GEMEINDERAT ASCHAU BEGRÜSST AUSBAU DER KAMPENWANDBAHN

Grünes Licht für Modernisierung

Diese Gondel am Aschauer Kreiselwurde schon vor längerer Zeit ausgemustert, in den kommenden Jahren sollen alle Vierergondeln der Kampenwandseilbahn durch moderne Achtergondeln ersetzt werden. Rehberg

Der Aschauer Gemeinderat begrüßt das Vorhaben, die Kampenwandseilbahn zu modernisieren und die über 60 Jahre alte Einrichtung als funktionierenden Betrieb für Aschau und den Tourismus zu erhalten und weiter fortzuführen.

Aschau – Quer durch alle Fraktionen waren sich alle Gemeinderatsmitglieder einig, dass ein Ausbau und eine Modernisierung der Bahn mit neuzeitlichen Gondeln für Aschau und seine Gäste nur von Vorteil sein könne.

Ausgelöst hatte die Debatte die Anfrage einiger Anwohner, die sich durch den bereits genehmigten Ausbau der vorhandenen Bahn überrumpelt fühlen. Sie fragten bei der Gemeinde an, ob man sich im Rathaus über die Folgen des Kapazitätsausbaus im Klaren sei. Bislang können mit den vorhandenen Vierergondeln 450 Personen pro Stunde befördert werden, künftig seien es rechnerisch 2050 Personen pro Stunde. Das bedeute, dass an guten Tagen nicht wie bisher 2000 Besucher auf die Kampenwand gebracht werden können, sondern über 10 000. Für eine solche Menge stünden aber weder die entsprechenden Parkplätze im Tal zu Verfügung, noch könnten sich die Gäste auf den vorhandenen Wegen im Wandergebiet Kampenwand am Berg einigermaßen gleichmäßig verteilen. Die Folgen für die eh schon gebeutelte Flora und Fauna entlang der Wanderwege auf dem Berg und vor allem für die ausgewiesenen Schutzgebiete seien bei solchen Gästezahlen nicht absehbar, so die Kritik der Bürger. Niemand wolle, dass die Kampenwand ein Rummelplatz werde.

Die Initiatoren forderten von der Gemeinde eine Begrenzung der Beförderungskapazität auf das für Umwelt und Infrastruktur vertretbare Maß. Wenn das Kampenwandgebiet überfüllt sei, müsse es für die Gemeinde Aschau eine Möglichkeit geben, den Zugang zu regulieren. Eine solche Regelung sei sicher auch im Interesse des Betreibers.

Eric Zbil, Geschäftsführer und Eigner der Kampenwandbahn, nahm in der Ratssitzung Stellung. Er erklärte, dass die Bahn mit 61 Jahren auf dem Buckel mittlerweile ohne großzügige Erneuerungen mittelfristig nicht mehr betrieben werden könne. Man wolle mit dem bevorstehenden Ausbau einen Betrieb auf die Beine stellen, der für die kommenden 15 bis 20 Jahre gute Verhältnisse für alle Fahrgäste schaffe. Zukünftig sollten in den neuen Gondeln acht Personen transportiert werden, man wolle damit mehr Komfort schaffen und die Wartezeiten auf ein Minimum abbauen.

Lange Warteschlangen solle es künftig auch an herausgehobenen Tagen, wie der Chiemgau-Wallfahrt oder den besonderen Bergmessen beider Konfessionen nicht mehr geben, so der Geschäftsführer. Nicht zuletzt sollen die Gondeln zukünftig auch behinderten Mitbürgern das Bergerlebnis verschaffen, was mit der derzeitigen Ausstattung nicht möglich sei.

Der Transport der Skier und Snowboards sowie für das Material der Trendsportarten wie Gleitschirme oder Downhillbikes sei auch heute schon möglich, werde aber durch die größeren Gondeln vereinfacht.

Erhöhte Beförderungskapazität

Zbil wies darauf hin, dass die Befürchtungen der Anwohner ausschließlich davon ausgingen, dass eine erhöhte Beförderungskapazität automatisch auch eine höhere Passagierzahl mit sich bringe. Diese Annahme sei grundsätzlich falsch, der letzte Umbau der Anlage im Jahre 1997 habe keine erkennbare Steigerung der Fahrgäste mit sich gebracht. Die Firma gehe nach dem Abschluss der Baumaßnahmen von einer moderaten Erhöhung der Fahrgastzahlen von etwa zehn bis 15 Prozent aus, verteilt jeweils auf den gesamten Tag; die Kapazitätserhöhung werde vor allem für den Rücktransport am Abend gebraucht, wenn viele gleichzeitig ins Tal zurückfahren möchten. Die Annahme, dass die rechnerisch mögliche Vollauslastung von 10 000 Fahrgästen pro Tag erbracht werden könnte, sei Illusion. Denn, so fragte Zbil, woher sollen diese plötzlich kommen? Eine neue Bahn erzeuge nicht automatisch neue Gäste.

Eine anzunehmende Zunahme in der Größenordnung von etwa zehn bis 15 Prozent sei für das Kampenwandgebiet zu verkraften, die beteiligten Behörden einschließlich Naturschutzbehörden hätten im Vorfeld der Planungen ihre Zustimmung signalisiert. Die Umweltverträglichkeit des Vorhabens sei in einem langen Verfahren durch die Fachbehörden geprüft und sei mittlerweile abgeschlossen worden.

Die vorhandenen Parkplätze würden auch bei der Ausweitung des Betriebs ausreichen, das bisherige wilde Parken außerhalb der Seilbahnparkplätze sei nicht auf Seilbahnnutzer, sondern zumeist auf Wanderer, Bergradfahrer und Tourengeher zurückzuführen, die die Bahn nicht nutzten und deshalb auch außerhalb der gekennzeichneten kostenpflichtigen Parkplätze der Bergbahn parkten.

Die Genehmigung für den Ausbau liege dem Unternehmen seit einem Jahr vor. Über den tatsächlichen Termin des Baubeginns konnte Eric Zbil noch keine Aussage machen.

Der Gemeinderat begrüßte es sehr, dass die Eigentümer der Kampenwandbahn in den kommenden Jahren viel Geld in die Hand nehmen wollen, um die Bergbahn zu modernisieren.

Fast alle Gemeinderäte beteiligten sich an der ausführlichen Diskussion, die Ängste der Antragsteller, der Betrieb der Seilbahn könne aus dem Ruder laufen und mache einen Rummelplatz aus dem Aschauer Hausberg, wurden von keinem Gemeinderat geteilt. Bürgermeister Peter Solnar fasste zusammen, dass der Ausbau der Seilbahn, der vielfach einem Neubau gleiche, für die Gemeinde Aschau eine gute Sache sei. „Wir glauben, dass der Geschäftsführer und die zuständigen Fachbehörden mit ihrer Entscheidung für den Ausbau der Bahn richtig entschieden haben.“ reh

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