Bewegender Abschied von Paul Anner

Eine große Schar von Trauernden gab in Halfing Altbürgermeister Paul Anner das letzte Geleit. Fotos Ammelburger
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Eine große Schar von Trauernden gab in Halfing Altbürgermeister Paul Anner das letzte Geleit. Fotos Ammelburger

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist am Donnerstag in Halfing Altbürgermeister Paul Anner beigesetzt worden. Anner, von 1994 bis 2008 Chef im Halfinger Rathaus, war am 28. September nach schwerer Krankheit verstorben.

Halfing - Das Requiem in der vollbesetzten Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zelebrierten Pater Adam, Pater Christoph und Pater Adalbert. Zur Trauergemeinde zählte neben der Familie, Verwandten, Freunden und vielen Bürgern auch reichlich kommunalpolitische Prominenz, darunter Landrat Wolfgang Berthaler und Altlandrat Dr. Max Gimple. Die Halfinger Ortsvereine waren mit ihren Fahnenabordnungen und Vorständen vertreten.

Paul Anner wurde 1948 mit Zwillingsbruder Seppi in Prien als siebtes von acht Kindern geboren. Mit 14 fing er als Jungwerker bei der Bundesbahn eine Ausbildung an. Nach Abschluss der Lehre begann er seine Laufbahn als Bundesbahnassistent bei der Fahrkartenausgabe am Rosenheimer Bahnhof.

Schon früh hatte er seine Frau Grete aus Halfing beim Tanzen kennengelernt. Das Paar heiratete im Sommer 1969 in Prien und bekam zwei Söhne und eine Tochter. 1973 zog die Familie ins neu gebaute Eigenheim nach Halfing. Mit dem Eintritt in den Veteranen- und Schützenverein begann sein Wirken im Halfinger Dorfleben.

Beruflich wechselte Anner 1977 zur Sozialverwaltung Süd. Um die Inspektorenlaufbahn einschlagen zu können, holte er die Fachhochschulreife nach, die er 1981 mit lauter Einsern abschloss. Es folgte eine dreijährige Fachhochschulausbildung in Köln und Mainz. Seine weiteren beruflichen Stationen: Fahrdienstleiter am Endorfer Bahnhof, Büro und Kommunikationsleiter in der Bundesbahndirektion München.

1989 wechselte er zurück zur Sozialverwaltung Süd nach Rosenheim. Dort blieb er bis zum Ende seiner Laufbahn als Regierungsamtsrat. In den 90er-Jahren begann Anner, sich auch politisch zu engagieren. 1994 - nach Rücktritt des damaligen Bürgermeisters - wurde Paul Anner als CSU-Kandidat neuer Bürgermeister. 2008 ging er in den Ruhestand und kaufte sich ein Wohnmobil, um mit seiner Frau auf Reisen zu gehen. Weihnachten 2012 bekam er schließlich die vernichtende Diagnose: ALS.

In bewegten Ansprachen zollten am offenen Grab Halfings Bürgermeister Peter Böck, Landrat Berthaler, Amerangs Bürgermeister August Voit, der stellvertretende Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Halfing- Höslwang-Schonstett, Schonstetts Bürgermeister Josef Fink, und der Vorstandsvorsitzende der Raiffeisenbank Griesstätt-Halfing Ulrich Maier, ihren Dank.

Bürgermeister Böck verabschiedete sich von seinem Freund, Förderer und Mentor: "Paul Anner war ein außergewöhnlicher Mensch, der mit viel Herzblut für die Gemeinde Halfing und das Gemeinwohl Herausragendes geleistet und unser Dorf als Bürgermeister nachhaltig geprägt hat." Die Kommune habe sich unter seiner Führung enorm entwickelt. Als herausragende Projekte hob Böck die Entwicklung des Baugebietes östlich der Chiemseestraße, die Erschließung des Gewerbegebietes am Graben, den Ausbau des Hauses für Kinder, den Neubau des Feuerwehrhauses und die Sanierung des Rathauses hervor. "Neben vorausschauender Politik war aber die herausragendste Eigenschaft von Paul Anner seine Menschlichkeit", so Böck. Er habe es in schwierigen Zeiten geschafft, dass sich zerstrittene Gruppierungen wieder vertrugen, habe den Zusammenhalt unter den Vereinen gestärkt und den Frieden im Dorf wieder hergestellt. Aufgrund seines Engagements war Anner mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden.

Landrat Wolfgang Berthaler war zeitgleich zwölf Jahre mit Anner Bürgermeister: "Ich lernte ihn als kompetenten und angenehmen Gesprächspartner kennen, der die schwierige und anstrengende Doppelbelastung - Beruf und Bürgermeisteramt - herausragend meisterte. Wenn Anner von einer Sache überzeugt war, habe er er sich mit großer Überzeugungskraft dafür eingesetzt.

Auch die Ortsvereine trauern um Anner, der sich in vielen Vereinen einbrachte. Stellvertretend für alle Ortsvereine sprach Georg Reif Worte des Dankes und des Abschiedes: "Er hat uns unermüdlich vorgelebt, wie wichtig es ist, dass man im Verein zusammenhält." Die Vereine verabschiedeten sich mit den Ehrenböllern und dem "Guten Kameraden".

Die Trauerfeier wurde musikalisch vom Männerchor Halfing, dem Bürgermeister-Chor, der Halfinger Blasmusik und dem Bläserkreis Halfing gestaltet. Statt Kränzen und Blumen hatte sich Anner Geldspenden zur Unterstützung der Rosenheimer Aktion für das Leben gewünscht.

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