtes für Umwelt gesprochen haben, hat die Gemeinde nichts mehr vom Antragsteller gehört. Trotzdem geht Kalsperger angesichts des angemeldeten Suchkreises in diesem Bereich davon aus, dass ein Antrag kommen wird.

Verhinderungstaktik

auf Dauer erfolgreich?

Der Grundeigentümer wäre der gleiche wie beim ersten Versuch. Erneut ist eine Erschließung nur über gemeindlichen Grund möglich, so Kalsperger. Lässt sich die Errichtung erneut durch die Verweigerung eines Geh- und Fahrtrechts verhindern? Diesmal besteht allerdings schon ein befestigter Weg, eine Art Feuerwehrzufahrt zur Autobahn.

Der Bürgermeister bezweifelt, ob es dauerhaft gelingen wird, die Errichtung eines Masten im Bereich Nicklheimer Filze mit taktischen Tricks zu verhindern. Grundsätzlich sind Vorhaben dieser Art privilegiert.

Die neue Anlage soll vorrangig das Funknetz entlang der Autobahnen schließen, aber auch die nahen Wohngebiete abdecken. Anscheinend ist sie jetzt nur für den eigenen Bedarf der Telekom gedacht, so Kalsperger. Beim nicht zu realisierenden Masten war auch geplant, andere Betreiber mit ihren Antennen hinzuzunehmen.

Die Bürgerinitiative, die am Montag, 2. Februar, einen Verein gründen will, befürchtet jedoch, dass die Höhe "von immer noch 40 Metern" auf eine weiterhin sehr umfangreiche Nutzung und Sendeleistung schließen lässt. Die Anwohner sehen gesundheitliche Gefahren durch die gepulste Mobilfunkstrahlung. Der Masten liegt ihnen - auch auf dem jetzt ins Gespräch gekommenen Standort - zu nah an der Wohnbebauung. In unmittelbarer Nähe, etwa auf dem ehemaligen Holzwerk Aicher, an der Tankstelle Lomo, auf der Mondi, in Grünthal und weiteren Orten in Raubling befänden sich schließlich schon Sendeanlagen. Mit dem geplanten Masten erfolge eine "unverhältnismäßige Konzentration".

Bürgerinitiative plant

eine Vereinsgründung

Reinhold Böhm, Mitglied des Sprecherrates der Bürgerinitiative Funkmast Raubling fordert, einen Alternativstandort zu suchen, der nicht in "unmittelbarer Nachbarschaft zur Wohnbebauung" liegt - etwa in gewerblichen Bereichen von Raubling. Die Betroffenen sehen auch den Wert ihrer Immobilien und Grundstücke durch einen Anlagenbau in der Nachbarschaft und durch eine befürchtete Beeinträchtigung des optischen Eindrucks in der Landschaft gemindert.

Bereits 2014 waren 354 Unterschriften gegen den Masten gesammelt worden, am Montag soll sich der Widerstand jetzt offiziell in einem Verein formieren. Dazu lädt die Initiative um 19 Uhr zum Huberwirt ein. Dort sollen auch die Ziele des Vereins festgelegt werden.

Sprecher Böhm sieht vor allem eine Notwendigkeit: "Eine Entscheidung, die sich an den Interessen der Anwohner orientiert - und nicht an den wirtschaftlichen Interessen der Mobilfunkanbieter, der Automobilhersteller und des Grundstückeigentümers". Außerdem fordert Böhm eine lückenlose Informations- und Kommunikationspolitik der Kommune sowie der Telekom rund um das Vorhaben.

Kommentare