Anja Zeilinger aus Stephanskirchen schafft einzigartige Bilder, die auch Promis sehr schätzen

Seit zwei Jahren ist sie hauptberuflich Künstlerin: Anja Zeilinger aus Stephanskirchen. Ihre „Stencil-Art“-Werke wurden schon in Galerien in China und Italien ausgestellt.
+
Seit zwei Jahren ist sie hauptberuflich Künstlerin: Anja Zeilinger aus Stephanskirchen. Ihre „Stencil-Art“-Werke wurden schon in Galerien in China und Italien ausgestellt.
  • vonAlexandra Schöne
    schließen

Anja Zeilinger ist hauptberufliche Künstlerin und hat ihre Werke schon in Galerien in China und Italien ausgestellt. Sie wird von der deutschen Industriellen-Familie Sachs gefördert. Zeilingers Fachgebiet ist die „Stencil-Art“. Ein Blick in das Studio der 28-Jährigen.

Stephanskirchen – Das erste, was einem auffällt, wenn man das Atelier von Anja Zeilinger (28) aus Stephanskirchen betritt, sind drei große schwarz-weiß Porträts, die an der Wand gegenüber der Tür hängen. Sie zeigen einen Mann, der auf einer Mundharmonika spielt und eine Frau mit zerzausten Haaren. Auf der dritten Leinwand ist das wettergegerbte Gesicht eines Mannes zu sehen, der einen Schal um den Kopf geschlungen hat und einen mit dunklen Augen anblickt. Um seinen Mund zum Hals hinunter ergießt sich ein grau-weißer Bart. „Zwei Wochen habe ich für dieses Bild gebraucht“, sagt Anja Zeilinger. „Das war richtig viel Arbeit.“

Gefördert von der Familie Sachs

Die 28-jährige Stephanskirchnerin ist Grafik- und Kommunikationsdesignerin, beendete ihr Studium in München mit dem Diplom. Seit 2018 ist sie hauptberuflich Stencil-Art-Künstlerin. Gefördert wird sie seit einigen Jahren von der deutschen Familie Sachs. Gunter Sachs, der 2011 verstarb, war bekannt als Industriellenerbe, Fotograf sowie Kunstsammler. Die Mitglieder der Familie Sachs stünden ihr als „Manager und Mentoren“ zur Seite, sagt Anja Zeilinger.

Anja Zeilinger stellt in China aus

Die Werke der jungen Frauen fanden sich schon in Galerien rund um den Globus. 2018 stellte sie einige Bilder in der Galerie „eloart“ auf der italienischen Insel Ischia aus. Im vergangenen Jahr zeigte Anja Zeilinger 17 Werke im „Museum of Contemporary Art“ in Peking. „Das war eine super Erfahrung“, sagt sie. Im Moment ist sie dabei, für die Schauspielerin Désirée Nosbusch, Fußball-Ikone Günter Netzer sowie den Designer Rolf Sachs Porträts zu kreieren.

Auf Stencil-Technik spezialisiert

Die 28-Jährige hat sich auf die sogenannte Stencil-Technik spezialisiert. Der englische Streetart-Schöpfer Banksy ist wohl einer der bekanntesten Künstler, der diese Technik verwendet. Bei der „Stencil Art“ (zu Deutsch: Schablonenkunst) bestehen die Bilder aus mehreren Schichten. Die Basis sind digitale Bilder. „Ich habe einen Entwurf im Kopf und erstelle mir am Computer mit einem Bildbearbeitungsprogramm eine Art Vorlage“, erklärt Anja Zeilinger. 

Skalpelle statt Pinsel

Anschließend wird das Motiv aus speziellen Folien ausgeschnitten. Dazu benötigt man extrem feine Skalpelle, um so präzise wie möglich arbeiten zu können. Und von denen verbraucht Anja Zeilinger jede Menge. „Im Schnitt 200 Stück pro Werk“, sagt sie. Die Klingen hebt sie in einem Holzkästchen auf. Vielleicht kann man sie bei einer Ausstellung irgendwann einmal präsentieren, sagt sie.

Körperlich harte Arbeit

Das Schneiden sei harte Arbeit und körperlich extrem anstrengend. Zwischen sechs und zwölf Stunden arbeitet sie täglich, manchmal sieben Tage am Stück. Da tue dann vor allem – zusätzlich zu den Händen – der Rücken weh. „Ich brauche zur Regeneration oft Schmerzgel“, erzählt Anja Zeilinger: „Die Arbeit ist wie Leistungsport.“ Und wenn sie beim Schneiden mal einen Fehler macht? Muss sie dann wieder von vorne anfangen? „Ja“, nickt sie, „dann ist die ganze Folie kaputt und ich kann von Neuem beginnen.“ Damit das nicht passiert, müsse sie dementsprechend konzentriert bei der Arbeit sein.

Sechs bis acht Wochen für ein Bild

Nach dem Schneiden werden die Folien auf einer Leinwand befestigt und dann wird die Farbe aufgesprüht. Anja Zeilinger beginnt immer mit der dunkelsten Farbe – in der Regel schwarz – und arbeitet sich über Grau zu Weiß vor. Sechs bis acht Wochen braucht sie im Durchschnitt für ein Werk. Bei Porträts achtet sie besonders auf die Augen. „Sie transportieren die Ausdrucksstärke eines Gesichts und erzählen die Geschichte des Menschen“ sagt Anja Zeilinger.

Weitere Infos auf der Homepage der Künstlerin

Zwei Bilder, ein Stück Weltgeschehen

Zwei Bilder, die sie kürzlich angefertigt hat, spiegeln ein Stück aktuelles Weltgeschehen wider: Ein Mann und eine Frau, die beide einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Bilder seien aus der Situation in der Corona-Krise entstanden. „Ich wollte Rosenheim etwas anderes geben als Symbolfotos“, sagt sie. Es sei ein Akt der Solidarität und der öffentlichen Ermutigung. Die Masken zeigen einmal die Flagge der Europäischen Union sowie einen Ausschnitt der Weltkarte. Denn: „Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagt Anja Zeilinger. „Der Zusammenhalt untereinander ist das Einzige, was momentan zählt.“ 100 Stunden Arbeitszeit stecken in den beiden Bildern im Format A4, sie sind kleiner als ihre anderen Werke.

In der Corona-Krise kämpfen Künstler – Schauspieler, Musiker, Tänzer und viele weitere – um ihre Existenz. Anders als diese ist Anja Zeilinger nicht vom Zugang zu einer bestimmten Anlage wie einem Theater oder vom Publikum abhängig. „Kuratoren sind trotzdem weiter mit Kunstsammlern im Gespräch und ich bekomme Aufträge“, sagt sie. Das schätze sie wert. Anja Zeilinger sagt: „Es ist ein Privileg, als Künstlerin arbeiten zu dürfen.“

Kommentare