Algenteppich am Tinninger See in Riedering: Seekuh kommt nach Pfingsten

Ein dicker Algenteppich hat sich an der Oberfläche des Tinninger Sees in Riedering gebildet. In der Woche nach Pfingsten soll dieser gemäht werden. Reisner
  • vonJosef Reisner
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Algen überwuchern den Badeplatz am Tinninger See in Riedering. In der Woche nach Pfinsten kommt die Seekuh – ein Mähboot – und beseitigt diese. Die Mähaktionen sind Teil eines langfristigen Sanierungskonzepts für bessere Wasserqualität der Gemeinde.

Riedering – Badespaß sieht anders aus: Wie ein dicker grüner Teppich liegt die Algenschicht auf der Wasseroberfläche des Tinninger Sees in Riedering. Damit der Sprung ins kühle – und vor allem klare – Wasser wieder angenehmer wird, hat der Gemeinderat die Seekuh bestellt: Diese kommt in der Woche nach Pfingsten, ab Dienstag, 2. Juni, und mäht einen Bereich um den Badeplatz Tinning.

Gemeinde will Ursachen bekämpfen

Doch die Mähaktionen sind nur „kosmetische Maßnahmen“, sagt Martin Hofberger, Verwaltungsfachangestellter der Gemeinde Riedering. Er ist unter anderem zuständig für Gewässerkunde und Wasserrecht. „Wir müssen an die Ursachen ran“, sagt er. Dafür prüfen ein agrar-ökologisches Ingenieurbüro und das Wasserwirtschaftsamt die Nährstoffeinträge im Boden rund um den See.

Die Seekuhmäht die Algen unter der Wasseroberfläche und reinigt den See.

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Biologische Selbstreinigungskraft des Sees reicht nicht aus

Schon in den vergangenen Jahren kam die Seekuh am Tinninger See in Riedering zum Einsatz. Hunderte Kubikmeter Mähgut holt das Gefährt aus dem See. Auch heuer hat der Pflanzenbewuchs wieder stark zugenommen. „Der Tinninger See ist ein verlandender Moorsee ohne nennenswerten Zu- und Ablauf“, sagt Hofberger. Da durch sei die biologische Selbstreinigungskraft des Sees nicht so stark wie man es von anderen Gewässern kennt. Der Grund für den Algenwuchs liegt im Nährstoffgehalt des Moorsees. „Der See hat zu viele Nährstoffe. Deswegen kommen die Algen immer wieder“, sagt Hofberger. Stoffe wie beispielsweise Phosphor oder Chlorophyll entziehen dem See den Sauerstoff. Perfekte Voraussetzungen für das Algenwachstum.

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Für Menschen ist das aber nicht gefährlich: „Man kann bedenkenlos im Tinninger See baden“, sagt Hofberger. Zwar habe es 2014 einmal einen nachgewiesenen Fall von giftigen Blaualgen gegeben, das sei aber Jahre her. Seitdem hat die Gemeinde das gut im Griff, sagt Hofberger.

Vor allem durch das Düngen der Landwirte gelangen die Nährstoffe in das Wasser. Aber auch das heiße und trockene Wetter im Sommer tragen zum Algenwachstum und der Verunreinigung des Sees bei.

Sanierungskonzept startete bereits 2017

Die Mähaktionen mit der Seekuh sind Begleitmaßnahmen im Rahmen eines vierjährigen Sanierungskonzepts für Wasserqualität. Die Gemeinde hat dieses 2017 gestartet. „Die Mähaktionen sind nicht die einzigen Schritte, die die Gemeinde im Bereich Wasserqualität eingeleitet hat“, sagt Hofberger. Im Hintergrund laufe noch viel mehr. „Das Problem beschäftigt die Gemeinde schon sehr lange“, sagt auch Bürgermeister Christoph Vodermaier. Schon als Bürger habe er die Seereinigung verfolgt. Um die Ursache für den Algenwuchs zu bekämpfen, wolle die Gemeinde noch in diesem Jahr mit allen Beteiligten sprechen und ein Konzept erstellen. Dazu gehören nicht nur die Landwirte, sondern alle, die im Einzugsbereich des Tinninger Sees Grundstücke bewirtschaften oder dort wohnen. Dazu gehören unter anderen die Ortsteile Tinning und Gögging. Welche Schritte dann eingeleitet werden, stehe derzeit noch nicht fes und müsse erst diskutiert werden, sagt Bürgermeister Vodermaier.

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Gemäht wird nur der Schwimmbereich

Den See zu Pfingsten zu mähen, sei genau der richtige Zeitpunkt. „Derzeit ist es noch nicht so heiß, aber die Badesaison steht kurz bevor“, sagt Hofberger. Nicht gemäht werden dabei natürlich die schützenswerten Bereiche der Seerosen in den weiteren Uferbereichen. „Wir mähen nur Bereiche, die mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises abgestimmt sind“, sagt Hofberger.

Ein eigenes Mähboot will sich die Gemeinde nicht anschaffen. Langfristig wolle man die Algen aus dem See schaffen. „Die Idee und das Bestreben des langfristig ausgelegten Sanierungskonzepts ist ja, dass wir die Seekuh künftig nicht mehr brauchen“, sagt Vodermaier.

Ob die Bürger den Badespaß dann auch ausnutzen können, wird sich noch zeigen. „Derzeit ist auch noch unklar, wann und mit welchen Regeln man im Tinninger See wieder baden kann“, sagt Christoph Vodermaier.

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