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Erste Bilanz im Sommer-Interview

Stephanskirchens Bürgermeister Karl Mair über Überraschungen im Amt aus der großen Politik

Kurze Auszeit. Die nimmt sich Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) gerne bei einem Espresso.
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Kurze Auszeit. Die nimmt sich Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) gerne bei einem Espresso.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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18 Jahre Gemeinderat, sechs davon stellvertretender Bürgermeister – da konnte Karl Mair nicht mehr so sehr viel überraschen, als er am 1. Mai 2020 sein neues Büro im Rathaus in Schloßberg bezog. Die Überraschungen kamen – aus Berlin und Wuhan.

Stephanskirchen – Die kleinen und großen Themen der Gemeinde kannte der 47-Jährige, auch mit dem Brenner-Nordzulauf, „ der unsere Gemeinde ganz massiv trifft“, hatte er sich schon vier Jahre auseinandergesetzt. Dementsprechend schnell startete Mair – um nach einem halben Jahr gebremst zu werden.

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Herr Mair, hatten Sie je damit gerechnet, dass Sie sich mit einer Pandemie und der Suche nach einem Atommüll-Endlager auseinandersetzen müssten?

Karl Mair: Nach 18 Jahren Kommunalpolitik war mir klar, dass ich auf einiges gefasst sein muss. Auch der Brenner-Nordzulauf kam 2016 überraschend. Was das Endlager betrifft, hoffe ich, dass die Region bald aus der Suche herausfällt. Corona hat uns alle getroffen, jeder musste lernen, damit umzugehen. Aber die Pandemie hat uns Zeit gekostet, die wir nicht für andere Aufgaben hatten. Denn wir mussten ja zusehen, dass die Gemeinde weiter funktioniert – vor allem Bauhof und Kläranlage. Aber wir sind vergleichsweise gut durchgekommen.

Nicht nur, was die Fallzahlen in Stephanskirchen betrifft?

Mair: Nein. Die Fallzahlen waren meist unterdurchschnittlich. Aber ich bin vor allem froh, dass alle Geschäfte und Gastronomen wieder aufgemacht haben. Die müssen wir unterstützen. Deswegen hängt am Rathaus auch immer noch das Banner „Kauf lokal“. Aber wir müssen wohl zumindest noch bis Ende 2021 warten, bis wir wissen, ob unsere Gewerbetreibenden – ob klein oder groß – einigermaßen durch die Pandemie gekommen sind.

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Sieht man sich die Bodenrichtwerte des Landkreises an, hat man das Gefühl, Stephanskirchen sei gefragt wie nie.

Mair: Wir haben ja auch eine extrem hohe Lebensqualität in der Gemeinde. Aber wir sind auch „Heimat unter Druck“. Stephanskirchen ist neben Bad Aibling die einzige Gemeinde im Landkreis, in der der Quadratmeter Wohnbauland durchschnittlich über 1000 Euro kostet. Das macht es jungen Familien und mittleren Einkommen schwer, hier Eigentum zu schaffen. Und auch die Gemeinde kommt nur schwer an Flächen, um Bau- oder Gewerbegebiete zu entwickeln. Deswegen haben wir auch Probleme, heimische Firmen zu halten, ihnen Möglichkeiten der Expansion zu geben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich in dieser Sache so viele Gespräche führen muss und kaum Fläche bieten kann.

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Dann ist da die Riesenherausforderung Verkehr, denn Stephanskirchen ist das Nadelöhr für alle, die aus dem östlichen Landkreis nach Rosenheim wollen. Das bringt für Fußgänger, Radfahrer, Autos, Lkw und Busse in unserer Gemeinde viele Probleme mit sich. Und auch der Freizeitdruck auf die Flächen wird immer größer. Die Leute haben die Innauen, den Simssee und die Waldgebiete in der Gemeinde für sich entdeckt. Das ist schön, bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich. Es gibt Gegenden in Nordbayern, die mögen uns um unsere Situation beneiden, aber auch wir stehen vor großen Herausforderungen.

Zum Beispiel?

Mair: Wir müssen Lösungen für Wohnen und Mobilität finden. Mit Haidholzen Südost haben wir eine große Chance in Sachen Wohnen, deswegen wollen wir da auch so schnell und so gut wie möglich zu einem Bebauungsplan kommen. Und wir müssen uns mit möglichst vielen Wohnformen, aber auch mit Modellen wie Erbbaurecht oder genossenschaftlichem Wohnen beschäftigen.

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Und bei der Mobilität sind Sie auf die Behörden des Freistaats angewiesen, weil die Durchgangsstraßen Staatsstraßen sind. Ist es schwer, das den Bürgern zu vermitteln?

Mair: Ja. Denn es betrifft ja nicht nur die Staatsstraßen, sondern zum Beispiel auch den Müll oder den öffentlichen Personennahverkehr, Angelegenheiten des Landkreises beziehungsweise der Regierung von Oberbayern. Da kann auch ein Bürgermeister nicht zaubern. Hinzu kommt, dass wir einfach kein 2000-Einwohner-Dorf sind, in dem vieles auf Zuruf funktioniert. Der Bauhof kann nicht in kürzester Zeit die kaputte Bank am Simssee wieder reparieren, die Mitarbeiter sind im Zweifelsfall irgendwo anders im Einsatz. Wir werden Verwaltungsabläufe optimieren, zumal die E-Mails von Bürgern stetig zunehmen. Ein Schritt wird die Stephanskirchen-App, die wir einführen wollen.

Täuscht der Eindruck, oder ist die Zusammenarbeit im Gemeinderat und von Verwaltung und Rat sehr gut?

Mair: Der Eindruck täuscht nicht. Die Hälfte der Ratsmitglieder ist neu, es sind acht Gruppierungen vertreten. Das sind städtische Verhältnisse. Die Zusammenarbeit ist wirklich gut, die Sitzungsdisziplin auch. Die Gemeinderäte sind nicht nur da, sie sind auch gut vorbereitet. Ich versuche, dazu beitragen, indem ich auch zwischen den Sitzungen Info-Mails verschicke, wenn irgendwas Wichtiges auftaucht. Und: Früher gab es ein paar Wortführer, heute beteiligen sich alle. Dennoch bleibt die Diskussion sachlich. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat macht Spaß. Auch der Verwaltung, die sich ernstgenommen fühlt – und gern Hintergründe liefert.

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Sie haben ein unheimliches Arbeitspensum, E-Mails von Ihnen kommen auch mal nach 22 Uhr an. Wenn jemand sagt „Mair, kürzertreten, Sie gehen jetzt mal auf eine einsame Insel“, wen und was nehmen Sie mit?

Mair: (Schweigen. Dann ein leicht verschämtes Grinsen) Ich bin so gar nicht der Typ für die einsame Insel. Mir reicht meist mein Garten zum Erholen. Ob ich die Hecke schneide oder den Garten einfach nur genieße, bei einem Espresso oder abends einem Aperol Spritz.

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