Ampel schlägt Kreisel: Gemeinderat Brannenburg beschließt Signalanlage für Ortsdurchfahrt

Im Moment können Fußgänger die Staatsstraße nur an einer Seite per Ampelanlage überqueren.
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Im Moment können Fußgänger die Staatsstraße nur an einer Seite per Ampelanlage überqueren.

Kreisverkehr oder Ampelanlage? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Gemeinderat Brannenburg in der jüngsten Sitzung. Am Ende traf das Gremium schließlich mit vier Gegenstimmen eine Entscheidung. Man entschied sich für die „sichere“ anstatt der „schöneren“ Lösung.

Von Maria Stuffer-Chunphetch

Brannenburg – Kreisverkehr oder Ampelanlage? Aufgrund eines Bürgerantrags mit der Forderung nach einer signalgesteuerten Kreuzung wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung ein 2018 gefällter Beschluss für einen Kreisel im Bereich Nußdorfer Straße/Inntalstraße/Edeka-Zufahrt erneut zur Diskussion gestellt. Am Ende einer ausführlichen Diskussion traf das Gremium schließlich mit vier Gegenstimmen die Entscheidung, die Gemeindeverwaltung mit der Planung einer Vollbeampelung der Kreuzung zu beauftragen. Dies hebt den bisherigen Beschluss allerdings nicht auf.

179 Bürger haben unterschrieben

Nachdem der Gemeinderat mehrheitlich die von Geschäftsleiter Dr. Wolfgang Langer erläuterte Zulässigkeit des Bürgerantrags festgestellt hatte, folgte eine intensive Diskussion über die von 179 Personen unterzeichnete Forderung.

Eine Initiative aus Brannenburger Bürger spricht sich darin gegen den geplanten Kreisverkehr aus und beantragt eine signalgesteuerte Kreuzung. Diese würde für mehr Sicherheit beim Queren der Staatsstraße sorgen und sei insbesondere im Hinblick auf die wachsende Einwohnerzahl im Ortsteil Sägmühle mit vielen Kindern und Senioren notwendig. Die am Kreisverkehr vorgesehenen Verkehrsinseln böten keinen vergleichbaren Schutz. Zudem beurteile auch ein Verkehrsgutachten, das 2017 erstellt wurde, einen Kreisverkehr an dieser Stelle als kritisch. Auch wenn die Planung des Kreisels bereits weit fortgeschritten sei, sollte eine Neuplanung der Kreuzung mit einer zudem kostengünstigeren Ampelanlage in Betracht gezogen werden.

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Dass der Bau des Kreisverkehrs mit einem vorgesehenen Durchmesser von 38 Metern bisher noch nicht in Angriff genommen wurde, habe an den komplizierten Verhandlungen um ein dafür notwendiges Grundstück gelegen, verdeutlichte Erster Bürgermeister Matthias Jokisch (CSU). Erst vor einigen Wochen habe die Gemeinde die Zusage für einen möglichen Kauf erhalten. Mit einem Kreisel am Ortseingang verspreche man sich eine Verlangsamung des Verkehrs, vor allem aus Richtung Nußdorf. Zudem sehe man Vorteile für einen besseren Verkehrsfluss, betonte Jokisch.

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Laut dem Staatlichen Baumamt Rosenheim wird der Kreisverkehr ohne einen Zebrastreifen gebaut. Vorgesehen sind allerdings abgesenkte Bordsteine und Querungshilfen.

An die umfangreichen Beratungen des letzten Gemeinderates rund um die Entscheidung für einen Kreisverkehr erinnerte Zweiter Bürgermeister Florian Hörhammer (Junges Dorf). Da nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer dank der Verkehrsinseln beim Überqueren nur auf eine Fahrbahn achten müssten, sei auch die Sicherheit gewährleistet. Zudem biete ein Kreisverkehr die Möglichkeit, die Ortseinfahrt attraktiver zu gestalten. Eine Rolle habe bei der Entscheidung für einen Kreisel auch die kurze Entfernung zur Sparkassen-Kreuzung gespielt: Wegen der geringen Distanz wollte man keine weitere Ampelanlage installieren.

„Gefahrenpotential für die schwächeren Verkehrsteilnehmer“

Die bisherige Planung sei verbesserungswürdig, befand Gemeinderat Markus Reichl (Die Grünen): Besonders in der unterschiedlichen Vorrangsregelung mit Vorrang für Autos bei der Einfahrt in den Kreisel und Vorrang für Fußgänger gegenüber aus dem Kreisverkehr kommenden Fahrzeugen sah er ein enormes Gefahrenpotential für die schwächeren Verkehrsteilnehmer.

Für eine Ampellösung plädierte Anton Schwaiger (Freie Wähler) und verwies auf die besondere Situation in Brannenburg mit der starken Wohnbebauung auf der einen Straßenseite, und den Einkaufsmöglichkeiten und dem Weg zum Bahnhof auf der anderen Seite. Es gebe in der Umgebung keinen vergleichbaren Kreisverkehr, bei dem eine Staatsstraße so häufig überquert werden müsse. Mit einer intelligenten Ampellösung könne der Hauptverkehrsfluss auf der Staatsstraße sowie die Ausfahrt aus den beiden untergeordneten Straßen ausreichend geregelt werden.

„Sicherheit vor Schönheit“

In der lebhaften Beratung verwiesen mehrere Räte auch auf den finanziellen Aspekt. Eine Ampellösung würde mit rund 250 000 Euro deutlich unter den Kosten für einen Kreisverkehr mit etwa 520 000 Euro liegen.

Das Argument „Sicherheit vor Schönheit“ mit der Präferenz einer Ampellösung war in der Diskussion von mehreren Seiten zu hören. Auch bei einer notwendigen Umleitung des Verkehrs von der Autobahn her sei ein Kreisel nicht unbedingt besser als eine Ampelanlage, hieß es aus der Mitte des Gremiums. Angeregt zur Geschwindigkeitsreduzierung auf der Nußdorfer Straße wurden eine Vorverlegung des Brannenburger Ortsschildes und die Aufstellung eines elektronischen Zeigefingers.

Am Ende fiel eine Entscheidung: Mit vier Gegenstimmen wurde die Verwaltung schließlich beauftragt, eine Vollbeampelung der Kreuzung zu planen.

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