Die Zeichen stehen auf Sturm

Seit Herbst 2013 stehen Wanderer bei der Riesenhütte im Hochriesgebiet vor verschlossener Tür. Doch dagegen regt sich nun Widerstand. Über 2500 Unterschriften wurden für ihren Erhalt gesammelt. "Und es werden immer mehr", so Initiatorin Jana Bocks aus Frasdorf. Foto  H. reiter
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Seit Herbst 2013 stehen Wanderer bei der Riesenhütte im Hochriesgebiet vor verschlossener Tür. Doch dagegen regt sich nun Widerstand. Über 2500 Unterschriften wurden für ihren Erhalt gesammelt. "Und es werden immer mehr", so Initiatorin Jana Bocks aus Frasdorf. Foto H. reiter

Die Zeichen stehen auf Sturm! Die Riesenhütte, ein Traumziel in den Chiemgauer Bergen und wunderbar auf einem breiten Sattel vor dem letzten Gipfelsturm zur Hochries gelegen, wurde im Herbst 2013 durch ihren Besitzer, die DAV-Sektion Oberland, geschlossen.

Seither regt sich in der Region Widerstand (wir berichteten mehrfach). 2500 Unterschriften wurden seit letztem Sommer in einer privaten Spontanaktion gesammelt. "Wir wollen die Riesenhütte für alle Wanderer als bewirtschaftete Berghütte offen halten", sagt Unterschriften-Initiatorin Jana Bocks.

Aschau/Frasdorf - Sie sorgt mit ihrer Initiative "Zwerge gegen Riesen" für Aufsehen. Zusammen mit ihrer Familie geht die Frasdorferin gerne in die Berge. "Die Riesenhütte war ein Lieblingsziel von uns. Vor allem die Kinder liebten die gemütliche Hütte, auf der auch eine verschmuste Katze wohnte", sagt Bocks. Doch seit gut eineinhalb Jahren hat die Münchner Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV), die Sektion Oberland, den Schlüssel umgedreht und zugesperrt. Nun geht nichts mehr.

Aber es regt sich Widerstand. Die "Riesen", wie die Hütte von den Einheimischen liebevoll genannt wird, steht leer und vergammele vor sich hin. Das zumindest sagen die zahllosen enttäuschten Bergfreunde und Mountainbiker, die vor verschlossener Tür stehen, sagt Jana Bocks. Da sei ihr Entschluss gereift, sich für den Erhalt der Berghütte stark zu machen. Positiv überrascht war sie dann vom Ergebnis der Unterschriftenaktion, die auch online steht. "Diese Hütte hat offensichtlich ihre treuen Fans", meint sie.

Und diese sind strikt gegen das neue Konzept der Münchner, ihre Hütte nicht mehr für den allgemeinen Betrieb zu öffnen, sondern sie als "Selbstversorgerhütte" zu führen. Das sei, so sagt Andreas Mohr, Geschäftsführer der DAV-Sektion Oberland, den Kosten der Generalsanierung geschuldet. Die Rede ist von 2,2 Millionen Euro. Diese Summe übersteige die finanziellen Möglichkeiten der Sektion, heißt es.

Doch das bezweifeln viele Rosenheimer Bergwanderer und DAV-Insider. Denn für die Sanierung stünden etliche Fördertöpfe zur Verfügung. Letztlich bräuchten die Münchner nur rund 20 Prozent Eigenkapital einzusetzen, um die Generalsanierung der äußerst beliebten Hütte in Angriff zu nehmen. Das bestätigt auch Thomas Bucher, Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV). Hanns Thäle, ein begeisterter Berggeher und renommierter Architekt aus Rosenheim, hält die veranschlagten Kosten für "völlig überzogen und vorgeschoben". Über die wahren Hintergründe, die Riesenhütte zu schließen, kann aber auch er nur Rätsel raten.

Ausgesprochen kritisch sieht die geplante Schließung auch Herbert Reiter, Leiter der Tourist-Info in Aschau und Sachrang. "Bergwandern ist ein Mega-Trend. Viele Gäste machen deshalb ihren Urlaub hier bei uns in den Chiemgauer Bergen. Sie suchen Stille, Ruhe und die Verbundenheit mit der Natur." Doch da dürften ganzjährig bewirtschaftete Hütten nicht fehlen. "Zum Wandern gehört auch ein Ziel. Und was ist schöner, als nach einer anstrengenden Tour eine gute Brotzeit zu genießen", fragt er. Denn das mit einer Selbstversorgerhütte sei so eine Sache. Der Schlüssel ist in München bei der Sektion abzuholen. "Wer fährt erst nach München, wenn er von der Lederstube auf die Hochries gehen und auf halber Strecke auf der Riesenhütte einkehren will?" Ein echt sehr weiter Umweg.

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