HEGERINGSCHAU IN ASCHAU

Jäger nützen und schützen die Natur

Werner Zwingmann von der Jägervereinigung Rosenheim (rechts) und sein Stellvertreter Jakob Hündl (links) bedankten sich bei Max Peter Graf von Montgelas für seine Ausführungen zum Wildschwein-Monitoring.
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Werner Zwingmann von der Jägervereinigung Rosenheim (rechts) und sein Stellvertreter Jakob Hündl (links) bedankten sich bei Max Peter Graf von Montgelas für seine Ausführungen zum Wildschwein-Monitoring.

Freizeitsportler dringen immer tiefer in den Wald vor und stören das Wild. Dieses Problem stand im Fokus der gemeinsamen Hegeschau der Hegeringe III bis VI in der Aschauer Festhalle. Außerdem stellte der Hauptredner, Max Peter Graf von Montgelas, ein Konzept zur Wildschweinbekämpfung vor.

Aschau – „Ob mit dem Bergradl, mit dem Gleitschirm, mit Schneeschuhen oder abseits aller Pisten mit den Tourenskiern: Der Mensch ist überall im Revier anzutreffen. Gams und Hirsch, Rauhfußhühner und Schneehasen haben keinerlei Rückzugs- und Ruhegebiete mehr“, bedauerte Aschaus Bürgermeister Peter Solnar. Die sportlichen Ambitionen der Freizeitgesellschaft müssten wieder in geordnete Bahnen gebracht werden, forderte er. „Wir brauchen Freiräume für unsere wilden Tiere, wir brauchen die Jagd als angewandten Naturschutz“, appellierte der Bürgermeister, der seit vielen Jahren Besitzer des Jagdscheins ist.

„Ein Jäger nützt und schützt die Natur – als einziger. Denn der Jogger im Revier nützt alles, schützt aber nichts“, so der stellvertretende Landrat Josef Huber, ebenfalls aktiver Jäger. Er stellte fest, dass die Beziehungen zwischen Waldbauern und Jägern in den Hegeringen gut seien, nur hin und wieder komme es zu „Eintrübungen“.

2015 war ein schwieriges Waldjahr

Dr. Georg Kasberger, Abteilungsleiter Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Rosenheim, lobte die versammelten Jäger dafür, dass das Vegetationsgutachten im gesamten Landkreis bis auf wenige Ausnahmen gut ausgefallen sei. Das letzte Jahr sei für den Wald nicht einfach gewesen: Im Frühjahr riss Sturm Niklas große Lücken in die Bestände, der lange heiße und trockene Sommer machte den Bäumen zu schaffen und förderte die Verbreitung des Borkenkäfers, bedauerte er. Jetzt gelte es, die Sturmflächen und die Areale, in denen der Käfer Löcher gerissen habe, wieder aufzuforsten und in den nächsten Jahren vor Wildverbiss zu bewahren.

Zum 15. Mal waren die Jäger der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis in Aschau zusammengekommen. Sie zeigten an den Stellwänden in der Festhalle über 1200 Trophäen des Vorjahres.

Jagdberater Fritz Pichler verlas die Ergebnislisten des Vorjahres: Rotwild (129 Abschüsse), Reh (3329), Gams (148), Fuchs (940), Dachs (129), Marder (82) und Hase (128). Die Abschusszahlen beim Federwild stiegen an: Stockente (1035), Ringeltaube (132), Graugans (191), Eichelhäher (68) und Rabenkrähe (1621).

Pichler führte aus, dass die Abschusspläne bei Rotwild und Rehwild übererfüllt wurden. Lediglich bei den Gämsen blieben die Jäger mit 148 unter dem geforderten Soll von 162. Diese mussten in diesem Jahr lange nicht aus den Hochlagen herabkommen –  auch als Folge des milden Winters und der ausreichenden Versorgung mit Futter in den angestammten Revieren.

Das Schwarzwild stellt noch keine echte Größe in den vier Hegeringen dar, lediglich sechs (Vorjahr 14) Wildschweine wurden erlegt.

Werner Zwingmann, Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim, wies darauf hin, dass Schwarzwild und jegliches Wildbret, das in den Handel komme, genau auf seine Strahlenbelastung überprüft wurde und unbedenklich genossen werden könne.

Monitoring im Kampf gegen Wildschweine

Der Hauptredner des Abends, Max Peter Graf von Montgelas, zeigte den Jägern der Hegeringe auf, dass das Schwarzwild in Bayern überall auf dem Vormarsch ist. Es gebe im Freistaat nur noch zwei Landkreise ohne Wildschweine, in allen anderen trete das schlaue und scheue Tier mehr oder weniger häufig auf, berichtete der Referent den Versammelten in der Aschauer Festhalle.

Die meiste Erfahrung mit den Wildschweinen hätten die Jäger in den unterfränkischen Landkreisen. Hier würden jedes Jahr mehrere Tausend Wildschweine geschossen. Dieses Know-how wolle man sich landesweit zunutze machen und bei einem vermehrten Auftreten von Schwarzwild im Süden darauf zurückgreifen, kündigte Montgelas an.

Als Hilfsmittel habe der Jagdverband eine Software entwickelt, mit der die Bewegungen der Schwarzwildrotten nachvollzogen und ein bevorstehendes Auftreten im Revier eventuell vorhergesagt werden könnten. Der Referent bot den Jägern an, sich in das System einzutragen und Wildschweine mitsamt den verursachten Schäden somit darin zu melden. Mit Unterstützung dieser Informationen erhalte man einen verlässlichen Gesamtüberblick über die Tierbewegungen, zeigte er sich abschließend überzeugt. reh

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