GEBURTSTAG

Elfriede Staudacher aus Riedering ist 90 Jahre jung, voller Lebenslust und Schwung

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Sie hat noch überlegt, ob sie die Corona-Spielregeln einhält oder doch lieber Karten spielt. Sie spielt nicht. Elfriede Staudacher ist 90 Jahre und sagt: „Werd scho wieder.“

Riedering – Elfriede Staudacher hatte es in ihrer Jugend nicht leicht. Mit 14 Jahren war sie Waise, kümmerte sich mit der älteren Schwester um die neun weiteren Geschwister. Das hat ihrer Lebensfreude aber keinen Abbruch getan. Vor wenigen Tagen wurde Elfriede Staudacher 90 Jahre alt. Ihr schönstes Geburtstagsgeschenk? Das Ständchen vorm Gartenzaun.

Der Mann an der Tuba, der war‘s

Denn die Musik, die liebt sie. Über die Musik lernte sie, in jungen Jahren aus dem Böhmerwald vertrieben und zufällig im Landkreis Rosenheim gelandet, auch ihren Mann Alfons kennen. Eine Freundin wollte nach Riedering zum Tanzabend – aber nicht alleine. Der Mann mit der Tuba gefiel Elfriede Staudacher ausnehmend gut.

Nach Riedering geheiratet

Die beiden heirateten, sie zog nach Riedering, zu den Schwiegereltern. „Ich habe eine sehr gute Schwiegermutter gehabt“, sagt sie heute noch. Mit eigenen Kindern wollte es nicht klappen, also adoptierten Alfons und Elfriede Staudacher ein Mädchen. „Mit Irmi haben wir einen guten Fang gemacht“, sagt Elfriede Staudacher trocken.

5 Jahrzehnte Zeitungskiste

„Eingefangen“ hat sie sich beim Schwiegervater die Betreuung der Zeitungskiste. „Seit mindestens 50 Jahren“ kümmern sich Staudachers darum, dass ihre Nachbarn an die Zeitung kommen. Morgens in der Früh, nicht erst mit der Post am Nachmittag. Seit mindestens 20 Jahren steht Elfriede Staudacher in der Dunkelheit auf. „Wenn ich den Zeitungsfahrer höre, stehe ich auf und packe die Zeitungen aus.“ Das ist um kurz nach 4 Uhr. Dann wird die eigene Zeitung gelesen, „und dann gehe ich wieder ins Bett, ich kann‘s mir ja erlauben“, lacht Elfriede Staudacher.

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Manchmal hat sie den Zeitungskasten auch schon suchen müssen, weil er entführt wurde. „An einem Stefanitag habe ich ihn im Pfarrhof gefunden“, erinnert sie sich lebhaft. Und weil Staudachers keine Lust hatten, den Kasten immer wieder unter den vom Schneepflug aufgeschütteten Wällen auszubuddeln, haben sie ihn irgendwann hinter den Gartenzaun gestellt. „Ein paar Leute haben erst geschimpft, aber die haben sich auch wieder beruhigt.“

Leidenschaftliche Kartenspielerin

Kartenspielen ist ihre Leidenschaft. Einmal in der Woche traf sich die Kartenrunde. Sie hätten kurz überlegt, ob sie das auch weiter tun, gesteht Elfriede Staudacher, dann aber doch beschlossen, die Corona-Beschränkung einzuhalten. „Werd scho wieder“, schaut sie voraus.

Volksfeste und Volksmusik mag sie gern

Volksfeste mag Elfriede Staudacher auch gern. Das war auch gut so, denn ihr Alfons war fast 30 Jahre mit der Dreder Musik fester Bestandteil des Rosenheimer Herbstfestes. Morgens in die Arbeit, am frühen Nachmittag auf die Loretowiese – wenn Elfriede Staudacher da nicht auch immer mal wieder hingegangen wäre, hätte sie ihren Mann wochenlang nicht gesehen. Und wenn die Riederinger Musikanten „Lasset uns das Leben genießen“ anstimmen, dann singt Elfriede Staudacher aus voller Kehle mit, verrät ihre Tochter. „Werd so wieder“, ist sich Elfriede Staudacher auch da sicher.

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