GAUFEST DES CHIEMGAU-ALPENVERBANDS IN ROTTAU

Wasserstationen beim heißen Festzug

Die Rottauer Dorfmusi führte den Kirchenzug an. Adersberger (6)/Hötzelsperger (1)

Herrliches Sommerwetter war gestern dem 82. Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes vergönnt. Die Temperaturen am Nachmittag machten es erforderlich, dass beim Festzug an mehreren Stellen Wasser verteilt werden musste. Von den 23 Vereinen im Gau waren 20 mit einer Musikkapelle dabei. Das war Rekord.

Rottau – Drei Kanonenschläge kündigten gestern in der Früh einen großen Tag für Rottau an. Die Trachtler hatten mit viel Arbeit alles sorgfältig vorbereitet, das ganze Dorf hatte mitgeholfen. Die Häuser waren beflaggt, die Gartenzäune mit weißblauen Bändern geschmückt, die Straßen sauber gekehrt und die Dorfstraße sogar neu asphaltiert.

Schon ab 6 Uhr war die Rottauer Dorfmusi unterwegs, um bei den Vorständen Lisi Hilger, Miche und Anderl Schmid, dem Ehrenvorstand Felix Uth und dem Schirmherrn, Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke, den Weckruf erschallen zu lassen. Auch Gauvorstand Miche Huber, der in Rottau wohnt, erfreute sich an dem morgendlichen Standerl. In seinen Grußworten bezog sich Huber etwas später im Festzelt auf ein Erlebnis in Südtirol.

Auf seine Frage bei einem 200. Gründungsfest in Südtirol, ob kein Gottesdienst sei, erhielt er die Antwort „Naaa, weil da geht ja eh koana hi!“ Das habe ihn nachdenklich gemacht. Bei besonderen Anlässen der Trachtler gehöre der Gottesdienst einfach dazu, so der Gauvorstand. Auf ihn zu verzichten mit der Begründung, weil da „eh keiner hingeht“, sei zu einfach, so gehe der Blick für Sinn und Tiefe verloren.

Den Festgottesdienst am Kirchplatz unter freiem Himmel zelebrierte Pfarrer An dreas Horn, als Konzelebranten fungierten Pfarrer Simon Mösenlechner und Urlauberpfarrer Karl Sendker mit Diakon Heiko Jung.

Mit einem Witz begann der Pfarrer die Predigt und folgerte daraus, dass die Religion nicht verschwunden sei, aber viele Leute heute anderen Götzen wie dem Sport oder dem Konsum dienten und nicht mehr Christus. Er forderte die Trachter auf, am Sonntag und im Jahresverlauf den christlichen Glauben zu leben und verwies darauf, dass das Leben durch Jesus einen Mehrwert erfahre.

Die Fahnen aller Ortsvereine, der 23 Mitgliedsvereine des Gaus, des befreundeten fränkischen Volkstrachtenvereins aus Neunhof im Knob lauchsland und des Vereins „Bayern aus Berlin“ sammelten sich um den Altar. Die musikalische Umrahmung übernahm die Dorfmusi. Dazu gab es Volksgesang aus extra ausgeteilten Liederheften. Rottauer Bläser spielten eindrucksvolle Weisen.

Nach dem Schlusssegen sprach Traunsteins Landrat Sigi Walch. Wo ein solches Gaufest organisiert werde, da funktioniere die Gesellschaft noch, lobte der Landrat. Er beschrieb den Chiemgauer als weltoffen mit dem Motto „Leben und leben lassen“.

Der Zweite Vorsitzende des Bayerischen Trachtenverbandes, Peter Eicher, richtete an alle anwesenden Trachtler die Bitte, dass sie dazu beitragen, dass Bayern Bayern bleibt. Er übergab den Rott auer Trachtlern ein Fahnenband des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Freistaats Bayern.

Der Festzug am gestrigen Nachmittag bei Temperaturen um die 30 Grad ging durch das Dorf, danach auf der Bundesstraße, die zeitweise dafür gesperrt wurde, aus dem Dorf hinaus bis fast an die Grenze zum Landkreis Rosenheim und zurück zum Zelt.

Es war ein farbenfroher Zug mit vielen gut aufgelegten Trachtlern. Großen Beifall spendeten die zahlreichen Zuschauer den Ehrenkutschen, den Festwägen mit ihren verschiedenen Motiven und den Leutwägen mit den alten Trachtlern und den kleinen Kindern – und natürlich auch den Rosserern, die ihre Pferde sauber geputzt und geschmückt hatten.

Nach dem Zug zogen die Vereine durch ein Spalier der Rottauer Trachtler und des Gauausschusses. Für die Kinder war ein kleiner Torfbahnhof aufgebaut, sogar mit eigens verlegten Gleisen. Die Kinder durften kostenlos mitfahren.

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