"Ein echtes Trauerspiel"

Als die Zeiten noch gut waren: Die Riesenhütte - ein beliebter Anlaufpunkt für große und kleine Bergsteiger. Foto re
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Als die Zeiten noch gut waren: Die Riesenhütte - ein beliebter Anlaufpunkt für große und kleine Bergsteiger. Foto re

Ein "Trauerspiel" nennt Aschaus Bürgermeister Peter Solnar erbost das jüngste Gezerre um die Riesenhütte im Hochries-Gebiet. "Ich bin mehr als enttäuscht", sagt der Rathauschef den OVB-Heimatzeitungen.

Neuester Stand: Auch die zugesagte provisorische Öffnung bis zur Generalsanierung 2019 ist wieder hinfällig. "Zu teuer", so der kurze Kommentar der Münchner Sektion Oberland - der Eigentümerin der Riesenhütte.

Aschau/Frasdorf - Aber Peter Solnar geht sogar noch einen Schritt weiter. In einem "offenen Brief", der der Redaktion vorliegt, meldet er "erhebliche Zweifel an der Durchführung der Generalsanierung" an. Im Klartext: Soll die Hütte etwa verkauft werden? In diesem Fall würde er seinem Gemeinderat vorschlagen, sie zu erwerben, erklärt der Rathauschef und Hüttenretter. Er will sie für die Allgemeinheit offen halten, keinesfalls soll sie in private Hände fallen. Das will er auf alle Fälle verhindern.

Viele Bergwanderer lieben diese idyllisch unterhalb des Hochrieskamms gelegene Hütte (wir berichteten). Sie war Anlauf- oder Endpunkt so mancher schöner Tour für große und kleine Bergwanderer und bei allen Generationen ausgesprochen beliebt. Doch überraschend war sie im Herbst 2013 geschlossen worden. Dagegen opponierten viele Bergfreunde - zum Teil mit witzigen Aktionen wie der Einladung "Fünf vor Zwölf". Tenor: Wir wollen unsere Hütte wieder.

Mit an vorderster Front, um diese DAV-Entscheidung zu kippen, kämpfte der Aschauer Bürgermeister (wir berichteten mehrfach). Er war extra Mitglied in der Münchner Sektion geworden, um seine Stimme gegen die Schließung beziehungsweise Umwandlung in eine Selbstversorgerhütte zu erheben. Und sein Engagement und das so vieler Wanderer sollte zunächst Erfolg haben.

In der jüngsten DAV-Mitgliederversammlung Ende April wurde mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Sektion Oberland für rund 2,5 Millionen die Riesenhütte generalsaniert. Gleichzeitig hatte sich der Vorstand dahingehend geäußert, dass bis zur Generalsanierung 2019 die Hütte provisorisch bewirtschaftet und für Wanderer geöffnet wird. Seither herrschte gute Stimmung unter den engagierten Kämpfern und Wanderern.

Doch nun kam der Tiefschlag. In einer Pressemeldung erklärte jetzt die Sektion Oberland, dass auch für den "provisorischen Betrieb umfangreiche, kostenintensive und zeitaufwendige Sofortmaßnahmen zwingend umzusetzen" seien. Das habe sich bei einer Gesprächsrunde im Rosenheimer Landratsamt Ende Juli ergeben. Vor allem im Bereich Brandschutz, Elektrik und Lebensmittelhygiene dürften keine halben Sachen gemacht werden, so die Münchner Sektion. Kostenpunkt für diese Maßnahmen: 1,2 Millionen Euro. Doch diese Summe sei fast 50 Prozent der gesamten Sanierungskosten - zu viel, so die Münchner. Deshalb habe man sich schweren Herzens entschieden, den Betrieb ruhen zu lassen. Die Generalsanierung starte dann im Jahr 2019 und soll im Lauf des Jahres fertig gestellt werden. Die Sanierung umfasst die Bereiche Abwasserreinigung, Trinkwasserversorgung, Brandschutz, Feuchtigkeitsdämmung, Brandschutz, Heizung, Elektrik und Energieversorgung, also Anbindung ans Stromnetz. So hieß es in der Pressemeldung des DAV. Vom Tisch scheint auch das Thema Selbstversorgerhütte zu sein.

Doch wegen dieser Pressemeldung geht dem Rathauschef der Hut hoch. Mitnichten seien diese Maßnahmen für die provisorische Öffnung gefordert worden, das sei Mumpitz. "Davon distanziere ich mich, mein Vertrauen in die Institution ist dahin", schimpft Solnar.

Und auch Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes in Rosenheim, sagt: "Für die vorübergehende Öffnung im Erdgeschoss zur Bewirtung wurden von unserer Seite keine Auflagen gemacht." Natürlich dürfe nicht im ersten Stock übernachtet werden. Aber das steht auch gar nicht zur Diskussion, meint Solnar.

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