Zwischen Rimsting und Natzing: Anrainer fordert Entschärfung der Unfallstrecke RO 10

Hans Fritz fordert, dass die Unfallstrecke RO 10 bei Rimsting endlich entschärft wird.
+
Hans Fritz fordert, dass die Unfallstrecke RO 10 bei Rimsting endlich entschärft wird.
  • Marina Birkhof
    vonMarina Birkhof
    schließen

Die Fahrbahn ist keine zwei Meter weg vom Langbürgner See, die Strecke kurvenreich: Die Kreisstraße RO 10 zwischen Natzing und Rimsting ist immer wieder Schauplatz schwerer Unfälle. Anrainer Hans Fritz ist seit Jahren Zeuge von schlimmen Schicksalen – und fordert ein Ende.

Rimsting – „Wahnsinn, wie die hier fahren. Hier gilt keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Hier geht’s mit 100 Sachen entlang“, erklärt Hans Fritz aus dem kleinen Weiler Stetten mit einem Blick auf den nächsten anbrausenden Laster. Auch wenn hier 100 Kilometer pro Stunde erlaubt seien, heiße es noch lange nicht, dass man auf dieser Strecke so schnell fahren könne, meint er.

Anwohner erleben Unfälle hautnah mit

Wohin die überhöhten Geschwindigkeiten führen können, wird an den beiden schweren Unfällen im August und September deutlich. Mitte September krachten ein Bus und ein Lastwagen ineinander. „Es ist schrecklich, zu hören, wenn wieder der Rettungshubschrauber angefordert werden muss. Wir bekommen das ja hautnah mit“, sagt der 44-Jährige.

Lesen Sie auch:

Schwerer Unfall am Langbürgner See: Schulbus prallt gegen Lastwagen

Hans Fritz wohnt direkt neben der Straße auf dem „Simmernhof“. Der Witwer erzieht seine Töchter Florentine (9) und Josefine (11) seit dem Krebstod seiner Frau vor eineinhalb Jahren alleine. Mit seinen Kühen muss er regelmäßig die RO10 passieren, um die Weideflächen zu wechseln.

Bürgerinitiative mühte sich schon vor 35 Jahren

Seit Jahren weist der 44-Jährige auf die Gefahren der Strecke hin, unter der auch die Kinder leiden. Sie dürften alleine nicht baden gehen oder Radl fahren. Ein Radweg wäre ein Anfang, ideal natürlich eine Verlegung der RO 10 auf die Staatstraße 2093 in Richtung Breitbrunn, sodass die Kreisstraße nur mehr für Badende, Waldarbeiter und Anwohner diene. Diese Idee hatte eine Bürgerinitiative schon vor 35 Jahren – passiert ist bis heute nichts.

Am meisten ärgert Fritz, dass auf der Staatsstraße 2095 bei Hemhof/Hartmannsberg eine 70er-Zone besteht. „Warum geht das auf der gegenüberliegenden Seite des Sees bei uns nicht? Es ist ein und dasselbe Naturschutzgebiet“, fragt sich Fritz.

Zwei schwere Unfälle in jüngster Vergangenheit

Das Landratsamt Rosenheim, in dessen Zuständigkeitsbereich die Straße fällt, verspricht tätig zu werden, betont aber: Von 2018 bis 2020 habe es insgesamt zehn Unfälle gegeben, die beiden jüngsten noch nicht eingerechnet. Bei vier seien Alkohol oder Drogen am Steuer im Spiel gewesen. Einmal sei ein Schaden beim Parken entstanden und in einem Fall sei ein Autospiegel gestreift worden. Zweimal seien Fahrzeuge wegen nasser Fahrbahn ins Schleudern gekommen. In einem Fall sei überhöhte Geschwindigkeit als Unfallursache registriert.

Aufgrund der beiden schweren Unfälle in der jüngsten Vergangenheit werde man diesen Bereich der RO 10 gemeinsam mit der Polizei im Rahmen einer Verkehrsschau in Augenschein nehmen. „Was ein mögliches Lkw-Fahrverbot betrifft, sollte im Auge behalten werden, dass es sich bei der RO 10 um eine übergeordnete Straße handelt. Eine Umleitung würde dazu führen, dass der Lkw-Verkehr über untergeordnete Straßen großräumig umgeleitet und damit auch durch Kurorte fließen würde“, weiß Pressesprecherin Ina Krug.

Neuer Vorstoß beim Landratsamt zur RO 10

2018 habe es laut Krug einen Antrag gegeben, die Geschwindigkeit in diesem Bereich auf 60 Kilometer pro Stunde zu begrenzen. Der Antrag wurde unter Beteiligung der Polizei geprüft. Geschwindigkeitsmessungen hätten gezeigt, dass 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer im Schnitt 67 Kilometer pro Stunde oder langsamer fuhren. „Dies bestätigte, dass die Verkehrsteilnehmer aufmerksam sind und von sich aus ihre Fahrgeschwindigkeit an die gegebenen Verhältnisse anpassen“, erläutert die Pressesprecherin.

Auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden äußern ihre Sorgen und sprechen sich für eine künftige Zusammenarbeit aus. Forderungen nach Geschwindigkeitsbegrenzungen seien laut Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl bislang immer gescheitert. Er mahnt: „Wir werden aufgrund der Unfallhäufigkeit gemeinsam mit Breitbrunn einen neuen Vorstoß beim Landratsamt starten, die Strecke zu entschärfen. Da bin ich mir mit meinem Kollegen Baumgartner einig und das wird auch ein Thema in der nächsten Gemeinderatssitzung sein. Seit Langem wünschen wir uns, dass dort ein Radweg entsteht und in den Zusammenhang ein Ausbau der Strecke erfolgt, damit sie sicherer wird.“

Gemeinden schließen sich zusammen

Bürgermeister Anton Baumgartner aus der Nachbargemeinde Breitbrunn bläst ins selbe Horn: „Die Strecke sicherer zu machen beschäftigt uns schon seit Längerem. Vor etwa fünf Jahren hatten wir in Landrat Wolfgang Berthaler einen Unterstützer gefunden, um entlang des Streckenverlaufs einen Radweg zu realisieren.“ Nach dessen Unfall sei aber in dieser Sache nichts mehr weitergegangen.

Bislang sei die Situation offenbar von den Behörden nicht als so gefährlich eingestuft worden. Auch er wolle das Thema in die nächste Gemeinderatssitzung aufnehmen und mit der Nachbargemeinde Rimsting zusammenarbeiten.

Aussagen, die Hans Fritz nicht zum ersten Mal hört. Er und auch die anderen Anwohner aus Stetten hoffen, dass sich die Lage möglichst bald verbessert – damit die Kinder unbesorgt radeln und baden können.

Einschätzung der Polizei

Wolfgang Schlemer, Oberkommissar der Polizei Prien, stuft den Streckenverlauf der RO 10 in Hinblick auf die jüngsten Unfälle durchaus als „gefährlich für Verkehrsteilnehmer“ ein und appelliert an die Autofahrer, ihre Fahrweise den Straßenverhältnissen dort anzupassen: „Immer wieder ist der Kurvenverlauf Ursache für zum Teil auch schwere Unfälle, weil zu schnell gefahren wird.“

Kommentare