„Sehr geehrte Aschauer, bitte wählen Sie mich nicht“: Ein Kandidat und sein Brief an die Bürger

Max Neumüller, Bürgerbewegung Aschau, wendet sich mit einer seltenen Bitte an die Wähler: Er will nicht gewählt werden. Aus gesundheitlichen Gründen.
+
Max Neumüller, Bürgerbewegung Aschau, wendet sich mit einer seltenen Bitte an die Wähler: Er will nicht gewählt werden. Aus gesundheitlichen Gründen.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
    schließen

Er war Anfang April vergangenen Jahres der Erste, der sagte „Ich will Bürgermeister von Aschau werden“. Weil ihm die Zustände in der Gemeinde stinken. Nun wendet sich Max Neumüller mit einem offenen Brief an alle Aschauer und bittet darum, ihn nicht zu wählen. Weil er krank ist.

Aschau – Max Neumüller schreibt an die Aschauer, weil er sich außer Stande sieht, im Falle seiner Wahl das Amt zu bekleiden. „Es gebietet die Ehrlichkeit Ihnen gegenüber, Sie über Folgendes zu informieren: Ende der letzten Woche ist ein zufälliger Anfangsverdacht zur Gewissheit geworden. Ich habe eine ernstzunehmende, schwere Erkrankung, die mich in den kommenden Wochen, Monaten, vielleicht auch Jahren begleiten und beanspruchen wird.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Die Wahlunterlagen liegen bereits im Rathaus, die ersten Briefwahlunterlagen sind beantragt, „zu bremsen gibt es bei uns nichts mehr“, sagt Gemeindewahlleiter Markus Heinerich. Das hat er auch mit der Kreiswahlleiterin im Landratsamt ganz eng abgesprochen. „Wir dürfen und können keine neuen Unterlagen drucken.“

Rückzug als Kandidat ist nicht möglich

Und Max Neumüller, 55 Jahre alt, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, kann seine Kandidatur nicht mehr zurückziehen. Weder die zum Bürgermeister, noch die als Mitglied des Gemeinderates. Die Fristen sind verstrichen. Die Bewerbungen waren laut Gemeindewahlleiter fristgerecht und ordnungsgemäß eingereicht worden, wurden vom Wahlausschuss genehmigt.

Nur der Weg an die Öffentlichkeit blieb

So blieb Max Neumüller letztlich nur der Weg in die Öffentlichkeit. „Da es unsinnig wäre, die Bürgermeisterwahl noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen, muss ich Sie leider schweren Herzens darum bitten, mich am 15. März nicht zu wählen.“, schreibt Neumüller in seinem offenen Brief, der auf der Internetseite der Bürgerbewegung Aschau zu finden ist. „Unser Ort benötigt einen gesunden Menschen für das Bürgermeisteramt, um den Herausforderungen der kommenden Zeit gerecht werden zu können. Das kann ich leider aufgrund der Diagnose nicht erfüllen. Daher nochmals meine Bitte: Machen Sie bei der Bürgermeisterwahl kein Kreuz in der Spalte ‚Max Neumüller‘“.

Auch als Gemeinderat tritt er nicht an

Neumüller ist auch Listenführer der Bürgerbewegung Aschau für die Mitglieder des zukünftigen Gemeinderates. Auch diese Kandidatur kann er nicht mehr zurücknehmen. Im Falle seiner Wahl in den Gemeinderat hat er allerdings, so erklärt es der Gemeindewahlleiter, eine Woche Zeit, sich zu entscheiden, ob er die Wahl annimmt oder nicht. Stand jetzt tut er es nicht. Für den Wahlleiter kein rechtliches oder organisatorisches Problem. Denn da ist die Nachfolge eindeutig geregelt: Es rückt die Person nach, die mit den meisten Stimmen gerade nicht mehr in das Gremium gewählt wurde.

Offener Brief mit Wahlempfehlung

Max Neumüller, nach eigenem Bekunden „stolzer Aschauer“, trat als Bürgermeisterkandidat an, weil ihm die Zustände in seiner Heimatgemeinde gar nicht gefallen und er sie ändern will. Da kann er nun selber nicht tun. Aber: „Wenn Sie sich eine Veränderung der Aschauer Kommunalpolitik wünschen, bitte gehen Sie dennoch auf jeden Fall zur Wahl und schenken Sie Ihre Stimme einem der beiden verbleibenden Gegenkandidaten Simon Frank und Wolfgang Rucker. Auch würde es mich sehr freuen, wenn Sie meine Gruppierung, die Bürgerbewegung Aschau, weiterhin unterstützen und wählen würden“, bezieht er in seinem offenen Brief ganz klar Position.

Bitte um Diskretion, auch für Familie

Genaueres über seine Krebserkrankung will Neumüller nicht preisgeben. „Bitte geben Sie sich mit dieser spärlichen Information über meinen Gesundheitszustand zufrieden und gewähren Sie meiner Familie und mir ein gewisses Maß an Intimität und Diskretion.“

Es folgt der Dank an seine Familie, an seine Gruppierung und an die Aschauer für die bisher zuteil gewordene Unterstützung. Der offene Brief endet mit „Ich wünsche Ihnen und unserem Ort für die Zukunft alles Gute. Ihr Max Neumüller“. Ob Freund, Unterstützer oder Kontrahent – es gibt in Aschau derzeit wohl nur wenige, die Max Neumüller nicht das Selbe wünschen.

Mehr zum Thema

Kommentare