Die singende Trachtenschneiderin feiert ihren 80. Geburstag ganz still

Gisa Obermaier
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Gisa Obermaier

Aschau –.

Das Schneidern und Singen waren für Gisa Obermaier aus Aschau, die im Frühjahr 80 Jahre alt wurde, eine fast lebenslange und sich immer wieder ergänzende Leidenschaft.

Aufgrund der ersten Corona-Beschränkungen musste eine große Feier abgesagt werden. Die Idee, diese im Herbst nachzuholen, zerplatzte ebenfalls. „Jetzt ist es halt so, und so nehmen wir den Alltag an, wie er ist“, zeigt sich die 80-Jährige dennoch zufrieden.

Obermaier erzählt, wie sie sie 1954 aufgrund guter Kontakte einen der raren Lehrplätze in Riedering bekam, sie erlernte die Trachtenschneiderei und erinnert sich: „Mit dem Singen waren wir viel bei kirchlichen und weltlichen Volksmusikveranstaltungen mit Annette Thoma unterwegs“.

Nach ihrer Lehrzeit machte sich Obermaier selbstständig. Als Trachtenschneiderin war sie schnell gefragt, wenn es um Dirndl oder Röcke ging. Mit großem Interesse nähte sie Trachten aus alten Mustern und Vorlagen und schuf damit viele Anregungen für Historische Vereine und Trachtengauverbände. „Einige Male nahm ich an der Singwoche in Südtirol teil, dadurch bekam ich von Teilnehmern Anfragen. Für Südtiroler Gewänder musste ich für die Zutaten zu einem Geschäft in Innsbruck fahren“, so eine weitere Erinnerung der singenden Trachtenschneiderin.

Als in der Gemeinde Aschau das Jubiläum „400 Jahre Heiliges Grab“ mit einigen Aufführungen begangen wurde, kam auf Obermaier eine fast zweijährige ehrenamtliche Schneiderinnen-Tätigkeit zu. „Bereits 1984 war ich bei der Gründung des Heimat- und Geschichtsverein Aschau mit in der Vorstandschaft, als ich dann zum Heiligen Grab gefragt wurde, ob ich die Kostüme schneidern könnte, habe ich Ja gesagt, ohne gewusst zu haben, was auf mich zukommt“. Insgesamt 57 Stück wurden es dann, und rund 1100 Arbeitsstunden kamen zusammen.

Eine andere Leidenschaft Obermaiers ist ihre Krippe, die sie sich in ihrem Wohnzimmer aufrichtet. Auch die Figuren der Krippe tragen ihre handgeschneiderten Kleider. Jedes Jahr kommt irgendeine Besonderheit dazu, derzeit sind über 80 Tiere zu entdecken. Viel geholfen beim Bau und bei der Weiterentwicklung der Krippe hat ihr mittlerweile verstorbener Mann Friedl. In den vergangenen Jahren konnten Interessierte die Krippen-Stube besichtigen. „Heuer fällt das wegen Corona weg, das wird eine besonders stade Zeit“, so Obermaier nachdenklich und doch dankbar in ihrem adventlich gestimmten Wohnzimmer. hö

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