SECHS MONATE HAFT FÜR BAD ENDORFER (34)

Zwei Watschn an Heiligabend

Weil er einem 41-jährigen Mann, von dem er sich finanziell betrogen fühlte, an Heiligabend zwei Watschn verpasst hatte, muss ein 34-jähriger Bad Endorfer jetzt für sechs Monate ins Gefängnis. Vor allem seine vielen Strafen hatte das Gericht davon abgehalten, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Rosenheim/Bad Endorf – Am Abend des 24. Dezember 2016 beschloss der 34-jährige Koch aus Bad Endorf, bei einem 41-jährigen Arbeitslosen ausstehende Schulden in Höhe von 100 Euro einzutreiben. Wie die Polizei später ermitteln konnte, hatte dieser versucht, den Bad Endorfer bei einem Drogengeschäft übers Ohr zu hauen. Dem zu Folge hatte der Mann die 100 Euro entgegengenommen, um dafür Drogen zu beschaffen, hatte sich dann aber nicht mehr sehen lassen. Auch auf diverse Nachfragen hatte er sich – nach Aussage eines der drei Angeklagten – nie mehr gemeldet.

Handgreiflichkeiten statt Rendezvous

So wandte der Koch einen Trick an. Er beauftragte seine damalige Lebensgefährtin, eine 25-jährige Verkäuferin, den säumigen, angeblichen Drogenlieferanten unter falschem Namen zu einem Rendezvous zu bestellen. Dort wollte er ihn angeblich lediglich an dessen Verpflichtung erinnern. Zu diesem fingierten Treffen gegen 22 Uhr am alten Wasserburger Bahnhof nahm er – zum Zwecke der Nachdrücklichkeit – seinen Cousin mit, so dass sich das Tatopfer anstatt zu einem Date nun drei Personen gegenüber sah, die Geld oder Ware von ihm wollten. Nachdem er Beides nicht liefern konnte, kam es mit dem Koch zu einer Auseinandersetzung.

Hier wichen die Aussagen nun erheblich voneinander ab. Der Koch räumte ein, dass er ihm zwei ordentliche „Watschn“ verabreicht habe. Zu weiteren Tätlichkeiten sei es aber nicht gekommen. Das Tatopfer hatte sich am frühen Morgen des ersten Weihnachtstages bei der Polizei gemeldet und dort Anzeige erstattet. Demnach war er aber nach eigenen Angaben nicht nur mit zwei Faustschlägen, niedergestreckt worden, sondern am Boden liegend noch mit einem brutalen Fußtritt gegen den Kopf traktiert worden. Er sei längere Zeit bewusstlos gewesen.

Der Sachbearbeiter der Polizei berichtete als Zeuge, dass der Anzeigenerstatter nicht nur zwei völlig verschiedene Formen, Zeiten und Zeitdauerversionen dieser angeblichen Bewusstlosigkeit vorgetragen hatte, sondern dass dessen Darstellung insgesamt nicht sehr glaubwürdig erschien. So war er nicht nur erheblich alkoholisiert gewesen, sondern hatte nach dem Vorfall erst noch ein Nachtlokal aufgesucht, bevor er gegen 4 Uhr in der Polizeiwache erschien.

Auch der mitangeklagte Cousin, der sich in einer anderen Sache derzeit in Strafhaft befindet, erklärte, dass der dorthin gelockte Schuldner erheblich betrunken gewesen sei. Keinesfalls hätte er, wie vom Tatopfer behauptet, mit dem Fuß zugetreten.

Die Verkäuferin, die als Lockvogel gedient hatte, behauptete, von den Vorkommnissen gar nichts mitbekommen zu haben, weil sie sich unmittelbar nach der Ankunft wieder in das Auto gesetzt habe.

Zum Unmut von Richter Stefan Tillmann und der Staatsanwältin konnte sich das Tatopfer, das direkt aus einer Rehabilitationsklinik für Drogen- und Alkoholabhängige kam, nachdem er eine Strafhaft verbüßt hatte, an überhaupt nichts erinnern, was sich an diesem Abend zugetragen hatte. Selbst als ihm das Gericht mit Beugehaft drohte, blieb er bei seiner Erinnerungslücke.

Fußtritte nicht nachweisbar

Nachdem auch die Gutachterin Gina Maria Bruck, weder lebensbedrohliche Gefährdung, noch den vorgeworfenen Fußtritt bestätigen konnte, beschloss das Gericht, die Strafverfolgung gegen den Cousin und gegen die ehemalige Lebensgefährtin einzustellen. So verblieb lediglich die Körperverletzung mittels der zwei Ohrfeigen.

Diese konnten jedoch, so die Staatsanwältin in ihrem Schlussvortrag, keinesfalls als Bagatelle abgetan werden. Ganz besonders, da der Angeklagte elf Vorstrafen aufzuweisen habe. Er sei darüber hinaus zum Zeitpunkt der Tat unter zweifach offener Bewährung gestanden. Daher müsse diese Tat mit einer Haftstrafe von zwölf Monaten ohne Bewährung geahndet werden.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Christoph Michel verwies in seinem Plädoyer darauf, dass sein Mandant nicht nur umfassend geständig gewesen sei. Er habe auch bereits durch die Zahlung von Schmerzensgeld an das Opfer Sühne getan. Er hielt eine kurze Gefängnisstrafe, zur Bewährung ausgesetzt, für ausreichend.

Wegen eben dieser Umstände hielt auch das Gericht eine Haftstrafe von sechs Monaten für genügend. Allerdings aufgrund seiner Vorstrafen nicht zur Bewährung ausgesetzt.

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