BRUDER BARNABAS LÄSST BEI STARKBIERPROBE MILDE WALTEN

Ein ketzerischer Sündenfall

Verständnis mit Augenzwinkern:Bruder Barnabas zeigte sich von seiner milden Seite. Ammelburger
+
Verständnis mit Augenzwinkern:Bruder Barnabas zeigte sich von seiner milden Seite. Ammelburger

Muss ein Fastenprediger poltern und schimpfen? Nein! Verständnis und Milde sind das Gebot der Stunde und Trost für die armen Sünder ist angesagt – denn nur positive Verstärkung bringt sie auf den Weg der Tugend zurück. Wie das geht, zeigte Bruder Barnabas alias Mario Kögl jetzt beim Starkbieranstich im Feuerwehrhaus in Bad Endorf.

Bad Endorf– Bruder Barnabas lässt schon von Anfang an Milde walten und zeigt Nachsicht gegenüber all denjenigen, die nicht gekommen sind, um durchs Anhören der Predigt Buße zu leisten. Zum Beispiel auch gegenüber dem Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner: Die Landtagswahl noch in weiter Ferne, zu wenig Pressefotografen, keine Zuschusszusage für eine Umgehungsstraße zu verkünden und nicht mal kostenfreies Wlan – muss man verstehen, meint Bruder Barnabas, dass Stöttner da einfach keine Zeit hat.

Derartige Nachsicht setzt Einfühlungsvermögen voraus, die Fähigkeit sich in die Lage der anderen hineinzuversetzen. Und diese Empathie beweist Barnabas auch bei Bürgermeisterin Doris Laban. Die habe, so sagt er, trotz kommunalpolitischen Gegenwindes der Windstärke 12 verhindert, dass die Gemeinde im pechschwarzen Schuldensumpf versunken sei.

Mitfühlend fragt er sich, ob Laban, die sich in Sachen Thermen-Entflechtung stets voller Hoffnung auf den Erfolg gezeigt habe, auch wirklich immer so zuversichtlich gewesen sei: „Seins ehrlich, ham Sie sich nicht öfters gefragt: Wenn das hier Hoffnung ist, wie sieht dann Verzweiflung aus?“

Weil Barnabas aber befürchtet, dass noch immer nicht alle Endorfer erkannt haben, wie kritisch die Lage damals wirklich war, bringt er noch ein plastisches Beispiel: Und da ein guter Fastenprediger auf Ausgewogenheit achtet und er gerade eben die Bürgermeisterin gelobt hat, darf das Beispiel ruhig blondinen- und damit auch frauenfeindlich sein: Immer wenn es ganz schlimm gekommen sei mit dem Geld, habe sich der Zweite Bürgermeister Wolfgang Kirner zum Kreisverkehr im Gewerbegebiet begeben und dort nach Blondinen Ausschau gehalten. Die hätten die Tatsache, dass sie dank seiner Hilfe den Kreisverkehr wieder verlassen konnten, gerne mit 20 Euro für das Gemeindesäckel honoriert.

Sein Einfühlungsvermögen sagt Barnabas aber auch, dass manche seiner Schäfchen erst durch Trost und Zuspruch aufgebaut werden müssen, bevor sie Kritik vertragen können. Da wäre zunächst mal die CSU die nunmehr zwei Wahlperioden hintereinander eine herbe Niederlage einstecken musste: Immer noch ist der Bürgermeister nicht von der CSU und schon wieder eine Frau! Am Fraktionsführer Alois Loferer kann es nach der Einschätzung von Bruder Barnabas jedenfalls nicht liegen. Potenzial, Talent und Lichtgestaltqualitäten seien bei ihm vorhanden, Engagement auch.

Das beweise „Der Endorfer“ von dem es keine Ausgabe gäbe ohne eine halbe Seite redaktioneller Meisterwerke tiefschwarzer Prosa aus seiner Hand. Aber was hilfts, der Prophet, gab Barnabas zu bedenken, gilt nichts im eigenen Land: „Alois, selbst wenn Du als Lichtgestalt im Angesicht des Herrn übers Wasser laufen könntest – es käme doch wieder so ein Gemeinderatsbarbar und würde sagen: Bist zu bled zum schwimma oder wos?“

Also bleibt der CSU in der Gemeinde nichts anderes übrig, als sich noch ein Weilchen an das Motto zu halten: die CSU springt hoch, die CSU springt weit – warum auch nicht, sie hat ja Zeit. In derartigen Situationen, so Bruder Barnabas, sei jeder Tritt in den Hintern ein Schritt nach vorn. Solcherart Tretende fand er zwar nicht im Marktgemeinderat aber doch schon auf Bezirksebene und lobte deshalb Mary Fischer und Christine Degenhardt von den Freien Wählern für die „Aktion Arschtritt“ in Sachen Strabs, den kommunalen Straßenausbaubeiträgen, mit der ihre Partei der Staatsregierung zu unverhofften Sprüngen verholfen hätte.

Nun ist die CSU in Sachen Trost aber noch ein vergleichsweise leichter Fall. Ob ein Fastenprediger wirklich die Gabe hat, Aufbauendes zu sagen, zeigt sich so richtig erst dort, wo eigentlich nur noch Not, Jammer und Elend herrschen. Zum Beispiel bei der SPD: Hier konnte Bruder Barnabas immerhin den Einfall von Walter Kindermann loben, der bei der letzten Vollversammlung an alle der drei Anwesenden eine Runde Obstler ausgegeben habe. So hätten auch sie zumindest einmal die Gelegenheit gehabt, zu spüren wie sich 40 Prozent anfühlen.

Trost und Verständnis hatte Bruder Barnabas sogar für die Revoluzzer von der Endorfer Theatergesellschaft, auch wenn es sich bei deren Tat schon um einen eindeutigen Sündenfall gehandelt hat. Die haben es schließlich gewagt, einmal nicht eine gutkatholische Heldengestalt auf die Bühne zu bringen, dafür aber mit Luther einen evangelischen Ketzer. Den Einwand, dass Luther schon fast 500 Jahre tot sei, konnte Barnabas nicht gelten lassen. Wer so denke habe keine Vorstellung von der Sturheit eines durchschnittlichen bayrischen Dickschädels und verwechsle zudem den bayrischen Sinn für Ökonomie mit dem für Ökumene. Immerhin sei bei den Veranstaltern Reue zu verspüren – sie hätten gelobt erst in frühestens 500 Jahren einen neuen nichtkatholischen Versuch zu wagen.

Verständnis und Einfühlungsvermögen als Eigenschaften eines Fastenpredigers sind hervorragend, richtige Größe zeigt er aber dort, wo er eigene Fehler eingestehen kann. So hat sich Bruder Barnabas auch in aller Form bei den Halfingern entschuldigt. Er habe sie oft hart rangenommen, dabei sei man jetzt froh, sie als Bollwerk gegen die drohende Invasion aus dem Norden im Gefolge des zukünftigen fränkischen Landesvaters zu haben.

Die Gefahren malte Barnabas schrecklich aus: Wer ohne Protest fränkisches Bier trinke, fresse auch kleine Kinder. Zwar versuche Seehofer zu retten was zu retten sei und habe deshalb die Übergabe der Ernennungsurkunde an Markus Söder zeitgleich mit der Eröffnung des Berliner Flughafens geplant, aber dennoch sei Vorsicht und Vorausschau geboten. Deshalb fragte Barnabas auch beim Bezirkstagsabgeordneten und Ur-Altbayern Wast Friesinger nach, ob der nicht als Simultandolmetscher im Landtag arbeiten wolle: Das Bayernvolk habe es einfach gern, wenn es seinen Landesvater verstehen könne.

Bleibt die Frage, ob Bruder Barnabas bei so viel Milde und Verständnis gegenüber den Verfehlungen seiner Schäfchen nicht irgendwann auch der Kragen platzt. Doch. Tut er. Und das dann auch gleich richtig. Allerdings geht es im vorliegenden Fall auch um Leib und Leben. Habe doch unlängst die Bergwacht ausrücken müssen, um einen Mitarbeiter des Endorfer Bauhofes zu retten, der sich beim Versuch, am Endorfer Kirchplatz ein Schlagloch auszubessern, zu nah an dessen Rand gewagt habe.

Buckelpisten am Kirchplatz

Angesichts dieser Dramatik spricht Bruder Barnabas, wie er sagt, nicht mehr für sich, sondern ist, wie weiland Dienstmann Aloisius, direkt der Träger des göttlichen Zorns: „Wennds es da drunten des net amoi fertig bringts“, donnert er, „die Buckelpisten am Endorfer Kirchplatz endlich herzrichten, dann fallen die Endorfer Bürger vom Glauben ab, dass des mit dem städtebaulichen Entwicklungskonzept no amoi mehra wird als fünf Quadratmeter farbenfroh bedrucktes Papier“.

Hierzu lässt sich am Rande erwähnen, dass die betreffenden Stellen den göttlichen Zorn offenbar schon mitgekriegt haben, denn wie Laban sagte, habe man ihr versprochen, das Problem jetzt umgehend in Angriff zu nehmen. Sie will am Montag noch einmal in der Sache vorsprechen – dass dann ein Rückzieher gemacht wird, ist wenig wahrscheinlich: Wer wie Bruder Barnabas gute Kontakte nach ganz oben hat, hat wohl auch welche nach unten. Und vorm Zwiegehörnten fürchten sich selbst die Straßenbauämter.

Kommentare