"Komplett undurchsichtige Spielchen"

Die Riesenhütte im Hochriesgebiet bietet 14 Betten und 26 Matratzenlager - ihre Schließung empört viele Bergwanderer bis heute. Das Bild entstand im Sommer, als Aschaus Bürgermeister Peter Solnar sich vor Ort ein Bild machte.  Foto  H. reiter
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Die Riesenhütte im Hochriesgebiet bietet 14 Betten und 26 Matratzenlager - ihre Schließung empört viele Bergwanderer bis heute. Das Bild entstand im Sommer, als Aschaus Bürgermeister Peter Solnar sich vor Ort ein Bild machte. Foto H. reiter

Joachim Burghardt, Pressesprecher der Sektion Oberland im Deutschen Alpenverein (DAV), gibt sich beim Thema Riesenhütte wortkarg. Man sei noch in der Beschlussphase, sagt er und verweist auf die Homepage.

Doch auch dort ist nicht viel zu erfahren. Man prüfe, die beliebte und bewirtschaftete Hütte in eine Selbstversorgerhütte überzuführen. Man habe nämlich festgestellt, dass ein erheblicher Investitionsstau bestehe. Der sei so hoch, dass "wir den weiteren Betrieb rein wirtschaftlich in Frage stellen mussten", heißt es auf derHomepage. "Das stimmt alles gar nicht", entgegnet trocken Aschaus Bürgermeister Peter Solnar. Er möchte die Riesenhütte wieder offen sehen.

Aschau - Seit Herbst 2013 ist sie geschlossen. Attraktiv gelegen zwischen Kampenwand und Hochries, war die Riesenhütte viele Jahre lang Anlaufpunkt für etliche Rundtouren und ein lohnendes Ziel für Familienwanderungen oder Mountainbiker. Doch seit einem Jahr ist sie nun geschlossen und das können viele in der Region nicht nachvollziehen.

War noch jüngst von rund 2,2 Millionen Euro Sanierungsbedarf die Rede (wir berichteten), so habe sich nun herausgestellt, dass diese Summe wohl aus der Luft gegriffen ist. Das sagen zumindest Bürgermeister Solnar und auch Michael Fischer vom Landratsamt. "Wir haben keine unerfüllbaren oder nicht finanzierbaren Auflagen gemacht." Er könne nur den Kopf über solche Summen schütteln, denn die Forderungen des Landratsamtes rechtfertigten keinesfalls eine solche Summe, so Fischer. Außerdem habe sich die Sektion Oberland, in deren Besitz die Riesenhütte ist, bei den zuständigen Stellen im Landratsamt überhaupt noch nicht gemeldet. Das hat auch Bürgermeister Solnar bei seinen Recherchen herausbekommen.

Etwas ratlos ist auch Thomas Bucher. Er ist Pressesprecher der Deutschen Alpenvereins (DAV). "Die Riesenhütte ist in der höchsten Förderkategorie I. Wir vom Dachverband sehen sie als höchst förderungswürdig an". Als maximale Förderquote biete der DAV 60 Prozent Zuschuss und obendrein 20 Prozent Darlehen an. "In der Summe braucht also eine Sektion unter idealen Voraussetzungen 20 Prozent Eigenkapital." Doch trotz dieser Möglichkeiten liege dem DAV kein Antrag auf Förderung durch die Sektion Oberland vor, so Bucher. Und zu ihrem Glück zwingen könne der DAV die Sektion auch nicht.

Nun ist also die Sektion Oberland, die Inhaberin der Hütte, am Zug.

Doch laut Pressesprecher sei frühestens mit einem Entscheid nach der Mitgliederversammlung im April oder Mai 2015 zu rechnen. Aktuell werde von der Sektion geprüft, ob die Riesenhütte auf Selbstversorgung umgestellt werden soll. Das bedeutet allerdings, dass sie für den klassischen Ausflügler uninteressant ist.

"Das kann es doch nicht sein", meint der Aschauer Bürgermeister sauer. Er will nicht locker lassen: "Ich bleibe am Ball."

Nur Kopfschütteln kann Franz Knarr, langjähriger Vorsitzender der Sektion Rosenheim, und mit der Hochrieshütte direkter Nachbar. "Ich kann nicht verstehen, warum sie die Riesenhütte so runterschlampen", sagt er. Schließlich könne sie jetzt 100. Geburtstag feiern, noch vor rund 25 Jahren sei sie "wunderschön hergerichtet" worden. Sie bringe alles mit, was eine Hütte erfolgreich und finanziell stabil mache: beste Anbindung, herrliche Lage und im Sommer und Winter attraktiv.

Sollte sie in eine Selbstversorgerhütte umgewandelt werden, so bringe das viele Nachteile für Wanderer und Touristen: Jeder Besucher müsse sich anmelden, den Schlüssel in München holen und dann in der Hütte erst Ordnung schaffen und einheizen. "Das sind komplett undurchsichtige Spielchen", meint der Rosenheimer Sektionschef. Seine Vermutung: Vielleicht sind den Münchnern die Hütten im Voralpenland zu unwichtig. Sie investieren wohl lieber in ihre Hochgebirgshütten.

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