Corona-frei seit Ende Mai: Aufatmen im Seniorenheim Priental in Aschau nach Todesfällen

Corona-frei seit Ende Mai ist das Seniorenheim Priental in Aschau. Im April sorgte die Einrichtung für Aufsehen, als mindestens 15 Bewohner nachweislich an dem Virus gestorben waren.
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Corona-frei seit Ende Mai ist das Seniorenheim Priental in Aschau. Im April sorgte die Einrichtung für Aufsehen, als mindestens 15 Bewohner nachweislich an dem Virus gestorben waren.
  • vonTina Blum
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Es waren schwierige Wochen für die Bewohner und das Team des Seniorenheims Priental in Aschau. Hohe Infektionszahlen und zahlreiche Todesfälle sorgten für Aufsehen. Jetzt haben die Mitarbeiter und Bewohner der Einrichtung Grund zum Aufatmen.

Aschau – Die explosionsartige Ausbreitung des Covid-19-Virus ab Ende März hatte gravierende Folgen für Bewohner, Mitarbeiter und die Einrichtung. Ein Rückblick: Mindestens 15 Bewohner waren nachweislich im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben,in einem Schreiben von Mitarbeitern, die anonym bleiben wollten, wurden schwere Vorwürfe gegen den Einrichtungsleiter Wolfgang Rohrmüllerund das Krisenmanagement erhoben. Dreiviertel der Mitarbeiter war zwischenzeitlich ausgefallen. Und durch die lange Zeit, in der niemand neu einziehen konnte, sind derzeit nur etwa zwei Drittel der Plätze belegt. Wie das Virus in das Haus gelangte, bleibt laut Einrichtungsleiters Wolfgang Rohrmüller unklar.

Seit Ende Mai sind alle Tests negativ

Besonders glücklich sei man daher, dass im Seniorenheim seit Mitte Mai keine Neuinfektionen registriert worden sind – weder bei den Bewohnern noch beim Personal. „Seit Ende Mai haben alle ein negatives Testergebnis“, sagt Rohrmüller. Die Einzugs- und Besuchsbeschränkungen sind inzwischen aufgehoben worden.

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Solange der Virus aber nicht besiegt ist, müsse weiterhin vorsichtig agiert werden, so der Einrichtungsleiter. Bis auf Weiteres bleiben die erhöhten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen deshalb bestehen. Positiv zu vermerken sei, dassSchutzmaterial mittlerweile wieder in ausreichender Zahl erhältlich ist – „wenn auch meist 30 Mal so teuer wie vor der Krise“.

Kontaktverbot hat vor allem Demenz-Kranke belastet

Auch die Folgen der Kontaktsperre, der Zimmer-Quarantäne für die Senioren und des Betretungsverbots, das vonseiten der bayrischen Staatsregierung für alle Einrichtungen der stationären Altenpflege ausgesprochen wurde, seien für alle deutlich spürbar gewesen. „Dies hatte gerade bei den demenziell Erkrankten gravierende gesundheitliche Auswirkungen, die bis hin zur kompletten Verweigerung von Nahrung und Flüssigkeit reichten“, berichtet Rohrmüller.

Auch abgesehen von Corona sei deswegen die Sterblichkeit deutlich höher als in vergleichbaren Vorjahreszeiträumen. „Wir haben in jedem Einzelfall versucht, einen würdigen Abschied zu ermöglichen“, so Rohrmüller. Den verstorbenen Bewohnern stünden laut Rohrmüller aber eine ganze Reihe von Bewohnern gegenüber, die trotz hohen Alters und diversen Vorerkrankungen die Infektion gut überstanden hätten. Die Krankheitsverläufe seien dabei sehr unterschiedlich gewesen: vom symptomfreien Verlauf bis hin zur Beatmung auf der Intensivstation.

75 Prozent des Pflegepersonals war ausgefallen

Eine besondere Belastung entstand durch den Ausfall des Personals. „Am stärksten betroffen waren die pflegenden Mitarbeiter“, sagt Rohrmüller. Am schlimmsten Tag seien rund 75 Prozent des Pflegepersonals nicht einsetzbar gewesen. Dazu gehörten nicht nur die positiv getesteten Mitarbeiter, sondern auch diejenigen mit unklaren Symptomen und jene mit einer im Haushalt lebenden Risikoperson. Die negativen Schlagzeilen hatten den Mitarbeitern laut Rohrmüller ebenfalls zugesetzt. „Wir hatten aber andere Probleme als die Berichterstattung und haben unsere Aufmerksamkeit auf das Tagesgeschäft gerichtet“, sagt er.

Neben den psychisch-emotionalen Folgen der Pandemie sein auch die wirtschaftlichen Auswirkungen gravierend. Über Wochen hinweg habe es einen erhöhten Personaleinsatz zu stemmen gegeben – und das bei gleichzeitig sinkenden Erlösen. „Dies wird wohl auch in der Bilanz tiefe Spuren hinterlassen“, sagt Rohrmüller.

9. Juli trifft sich der Aufsichtsrat

Am 9. Juli tritt der Aufsichtsrat zusammen. „Mit Ende des Monats Juni wird dann der Quartalsbericht erstellt“, sagt Bürgermeister Simon Frank (Zukunft für Aschau). Erst dann könne man die wirtschaftlichen Folgen konkret beziffern. In diesem Zusammenhang wolle man auch die weiteren Schritte in Sachen Krisenmanagement erarbeiten. Die Gemeinde ist Anteilseigner der Seniorenheim Priental gGmbH und hatte laut Frank Überbrückungszahlungen beim GKV, dem Spitzenverband der Kranken- und Pflegekassen, beantragt, um kurzfristig finanzielle Hilfe zu bekommen.

Heimleiter ist zuversichtlich

Seniorenheim-Leiter Rohrmüller zeigt sich zuversichtlich, dass mit der Rückendeckung vonseiten der Gemeinde auch diese Folgen dauerhaft überstanden werden können. Voller Lob ist er für die große Unterstützung, die das Haus in Krisenzeiten bekommen hat: vom Abstellen von Mitarbeitern bis zur Beschaffung von Helfern aus dem Pflegepool des Landkreises bis hin zur Belieferung mit Schutzkleidung. Über mehrere Wochen hinweg seien Sanitätshäuser und Zwischenhändler komplett ausverkauft gewesen, ohne das THW hätte das Seniorenheim Priental nicht einmal die einfachen OP-Masken bekommen.

Unterstützung und Beratung habe es auch zu jeder Zeit vom Gesundheitsamt des Landkreises gegeben. „Den Personalausfall zu kompensieren, die ausgefallenen Mitarbeiter zu ersetzen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten, wäre ohne das Landratsamt und die Gemeinde Aschau nicht möglich gewesen“, sagt Wolfgang Rohrmüller.

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