NACH BÜRGERVOTUM: ERSTE ÜBERLEGUNGEN ZUM NATURBAD

Trockenübungen für den Ernstfall

Mit einer Inbetriebnahme des neuen Bad Endorfer Naturbades kann realistischerweise nicht vor der Badesaison 2020 gerechnet werden. Als Kostenrahmen sind für die reine Badeanlage ohne Berücksichtigung des Um- oder Neubaus von Toiletten und Kiosk etwa 680000 Euro anzusetzen.

Bad Endorf– Die Eckdaten rund um den Wiederaufbau des Naturbads, der infolge eines Bürgerentscheids im Oktober Teil des gemeindlichen Aufgabenkataloges geworden ist, wurde jetzt dem Bad Endorfer Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung zur Verfügung gestellt. Ermittelt hatte sie Claus Schmitt von der Firma Wasser-Werkstatt auf der Grundlage der Konzepte, die die Firma schon 2011 für die Gemeinde erstellt hatte. Ziel war es, dem Gemeinderat einen Überblick über den Planungsstand in Sachen Naturbad zu geben und damit die Grundlage für weitere Entscheidungen zu schaffen.

Eine frühere Eröffnung des Bades – etwa schon zum Sommer 2019 – ist nach Einschätzung des Fachunternehmens unrealistisch, da von einer reinen Bauzeit von etwa zehn Monaten auszugehen sei, vorher aber Baugenehmigungsverfahren wie auch die Zuschussverhandlungen abgewickelt werden müssten, die ihrerseits erfahrungsgemäß mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Selbst der Zeitplan mit einer Eröffnung 2020 setze aber voraus, so Schmitt, dass man möglichst zeitnah mit der weiteren Planung beginne, die durchaus noch umfangreich ausfallen werde. Zwar müsste diese sich weniger mit der eigentlichen Badanlage beschäftigen – hier könne man, wenn die Gemeinde der Wasser-Werkstatt den Auftrag erteile, weitgehend auf das Konzept aus dem Jahr 2011 und die damals vorgestellten vier Varianten zurückgreifen. Da sich der Gemeinderat in der Sitzung jedoch für eine Neugestaltung von Toilettenanlage sowie des Kioskes ausgesprochen hatte, so müsse hier noch die Planung erfolgen.

Wichtig war für Schmitt, dass man sich auch möglichst umgehend Gedanken darüber zu machen habe, wie das Bad später betrieben werden solle. Hiermit verbunden seien viele Detailfragen, die aber dennoch zum Teil von grundsätzlicher Bedeutung seien und deshalb idealerweise Hand in Hand mit der baulichen Planung geklärt werden sollten und nicht erst danach. Als ein Beispiel nannte Schmitt die Frage, ob man das Bad mit oder ohne Aufsicht durch einen Bademeister betreiben wolle. Ein Betrieb ohne Bademeister spare Kosten, könnte aber andererseits ins Auge gefasste „Extras“ wie einen Lift, der auch Behinderten den Einstieg ins Becken erlaubt, oder einen Flachwasserbereich für Kleinkinder schwieriger machen.

Frage nach dem Bademeister

Bei derartigen Liften stellt sich aus der Erfahrung von Schmitt immer das Problem, wer diesen im Bedarfsfall bedient, vor allem aber auch wartet. Ein Kleinkinderbecken könnte unter Umständen vonseiten des zukünftigen Versicherers der Anlage einen Bademeister zwingend nötig machen. Es wäre sogar denkbar, dass hier auch von den Genehmigungsbehörden noch entsprechende Auflagen kämen.

In diesem Zusammenhang regte Claus Schmitt an, sich möglichst bald, also noch vor Fertigstellung der endgültigen Eingabeplanung, mit allen übergeordneten beteiligten Stellen an einen Tisch zu setzen, um mögliche Problempunkte vorab ausräumen zu können.

Was die Überlegungen zum späteren Betrieb anbelangt, verwies er darauf, dass andere Orte – zum Beispiel Oberhaching im Kreis München mit dem Further Bad – hervorragende Erfahrungen mit dem Betrieb des Bades durch einen sogenannten Betreiberverein gemacht hätten. Diese Lösung hielt er auch in Bad Endorf, wo es ja schon einen Moorbad-Förderverein gäbe, für durchaus überlegenswert.

Dadurch, so die Erfahrungen, könnten die Betriebskosten niedrig gehalten werden, weil einfachere Arbeiten wie die Pflege des Geländes oder die jährliche Reinigung des Beckens von Vereinsmitgliedern übernommen werden könnten. Diese wiederum könnten durch ermäßigte Eintrittszahlungen profitieren sowie durch andere Nutzungszeiträume, zum Beispiel morgens oder abends, wenn das Bad für den öffentlichen Betrieb noch geschlossen ist. Schmitt: „Es gibt Orte, bei denen der Betreiberverein des Schwimmbades über 1000 Mitglieder hat und damit durchaus auch zu einem wichtigen positiven sozialen Faktor im Ortsleben wird.“

Der Endorfer Marktgemeinderat muss sich aber vor allen weiteren Schritten nun zunächst einmal darüber klar werden, ob diesmal das Planungskonzept der Wasser-Werkstatt aufgegriffen oder eventuell noch das Angebot eines weiteren Planers eingeholt werden soll.

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