Bad Endorfer zu GAst in der Ukrainischen Partnergemeinde Volovec

„Überwältigende Herzlichkeit“

Die Deutschklasse sang für die Bad Endorfer ein deutsches Volkslied. Ammelburger
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Die Deutschklasse sang für die Bad Endorfer ein deutsches Volkslied. Ammelburger

Seit über 25 Jahren leistet eine Gruppe um Manfred Jäger humanitäre Hilfe in der Ukrainischen Region Volovec, aus der der Bad Endorfer Verein zur Förderung der Partnerschaft entstanden ist. Ein Teil der Vorstandschaft des Vereins sowie die Bürgermeisterin Doris Laban und der Marktgemeinderat und Lehrer Alois Kurfer machten sich diesmal auf den Weg, um noch eingelagerte medizinische Gerätschaften, die mit den Spendengeldern Benefizlaufes angeschafft wurden, sowie weiteres gespendetes medizinisches Gerät und Bekleidung zur Partnerregion in der Ukraine zu bringen.

Bad Endorf– Nicht nur die Lage der Menschen im Osten der Ukraine hat sich in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt. Auch in der westukrainischen Stadt Volovec leiden die Menschen unter den Folgen der Krise. Der eher beschauliche Ort Volovec in den Kaparten wirkt auf den Betrachter arm. Nur wer genau hinschaut, nimmt die Soldaten auf Heimaturlaub wahr, erkennt die Versehrten und Verarmten, die um eine Spende bitten, sieht die Frauen und die Alten, die Milch und Gartenfrüchte anbieten oder sogar einen Teil ihres Hausrats verkaufen, um sich so selbst etwas zu essen kaufen können.

Die staatliche Zuwendung für Rentner liegt im Durchschnitt bei umgerechnet 80 Euro. Das reicht kaum zum Überleben und schon gar nicht für dringend notwendige Medikamente. Aufgrund des Krieges im Osten der Ukraine kam es zu einer Abwertung der heimischen Währung, zu einer Erhöhung der Preise für Energie und Grundnahrungsmittel. Das lässt den ohnehin schon kargen Lohn zusammenschmelzen. Es gibt eine große Arbeitslosigkeit in der Region. Um den Lebensunterhalt zu sichern, arbeiten viele junge Männer in der Slowakei, Polen, Tschechien und Russland. Die Krise trifft das ganze Land und ist überall spürbar. Auch Flüchtlinge aus dem Krisengebiet im Osten haben Zuflucht in der ärmlichen Region Volovec gefunden.

Die Krise ist überall im Land spürbar

Beim Besuch in Volovec, zusammen mit Vertretern des Partnerschaftsvereins der Markgemeinde Bad Endorf, informierte sich Bürgermeisterin Doris Laban vor Ort über die Situation und traf sich mit der Administration der Stadt und des Landkreises sowie der Krankenhausleitung in Volovec. Laban zeigte sich tief beeindruckt von der herzlichen Gastfreundschaft, dem unkomplizierten Miteinander und der großen Gelassenheit, mit der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Situation umzugehen.

„Lebendige Partnerschaften sind ein wichtiger Baustein für die weltweite Gestaltung internationaler Beziehungen. Persönliche Begegnungen in der Bevölkerung tragen dazu bei, bestehende Klischees auf beiden Seiten zu überwinden. Das Miteinander und den Fortschritt in der Welt können wir positiv beeinflussen, wenn wir dafür überall kleine Pflänzchen setzen. Der partnerschaftliche Austausch war für mich persönlich spannend und aufschlussreich; die Herzlichkeit der Menschen überwältigend. So manches Problem bei uns relativiert sich, wenn man sieht wie die Menschen dort ihr Leben organisieren müssen“, so das Fazit von Laban.

Die medizinischen Geräte und die gespendeten Hilfsgüter konnten unter der Aufsicht des Zolls zum Krankenhaus Volovec gebracht werden. Neben dem humanitären Aspekt standen die Vorbereitung eines Schüleraustausches und die Vertiefung der partnerschaftlichen Beziehungen im Vordergrund. Bei den freundschaftlichen Gesprächen im Bürgermeister- und Landratsamt von Volovec wurde immer wieder die große Bedeutung des partnerschaftlichen Austausches betont.

Marktgemeinderat und Lehrer Alois Kurfer besprach mit der dortigen Schulleitung den Schüleraustausch. Es ist beabsichtigt, dass Ende Juni eine Deutschklasse, etwa zehn Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren in Begleitung zweier Lehrkräfte, Bad Endorf besucht. Gedacht ist dabei an eine Unterbringung in den Schülerfamilien.

Die schwierigste Hürde ist das Beschaffen von Pässen und Visa, bei dem der Partnerschaftsverein und die Gemeinde helfen werden. Geplant ist auch wieder der Besuch von Jugendfußballern zum Fußballferiencamp.

Manfred Jäger, Vorstand des Ukrainevereins, würdigte den Besuch der Bürgermeisterin als Chance, die Partnerschaft weiter zu vertiefen. Das persönliche Kennenlernen habe den Menschen in der Region Mut gemacht. „Dies ist ein kleiner Mosaikstein für ein friedvolles Miteinander. Gerade in der jetzigen Situation ist es besonders wichtig, die Verbundenheit zur Bad Endorfer Partnerregion zu zeigen“, zeigte sich Jäger überzeugt.

Am 20. März um 18 Uhr findet im Kurferhof die Jahreshauptversammlung des Vereines zur Förderung mit Volovec statt, bei der ein Film von dem Besuch in Volovec gezeigt wird.

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