Abwasser fließt bald nach Rosenheim

Die Raublinger Kläranlage in Pfraundorf ist nach rund 30-jährigem Betrieb in maßgeblichen Anteilen technisch verbraucht und müsste von Grund auf ertüchtigt werden. Steffenhagen

Raubling – Über das Schicksal der Kläranlage in Pfraundorf hatte der Raublinger Gemeinderat in jüngster Sitzung zu befinden.

Auf der Tagesordnung stand die „Variantenentscheidung zur Abwasserbehandlung“. Mit 23 Stimmen, bei einer Gegenstimme, sprach sich das Gremium für eine Ableitung der Abwässer zur Kläranlage nach Rosenheim aus.

Anlageteileverbraucht

Nach rund 30-jährigem Betrieb sind maßgebliche Anlagenteile der Raublinger Kläranlage in Pfraundorf technisch verbraucht und müssten von Grund auf ertüchtigt werden. Neubau oder Kooperation mit Rosenheim sind nun die beiden Möglichkeiten, nachdem sich die Stadt Rosenheim angeboten hatte, Raublinger Abwässer zu reinigen, wie sie dies bereits für die Gemeinden Kolbermoor, Großkarolinenfeld und Schechen tut.

Noch vor rund drei Jahren entschied sich der Rat für eine Ertüchtigung der bestehenden Anlage. Seinerzeit waren die Voraussetzungen jedoch anders gelagert. Denn seit Ende 2018 besteht die Möglichkeit der Förderung von Verbundleitungen durch den Freistaat Bayern. Aber auch die Vorbereitung auf eine erneute Entscheidung machte sich die Verwaltung nicht leicht und verglich sehr detailliert zwei Varianten miteinander, die zusammen mit einem beratenden Ingenieurbüro sowie dem Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband erarbeitet wurden.

Mittels einer sogenannten Kostenvergleichsrechnung wurde die Variante „Ertüchtigung der Kläranlage für 19 000 Einwohner“ mit der Variante „Ableitung aller Abwässer nach Rosenheim mittels Doppelleitung“ über einen Zeitraum von 60 Jahren verglichen. Der lange Zeitraum von 60 Jahren wurde deswegen gewählt, um Varianten mit einerseits unterschiedlichen Erstinvestitionskosten aber unterschiedlichen Lebensdauern vergleichbar zu machen.

Im Ergebnis entstand eine Pattsituation, denn beide Varianten liegen mit ihren Projektkosten von rund acht Millionen Euro nahezu gleich auf. Eine detaillierte Planung beziehungsweise Kostenermittlung erfolgt dann im weiteren Verlauf des Projekts.

Neben der Kostenvergleichsrechnung wurde eine weitere Gegenüberstellung angestellt, und zwar, wie unterschiedlich sich die Abwassergebühr bei den Varianten entwickeln würde. Hier floss auch das Thema „Umsatzsteuer“ ein, das noch nicht geklärt ist.

Seit fast vier Jahren zerbrechen sich die Kommunalverwaltungen den Kopf über die Frage, in welchem Umfang künftig Umsatzsteuer auf bisher steuerbefreite Kommunalgeschäfte abzuführen sind? Kämmerer Stefan Gschwendtberger stellte mehrere Berechnungsmodelle vor, die sowohl mal mit, als auch mal ohne Umsatzsteuer und Zuschüsse für die knapp vier Kilometer lange Verbundleitung nach Rosenheim gerechnet wurden.

Umweltschutzein Thema

Der Gemeinderat hatte so Entscheidungsgrundlagen für seine Beratung, bei der auch Umweltschutzthemen eine Rolle spielten. Schließlich entschied sich das Gremium mehrheitlich für die Ableitung der Abwässer nach Rosenheim, die frühestens im Jahr 2023 erfolgen wird. In Pfraundorf verbleibt eine Pumpenstation.

Kommentare