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Adrenalin-Kicks bei Einbrüchen

Rosenheim/Landkreis – Das Jugendschöffengericht Rosenheim hatte über drei junge Männer zu urteilen, denen die Staatsanwaltschaft Einbruchsserien in Rosenheim und im Altlandkreis Bad Aibling zum Vorwurf machte. Aus einer ganz normalen Freundesclique, die sich vom Fußballspielen kannte, wurde über Nacht eine Einbrecherbande.

Die beiden Haupttäter hatten über längere Zeit keine Arbeit und somit auch kein Geld. Bis einer im Juli 2014 auf die Idee kam, in eine Rosenheimer Gaststätte einzubrechen, die etwas abseits steht und nicht gut einzusehen ist.

Zunächst nur zu zweit baldowerten sie nachts dort die Örtlichkeiten aus. Dann fuhren sie nach Hause, wo einer aus Opas Werkzeugschrank ein Brecheisen und mehrere Schraubendreher organisierte, um den Bruch zu bewerkstelligen. Zurück an der Gaststätte knackten sie dann zwei Vorhängeschlösser, drangen in die Gaststätte ein und rissen zwei Tresore aus der Wandhalterung. Etwas über 1000 Euro war die Beute. Der Sachschaden war jedoch weit doppelt so hoch.

Weil man sie nicht erwischte und weil der Geldmangel schnell wieder eintrat, setzten sie ihren Raubzug fort. Nun überredeten sie auch den dritten Angeklagten, sich an dem Beutezug zu beteiligen. Widerstrebend machte der dann auch mit. Nun wurde von dem Trio am 23. September 2014 in einer Nacht gleich in zwei Gaststätten eingebrochen: In der ersten war den Dreien die Beute zu gering, in der zweiten fanden sie etwas über 400 Euro – dabei lag der Sachschaden bei knapp 8000 Euro.

Im Oktober wählten sie nun Rosenheimer Schulen als Einbruchsziel. Zunächst hebelten sie Türen und Fenster am Karolinen-Gymnasium auf und erbeuteten rund 800 Euro – der Schaden lag bei über 3000 Euro.

Auch das E-Werkstüberl, eine Einrichtung der „Sozialen Stadt“, wurde Opfer des Trios. Beute: 825 Euro, Sachschaden: das Doppelte.

Schulen und Sportheime im Visier

Die Sportheime in Pang, Neubeuern und Großkarolinenfeld wurden ebenfalls von ihnen heimgesucht. Gleichermaßen die Schule in Westerndorf St. Peter. Die letzte Attacke galt der Berufsschule II in Rosenheim. Hier wurden sie vom Hausmeister gehört, der rief die Polizei und zwei aus dem Trio wurden festgesetzt. Der Dritte hatte zwar noch die Informationen für diesen Einbruch geliefert, sich selber aber nicht mehr beteiligt. „Ich bin vorher ausgestiegen“, so der inzwischen 21-Jährige vor Gericht.

Wie dilettantisch und unbekümmert die Drei vorgegangen waren, ergab sich aus deren „WhatsApp“-Protokollen, in denen sie sich per Smartphone offen und prahlerisch über ihre Einbruchspläne ausgetauscht hatten. Selbstverständlich waren auch DNA-Spuren zurückgeblieben, die man nur nicht zuordnen konnte, weil die drei vorher erkennungsdienstlich nicht behandelt worden waren. Nur einer der Drei war überhaupt juristisch aufgefallen. Und da nur wegen einer kleinen Drogensache. Er war wohl beim „Haschen“ erwischt worden. Überhaupt, so erklärte der gleichaltrige Spezi aus Kolbermoor, es sei ihm, neben der Beute, hauptsächlich um den Adrenalin-Kick gegangen. Die Langeweile habe sie auf diese Ideen gebracht, die sie nun selber als Dummheit und Dreistigkeit erkannten.

Die Staatsanwältin beantragte gegen die Haupttäter eine Einheitsjugendstrafe von 18 Monaten zu verhängen. Gegen den Komplizen, der sich nur an einigen der Taten beteiligt hatte, sei eine Jugendstrafe von zwölf Monaten ausreichend. Alle Strafen könnten zur Bewährung ausgesetzt werden.

Rechtsanwalt Peter Dürr, als Verteidiger des arbeitslosen Kolbermoorers, beschrieb die Verfehlungen als „klassisch jugendliche Straftaten“. Wie wenig wirklich krimineller Sachverstand hier am Werke war, zeigten die Begleitumstände; auch sei die Reue durchaus echt. Er beantragte eine Haftstrafe von zwölf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Der Verteidiger des zweiten Haupttäters, Rechtsanwalt Wolfgang Sparrer, unterstrich, dass die Taten mehr oder weniger spontan geschehen seien, dass damit eine echte „Bandenabrede“ wohl nicht stattgefunden habe. Außerdem habe sein Mandant dann bei der Polizei tatsächliche Aufklärungshilfe geleistet. Er stellte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichtes, bat aber ebenfalls um eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung.

Rechtsanwalt Hans Sachse unterstrich für seinen Mandanten die geringeren Tatbeteiligungen und dass dieser die beiden anderen mehrfach von deren Taten hatte abbringen wollen, so der Verteidiger. Hier sei ein Urteil nach Jugendgerichtsgesetz angemessen, das zunächst keine Strafe ausspricht, sondern diese an eine Bewährungszeit bindet.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur verurteilte den bereits Vorbestraften des Trios zu 18 Monaten Jugendgefängnis, den Kolbermoorer zu 15 Monaten Jugendhaft und verhängte gegen den „Mitläufer“ gemäß dem Antrag seines Verteidigers eine Bewährungszeit. Auch die übrigen Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

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