40-JÄHRIGER MUSS SICH WEGEN ZWEIER VERGEHEN AM HARTSEE VOR GERICHT VERANTWORTEN

Geldbuße an der Angel

Am Hartsee im Westen Eggstätts ist Angeln erlaubt – allerdings nur mit Erlaubniskarte. Zudem müssen Bootsfischer einen Abstand von 30 Metern zu Sperrzonen, Schilf und Seerosen am Ufer einhalten. Googlemaps

Hat ein 40-jähriger Poinger gewusst, dass er keine Erlaubniskarte zum Angeln am Eggstätter Hartsee hat? Dieser Frage musste jetzt das Amtsgericht Rosenheim nachgehen. Erwiesen war laut Richterin jedenfalls, dass er sich verbotenerweise zu nahe am Ufer aufgehalten hatte. Ein Vergehen, das ihm jetzt ein Bußgeld von 1200 Euro eingebracht hat.

Eggstätt – Seinen Augen traute ein 22-jähriger Fischereiaufseher des Kreisfischereivereins Rosenheim nicht, als er am Nachmittag des 28. August vergangenen Jahres einen Angler ausmachte, der sein Boot nicht nur viel zu nahe am Ufer des Hartsees bei Eggstätt, sondern darüber hinaus auch noch in der Naturschutzzone platziert hatte und dort mit zwei Angeln auf Beutezug war.

Er fuhr zu dem Frevler, machte ihn auf sein Fehlverhalten aufmerksam und ließ sich dessen Angelschein vorlegen. Damit hatte es seine Ordnung. Als der aber auch die Angelerlaubnis für das Gewässer vorweisen sollte, zeigte der ihm lediglich eine Quittung des Bootsverleihers, die mit der offiziellen Angelerlaubnis des Rosenheimer Kreisfischereivereins nicht das Geringste zu tun hatte. Also erging Anzeige wegen Fischwilderei.

Gegen einen Strafbefehl, der daraufhin ergangen war, legte der Beschuldigte Einspruch ein. Und so fand sich der Sportfischer aus Poing vor dem Amtsgericht Rosenheim wieder. Hier behauptete er nun, er habe sich wohl am Rande, nicht aber im Bereich des Naturschutzgebietes befunden. Des Weiteren habe er sich telefonisch, wie schon in früheren Jahren, dort angekündigt und dabei keinerlei Zweifel an seiner Angelabsicht gelassen.

Am See-Kiosk hätte er auch seinen Angelschein vorlegen müssen. Danach hätte man ihm eine Quittung und ein Boot ausgehändigt. Damit sei er der Meinung gewesen, er habe auch die örtliche Angelberechtigung erworben. Regelrechte „Angelerlaubniskarten“ gäbe es einheitlich gar nicht. Jeder See-Eigentümer würde das nach Gusto handhaben und häufig bekäme man eben lediglich eine Quittung über die bezahlte Gebühr. Auch sei er schon einige Jahre nicht mehr am Hartsee gewesen und habe auch in der Vergangenheit dort am See diese Erlaubnis erworben.

Gegen den Vorwurf, er habe sich nicht umfassend informiert, verwahrte er sich. Er habe sich im Internet kundig gemacht und dort sei nach wie vor das „Hartsee-Stüberl“ als Erlaubnis-Erwerbsstelle angegeben. Deshalb habe er darauf vertrauen können.

Der Fischereiaufseher machte klar, dass sich der 40-jährige Informatik-Kaufmann ganz fraglos in der Naturschutzzone befunden habe. Außerdem sei es auf dem ganzen See verboten, näher als 30 Meter zum Ufer zu angeln. Der Angeklagte habe sich aber höchstens fünf Meter vom Ufer entfernt befunden. Die Quittung, die ihm der Angeklagte vorgewiesen habe, hätte überhaupt nichts mit der offiziellen Erlaubniskarte zu tun, die man bereits seit zwei Jahren nicht mehr am Hartsee, sondern nur noch in einem Bad Endorfer Reisebüro bekommen könne.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Wolf D. Biedermann, argumentierte, sein Mandant habe wohl das für ihn zumutbare an Informationsbeschaffung getan. Wobei es auch nicht auszuschließen sei, dass der oder die Bedienstete am Bootsverleih – die Polizei konnte die betreffende Person nicht mehr ausfindig machen – absichtlich gegen seinen Mandanten diesen Irrtum aufrechterhalten habe, um das Geld in die eigene Tasche zu stecken.

Es ließ sich nicht beweisen, ob der Angeklagte nun unglücklicherweise auf der Internetseite Anglermap.de gerade die Information gelesen hatte, wo die Verkaufsstelle tatsächlich noch nicht korrigiert worden war. Für Richterin Christina Wand war nicht auszuschließen, dass der Angeklagte tatsächlich einem Irrtum unterlegen war.

Kein Zweifel bestand allerdings, dass er seinem Wurm an verbotener Stelle „gebadet“ hatte. So regte sie an, das Verfahren einzustellen. Die Staatsanwältin stimmte dem zu – allerdings gegen eine Buße von 1200 Euro, die dem Fischereiverein zugute kommen solle. Dem stimmten sowohl der Angeklagte wie auch sein Verteidiger zu. Hätte der Angeklagte bei seiner Recherche auf der Internetseite des Kreisfischereivereins oder der Gemeinde nachgesehen, wäre er korrekt informiert gewesen. au

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