Riesenhütte wird wieder geöffnet

"Rettet die Riesenhütte", so das Motto der Protestveranstaltung. Nun soll die Hütte doch wieder geöffnet werden.  Foto Ammelburger
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"Rettet die Riesenhütte", so das Motto der Protestveranstaltung. Nun soll die Hütte doch wieder geöffnet werden. Foto Ammelburger

Schon beim Aufstieg vom Parkplatz Lederstube zur Riesenhütte im Hochriesgebiet fielen die ungewöhnlich vielen Wanderer auf. Von allen Seiten kamen sie herbei.

Sie wollten offensichtlich bei einer ungewöhnlichen Kundgebung dabei sein: Um "fünf vor zwölf" vor der Riesenhütte. Die Uhrzeit war Programm.

Aschau/Frasdorf - Aschaus Bürgermeister Peter Solnar hatte zusammen mit weiteren Empörten zu diesem Protest aufgerufen. Ihr Ziel: Rettung der Riesenhütte. Und was die rund 100 Teilnehmer vorher nicht ahnen konnten: Ihr Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Die Riesenhütte wird noch heuer wieder geöffnet werden. Seit Herbst 2013 ist sie geschlossen.

"Rettung der Riesenhütte" stand auch auf einem großen Transparent, das quer über die Hüttenfront aufgehängt war. Und es sprach den rund 100 Wanderern und Bergfreunden aus der Seele, denn sie waren trotz miesen Wetters und Schnee zwei Stunden lang hochgestapft. Mit einer gehörigen Wut im Bauch.

Denn die Riesenhütte, eines der Traumziele besonders für Familien in den Chiemgauer Bergen, soll in eine Selbstversorgerhütte umgewandelt werden. Das zumindest möchte ihr Besitzer, die Münchner Sektion Oberland des Deutschen Alpenvereins (wir berichteten mehrfach). Doch das würde das Aus für die beliebte Berghütte mit Bewirtung bedeuten.

Peter Solnar begann pünktlich "vor so vielen Besuchern" mit seiner Erklärung, fasste die Ereignisse seit der Schließung der Hütte im Herbst 2013 aus seiner Sicht zusammen und sparte nicht mit Kritik am Alpenverein. "Sein eigentliches Ziel ist Schutz und Versorgung von Bergwanderern. Mit der Umwandlung in eine Selbstversorgerhütte ist das nicht mehr gewährleistet und somit der Sinn des Alpenvereins infrage gestellt."

Doch dann wollte er offensichtlich die Geduld der Zuhörer nicht mehr länger strapazieren. "Mein neuester Sachstand ist, dass die sofortige Öffnung der Hütte möglich ist. Ihr steht nichts mehr im Wege." Ein Paukenschlag!

Noch bevor sich die frierenden Wanderer - inzwischen hatte es zu graupeln begonnen - recht versahen, erläuterte der Bürgermeister, dass in der vergangenen Woche wohl erstmals eine Abordnung der Sektion Oberland im Rosenheimer Landratsamt vorstellig geworden sei und sich über die Auflagen informiert habe. Ergebnis: Der Öffnung stehe von Seiten der Behörde nichts im Wege.

Zur Überraschung der Wanderer sprach dann Reiner Knäusl, Vorstandsmitglied der Sektion Oberland: "Seid froh, dass ihr einen solchen Bürgermeister habt." Ein solches Engagement - Solnar war extra in die Münchner Sektion als Mitglied eingetreten, um bei der Generalversammlung am 28. April Rederecht zu bekommen - habe er bisher noch nicht erlebt. Dann bestätigte er, dass sich Vorstand und Beirat der Sektion Oberland darauf verständigt hätten, die Riesenhütte noch heuer zu öffnen. Es würden sogar bereits Gespräche mit einem möglichen Pächter geführt. Natürlich müsste das Ergebnis noch durch die Generalversammlung am 28. April bestätigt werden. "Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass der Vorschlag durchgeht."

Hauptgründe für den Sektionsvorstand, die Hütte zu schließen, seien die enormen Renovierungskosten der Generalsanierung gewesen, fasste er zusammen. Vom Dach bis zur Küche über Abwasser, Sicherheit und Strom: "Die Summe beläuft sich auf 2,2 Millionen Euro." Geld, das nicht herumliege. Die Sektion habe bereits einmal fast vor dem finanziellen Aus gestanden.

Gute Erfahrungen mache die Sektion mit inzwischen acht Selbstversorgerhütten: "Nicht die schlechteste Lösung, da die Auflagen nicht so hoch sind", meint Knäusl. Auf einen solchen Widerstand durch engagierte Wanderer mit einem Bürgermeister an der Spitze sei der Vorstand allerdings bisher noch nicht gestoßen. Aber es gebe eben nur drei Möglichkeiten, so das Vorstandsmitglied: Generalsanierung, Selbstversorgerhütte oder Verkauf. Im Sektionsvorstand Oberland habe man sich nun auf die Generalsanierung geeinigt, wobei die Sanierung gestreckt werden soll.

Die Wanderer, der Bürgermeister und die Initiatorin der Unterschriften-Sammlung, Jana Bocks, konnten ihr Glück kaum fassen und applaudierten anerkennend Reiner Knäusl, der sich mutig in die "Höhle des Löwen" gewagt hatte. Ihr fester Vorsatz: Besuch der Generalversammlung der DAV-Sektion Oberland am Dienstag, 28. April, um 19 Uhr im Augustinerkeller in der Arnulfstraße 52. Damit es auch wirklich klappt!

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