Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Abbau: Genehmigung eingehalten?

Der Steinbruch Überfilzen: Gab es Abweichungen von der Genehmigung? Foto Steffenhagen
+
Der Steinbruch Überfilzen: Gab es Abweichungen von der Genehmigung? Foto Steffenhagen

Das Interesse an den aktuellen Beratungen um den weiteren Abbau von Kalk im Steinbruch oberhalb von Überfilzen war so groß, dass die Bestuhlung im Zuschauerraum des Nußdorfer Gemeindesaals nicht mehr ausreichte und aus Nachbarräumen ergänzt werden musste. Nußdorf - "Was in den 60er-Jahren einmal genehmigt wurde, das erregt seit 50 Jahre die Gemüter der Einwohner von Überfilzen", so Bürgermeister Sepp Oberauer bei der Eröffnung der Sitzung des Nußdorfer Gemeinderates.

Der Steinbruch in Überfilzen sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen. Mal ging es um den Abbruch der Nase an der Staubschutzwand in den 90er-Jahren, mal um Rekultivierungszusagen oder um mögliche Abbauverzichte aus der Vergangenheit der Rohrdorfer Zementwerke. "Daher gehören nun alle offenen Punkte, Daten und Fakten auf den Tisch", erklärte Oberauer und begrüßte als Gast Dr. Theodor Roppelt von den Rohrdorfer Zementwerken.

Bereits in einem Vorabbrief des Werks, der noch vor der Sitzung bei der Gemeinde einging, betonten die Betreiber des Steinbruchs, dass sie Genehmigungsbescheide aus den Jahren 1961 und 1980 besitzen, die noch heute uneingeschränkte Gültigkeit hätten. Die genehmigten Abbaulinien seien durch ein Vermessungsbüro abgesteckt worden und konnten bei der Ortsbesichtigung durch den Gemeinderat (wir berichteten) in Augenschein genommen werden. Man wolle noch in diesem Jahr die Abräumarbeiten bis an die Abbaugrenzen (Rodungsmaßnahmen und Freilegung des Felsen für den Abbau) durchführen. Aus sicherheitstechnischen Gründen würde das von oben nach unten stattfinden. Mit dem eigentlichen Festgesteinsabbau wolle das Unternehmen im kommenden Jahr starten, hieß es.

Als Alternative wird derzeit der Abbau der Staub- und Sichtschutzwand diskutiert. Mit dieser Variante würde man sich auf ein tiefer gelegenes Terrain begeben und damit um mehr als 100 Höhenmeter unterhalb der Maximalhöhe der Variante eins bleiben. Deutlich räumen die Rohrdorfer Zementwerke ein, dass die Variante zwei mit einem geringeren Aufwand erschlossen werden könnte. Dies sei nicht nur ein Vorteil für das Unternehmen, sondern auch für die Gemeinde, da man wesentlich rascher mit den Renaturierungsmaßnahmen beginnen könne.

Unterschriftenaktion der Anlieger

Zwischenzeitlich haben Anwohner des Ortsteils Überfilzen eine Unterschriftenaktion gestartet, an der sich 46 Bürger beteiligt haben, "das sind rund 50 Prozent der dortigen Einwohner", wie der Bürgermeister feststellte. Sie stellen den Antrag, dass die Sichtschutzwand in der bisherigen Form als Staub- und Lärmschutzwand erhalten bleiben soll. Außerdem fordern sie, dass die bisher erteilten Genehmigungen nicht geändert werden. Es sei dabei schon unberechtigter Weise zum Abbau dieser Wand auf einer nicht unerheblichen Länge gekommen. Außerdem sei damals von Seiten des Betreibers ein partieller Abbauverzicht ausgesprochen worden.

Neben der Diskussion zwischen zwei Abbauvarianten (wir berichteten), von der die genehmigte Variante sich in der Umsetzung befindet, erregt die Gemüter derzeit die Frage, ob sich das Unternehmen an den genehmigten Abbauplan aus den 60er Jahren hält. Denn seit dem Ortstermin haben einige Gemeinderäte Zweifel. In den Genehmigungsunterlagen wurden Höhenlinien eingezeichnet und Abbaugrenzen festgelegt, die ihrer Ansicht nach den tatsächlichen Gegebenheiten nicht entsprechen.

Die Oberkante des Steinbruchs soll gemäß Plan bei 758 Metern liegen, sodass die Garwand nicht erreicht wird. Während der Ortsbesichtigung seien aber in der realen Umgebung andere Beobachtungen gemacht worden. Die gesetzten Messpunkte lägen gut 100 Meter höher, sodass die genehmigte Abbaulinie bereits überschritten sei. Ein Gemeinderat machte dazu eine einfach Rechnung auf: Anzahl der Bermen (Abbauabsätze im Steinbruch) mal maximaler Höhe je Berme, aufbauend auf die Sohle des Steinbruchs ergibt für ihn eine Gesamthöhe, die über die Abbaugrenze von 800 Meter hinaus ginge.

Diese Vermutung wurde durch die rhetorische Frage eines anderen Gemeinderates untermauert: "Wenn der Steinbruch nur die 800-Meter-Grenze erreichen darf, warum waren wir bei der Besichtigung auf einer Höhe von 840 Meter unterhalb der Garwand unterwegs?" Roppelt entgegnete: "Dass die Garwand tangiert ist und ein Stück davon abgebaut wird, war nie ein Geheimnis."

In diesem Zusammenhang soll nun von Landratsamt und Betreiber ein vermaßter Bestandsplan erstellt und mit genehmigter Planung und dem künftigen Abbauwunsch verglichen werden. So soll amtlich festgestellt werden, ob es zu Abweichungen zwischen dem ursprünglich genehmigten und dem tatsächlichen Abbau gekommen ist.

Auf Seiten des Gemeinderates besteht der Wunsch einen unabhängigen Geologen mit der Untersuchung der Gesteinsarten zu beauftragen und den Schichtverlauf im Abbaubereich festzustellen. Denn der Genehmigungsbescheid beschränkt sich ausschließlich auf die Gewinnung von Wettersteinkalk.

Aufgrund des großen Bürgerinteresses wird am Dienstag, 7. Juli, um 19.30 Uhr im Saal des Gasthauses Schneiderwirt eine öffentliche Informationsveranstaltung stattfinden.

Kommentare