Umstritten

Frasdorf steht vor einem Bürgerentscheid wegen Bauprojekt für Bäckerei und Markthalle

In direkter Nachbarschaft zur umgebauten Autobahn-Auf- und Abfahrt sollen am Frasdorfer Anger eine Bäckerei und eine Markthalle entstehen. Die Meinungen in Frasdorf sind geteilt. Ein Bürgerbegehren läuft an.
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In direkter Nachbarschaft zur umgebauten Autobahn-Auf- und Abfahrt sollen am Frasdorfer Anger eine Bäckerei und eine Markthalle entstehen. Die Meinungen in Frasdorf sind geteilt. Ein Bürgerbegehren läuft an.
  • Sylvia Hampel
    vonSylvia Hampel
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Im Ort steht ein Bürgerbegehren an – und der Bürgermeister findet‘s gut. Es geht um den „Frasdorfer Anger“, wo eine Markthalle des Anderlnbauern und eine Bäckerei mit Café der Bäckerei Miedl entstehen sollen. „Ich möchte seit Langem, dass die Frasdorfer mitentscheiden“, sagt Bürgermeister Daniel Mair.

Frasdorf – Mair bekommt Rückmeldungen sowohl von Befürwortern als auch von Gegnern des Vorhabens am Frasdorfer Anger, finde es deswegen passend, dass die Bürger selber entscheiden, ob sie Bäckerei, Café und Markthalle wollen oder nicht. Das Bürgerbegehren sei derzeit der einzige Weg. Ein Ratsbegehren lehnte der Gemeinderat ab. Und eine Bürgerversammlung ist momentan coronabedingt nicht möglich.

Eine Bürgerinitiative befürchtet, dass mit dem Bau nicht die Frasdorfer angesprochen werden, sondern die Autofahrer auf der Durchreise. Zustände wie am Irschenberg wolle man nicht. „Wollen wir auch nicht“, sagen Manfred Miedl und Hans Huber übereinstimmend. „Mir tut der Vergleich weh. Wir wollen dort keine Busse abfertigen, sondern Tradition bewahren. Außerdem lieben wir unsere Heimat und wollen sie nicht zerstören“, sagt Miedl.

Nächste Generation in beiden Handwerken aktiv

„Wir arbeiten sehr gerne in einem uralten Handwerk, das wir am Leben erhalten wollen. Unsere beiden Söhne sind auch mit Leidenschaft im Betrieb.“ Genau wie die drei Kinder von Hans Huber. „Ich habe da wohl was richtig gemacht“, sagt der zufrieden. Ein Sohn hat auch Käser gelernt, führt die Käserei mittlerweile weitgehend selbstständig.

Miedl produziert am Anger, Anderlbauer nicht

Und Huber junior produziert auch künftig am jetzigen Standort. „Wir haben kurz überlegt, ob wir unsere Chutneys dort produzieren, uns aber dagegen entschieden“, so Huber. Miedl hingegen will dort mit 15 Mitarbeitern produzieren, in einer gläsernen Bäckerei. Und er will Bäcker, Konditoren und Fachverkäufer ausbilden.

Anstoß für das Projekt war ein Gespräch mit der Bürgermeisterin

Anstoß des Vorhabens war, so Miedl, ein Gespräch mit der damaligen Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller, in dem diese erwähnte, dass es in Frasdorf kein Café mehr gebe. Da ihn auch die Idee eines Lehrpfades „vom Korn zum Brot“ beschäftigte, entwickelte sich das Projekt in Frasdorf. Und Huber, dessen jetziger Laden – in einem Gebäude, das ihm nicht gehört – von der neuen Anbindung der Autobahnausfahrt vom Durchgangsverkehr ziemlich abgeschnitten wird, ergriff die Möglichkeit eines neuen Standortes. Nach vielen Jahren des Aufbaus seiner ökologischen Landwirtschaft könne die Familie jetzt davon leben – und so solle es auch bleiben. Es sei erschreckend genug, dass er einer von zwei Landwirten sei, die es in der Gemeinde noch gebe. Rund 50 seien es einmal gewesen. „Der Strukturwandel ist schon gewaltig.“

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Lieber den Ortskern beleben

Die Bürgerinitiative will den Flächenfraß nicht hinnehmen, bevorzugt eine Belebung des Ortskerns. „Mir wäre es auch recht, wenn im Ort nicht so viel Leerstand wäre“, sagt der Bürgermeister. Einfluss nehmen kann er darauf nicht. Denn die Gebäude sind Privatbesitz. Ebenso wie fast alle von der Bürgerinitiative ins Auge gefassten freien Flächen näher am Ortskern. Und auch diese lägen baurechtlich im Außenbereich, so Mair, auch dort wäre eine Bauleitplanung nötig.

Die ist für den Frasdorfer Anger noch nicht abgeschlossen, voraussichtlich in der letzten Januarwoche liegen die aktualisierten Planungen in der Gemeinde aus.

Behörden von Anfang an einbezogen

Mehr Verkehrsbelastung und Lichtverschmutzung befürchten die Mitglieder der Bürgerinitiative, vor allem die, die in der Nähe des Frasdorfer Angers wohnen. Miedl kann darüber nur den Kopf schütteln. „Ich habe von Anfang an alles mit der Gemeinde, dem Landratsamt, der Regierung von Oberbayern, mit anderen Behörden besprochen und abgestimmt. Die Reklame zum Beispiel ist emissionstechnisch kein Problem.“ Außerdem handele es sich um ein Tagescafé, da sei um 20 Uhr Schluss.

Vorwürfe, aber bisher kein Gespräch

Der Vorwurf der Bürgerinitiative, Markthalle, Café, Bäckerei und vor allem die Parkplätze samt Erschließungsstraße verschandelten die Landschaft, ärgert Miedl wie Huber. Zumal sich zum Beispiel die Zahl der Parkplätze nach einem Stellplatzschlüssel richtet. Die Landschaftsverträglichkeit sei mit den zuständigen Behörden besprochen, werde auch von diesen entschieden. Beide Familien, Huber wie Miedl, seien von den Vorwürfen und Anfeindungen belastet, sagen Huber und Miedl übereinstimmend. Was beide Männer ärgert: „Mit uns hat noch niemand von der Bürgerinitiative gesprochen.“

Bürgerinitiative ist noch bei Vorarbeit

Die Bürgerinitiative gegen das Miedl/Anderlbauer-Projekt am Frasdorfer Anger wollte in der Woche ab 18. Januar mit der Unterschriftensammlung für das Bürgerbegehren beginnen. Nachdem aus dem Gewerbegebiet aber ein Sondergebiet geworden ist, müsse erst noch einiges geklärt werden, so Dirk Köberle von der Bürgerinitiative, unter anderem die genaue Fragestellung des Bürgerbegehrens. Da Versammlungen derzeit nicht möglich seien, gebe es ein Info-Flugblatt, das ebenfalls angepasst werden müsse. Und noch sei nicht abschließend geklärt, wo und wie die Unterschriften gesammelt werden. Spätestens, wenn die Planung in der Gemeinde ausliege, wolle man so weit sein, so Köberle.

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