Baggern auf dem Berg: Bau des neuen Wasserleitungssystems am Staffelstein kommt gut voran

Bei schönem Wetter ein wunderbarer Arbeitsplatz. rehberg

Die Gemeinde Aschau will künftig das Abwasser von allen Berggaststätten und Almen im Kampenwandgebiet sammeln und im Tal in die bestehende Kanalisation einleiten. Dafür wird am Staffelstein seit ein paar Monaten fleißig gebaut. Etwa ein Drittel der Arbeiten ist inzwischen erledigt.

Aschau – Wo im Sommer auf der Nordseite der Kampenwand im Gebiet der Almen und Hütten von Staffelstein die Bergwanderer, Mountainbiker und Almkühe und im Winter die Skifahrer und Tourengeher unterwegs sind, tummeln sich derzeit schwere Bagger und Lastwagen. Tonnenschwere Felsbrocken, Gestein und Geschiebe werden gebrochen und ins Tal gefahren oder an speziellen Punkten in die Landschaft eingebaut. Andere Lastwagen bringen Nachschub an Leitungsmaterial unmittelbar an die Baustelle: Kabeltrommeln, Wasserleitungsschläuche und endlose Mengen an Abwasserrohren.

Der Bau der Ver- und Entsorgungsleitungen im Bereich der Kampenwand kommt seit Mai gut voran. Jede Woche treffen sich die Verantwortlichen der Gemeinde Aschau, des Architekturbüros und der ausführenden Baufirma zur Baubesprechung auf der Baustelle unterhalb des Kampenwandgipfels. Nach dem ersten Spatenstich im Mai in Fuchslug am südlichen Ortsrand von Aschau sind die Arbeiten entlang der Forststraße Richtung Steinling Alm und Sonnenalm gut vorangekommen.

Felsiger Boden kein großes Problem

„Wir haben in den vergangenen Monaten über ein Drittel der vorgesehenen Arbeiten erledigt und sind absolut im Zeitplan“, so Planer Johannes Höglauer vom Planungsbüro Dippold und Gerold. Bauleiter Georg Schwab von der Firma LKS aus Berchtesgaden: „Der felsige Boden stellt kein so großes Hindernis dar, wie wir es zunächst befürchtet haben. Wir bauen, solange es das Wetter zulässt. Erst wenn der Schnee an der Baustelle und den Zufahrtsstraßen zu hoch liegt, müssen wir mit der Arbeit aufhören“.

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Polier Andreas Planitscher ergänzt, dass die Berchtesgadener Firma große Erfahrung beim Bau solcher Versorgungen habe. „Wir hatten bisher nur an wenigen Stellen ernsthaftere Probleme mit dem Untergrund und konnten den Graben mit 1,70 Meter Tiefe überall durchziehen. Ein paar Mal mussten wir mit dem Bohrmeißel ins Gestein gehen, der ‚Specht‘ hat uns den Weg geebnet. An einer Stelle ging es aber auch mit dem Bagger und dem Meißel nicht mehr weiter, da mussten wir im Hohlweg auch einmal sprengen. Aber das stellt die absolute Ausnahme dar“.

Alle wiesen darauf hin, dass die Bauarbeiten meist unmittelbar neben der Straße stattfinden und die Straße von den Materiallastwagen genutzt werden. „Die Mountainbiker auf dem Weg zur Kampenwand und vor allem auf ihrem Weg zurück müssen schon die Augen offen halten und die Geschwindigkeit anpassen, um nicht in die Baustelle oder einen der Lastwagen zu brettern“.

Mehr zum Thema: Schluss mit Kleinkläranlagen am Berg

Wassermeister Peter Graf und Bauhofleiter Rudi Angermaier von der Gemeinde Aschau brachten die Anregungen der Gemeinde mit zur Besprechung auf die Gorialm. Hier waren vor allem die Möglichkeiten im Gelände für die Hausanschlüsse und die Lage der Absperrschieber interessant. Die theoretischen Vorstellungen des Planungsbüros Dippold und Gerold und die Voraussetzungen im Gelände auf dem Berg müssen praktisch in Einklang gebracht werden. „Wir bauen die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung nach den gleichen Regeln wie im Flachland, lediglich das Gelände ist etwas anders und die Orte der Anschlüsse sind etwas weiter auseinander als unten im Dorf“.

Langer Graben in1,70 Meter Tiefe

Schwab zeigte auf der Baustelle bei der Gorialm, wie der Grabenbau und die Verlegung der Versorgungsleitungen funktioniert: „Es ist ganz einfach: Man braucht nur einen durchgängigen, 1,70 Meter tiefen Graben, den macht uns der Bagger. In diesem Graben ist ein viereckiger Kasten, durch den die Leitungen geführt werden und der mit Split und Kies gefüllt ist. Auf der Bergseite wird der Kasten nach oben gezogen und auf der Talseite sind alle Leitungen verlegt, der Graben ist mit Split überfüllt und alle Leitungen liegen im richtigen Abstand zueinander. Sollte dieser Graben irgendwann einmal wieder geöffnet werden müssen, weiß man ohne langwierige Suche genau, wo die einzelnen Leitungen liegen“. Der Verlauf des Grabens unmittelbar hinter Fuchslug ist im Sommer bereits zugewachsen und begrünt. Wenn alles fertig sein wird, ist der Grabenverlauf für den Bergwanderer nicht mehr erkennbar, lediglich die Wartungs- und Prüfschächte entlang der Straße erinnern später noch an den Bau.

Die Gemeinde Aschau will künftig das Abwasser von allen Berggaststätten und Almen im Kampenwandgebiet sammeln und im Tal in die bestehende Kanalisation einleiten. Bisher wurde das Schmutzwasser in Kleinkläranlagen nach dem Dreikammernsystem gesammelt, das gereinigte Wasser versickerte unkontrolliert auf dem Berg und kam irgendwo im Tal wieder zum Vorschein. Zugleich wird das gesamte Gebiet an die gemeindliche Wasserversorgung angeschlossen. Damit werden künftig die saisonalen Schwankungen der almerischen Wasserversorgung entfallen und die bestehenden Quellen ausschließlich für die Versorgung des Viehs zur Verfügung stehen.

Neue Netzanbindung

Das Bayernwerk nutzt die notwendigen Erdarbeiten für Abwasser und Wasser, um durch eine neue Netzanbindung zeitgleich eine moderne Energie- und Stromversorgung zu gewährleisten. Bislang werden die Almen eigenverantwortlich und dezentral mit Strom versorgt, diese Dieselgeneratoren werden künftig wegfallen. Schließlich wird im offenen Baugraben noch ein Leerrohr für eine künftige Ausstattung der Almen und Berggaststätten mit einem Glasfaserkabel verlegt.

5,3 Kilometer Abwasserrohre müssen verlegt werden, dazu 7,3 Kilometer Wasserleitung. Das Bayernwerk steuert ein vier Kilometer langes, neues 20-Kilowatt-Kabelsystem bei. Drei Hochbehälter und mehrere Pumpstationen sorgen für die Trinkwasserversorgung, das Abwasser kommt weitgehend ohne mechanische Hilfen zu Tal ins bestehende Kanalsystem.

Freistaat übernimmt Großteil der Kosten

Bei dieser Baumaßnahme kommt das Berghüttenförderprogramm des Freistaates zum Einsatz: Von den veranschlagten Kosten von 4,3 Millionen Euro übernimmt der Freistaat mit 2,9 Millionen Euro rund 75 Prozent. Der verbleibende Rest wird zwischen der Gemeinde Aschau und den Nutzern aufgeteilt.

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