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Münchner Pfarrer liest in Rosenheim

Pfarrer Schießler: „Weihnachtsstress kenne ich nicht mehr“

Pfarrer Rainer Maria Schießler liest „die Heilige Nacht“ im KU‘Ko
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Pfarrer Rainer Maria Schießler liest Ludwig Thomas „die Heilige Nacht“ im KU‘KO
  • Jennifer Beuerlein
    VonJennifer Beuerlein
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Pfarrer Rainer Maria Schießler spricht im Interview über seine zweite Heimat Rosenheim, Christkindlmärkte, Konsum und nicht zuletzt worauf es an Weihnachten wirklich ankommt - da kommt die Beschäftigung mit Ludwig Thomas „Heiliger Nacht“ anlässlich einer Lesung im KuKo gerade recht.

Vor 30 Jahren waren Sie Kaplan in Rosenheim. Wie ist es für Sie wieder zurück zu kommen?

Pfarrer Rainer Maria Schießler: Rosenheim ist meine zweite Heimat. Immer wenn ich nach Rosenheim komme, aus welchem Anlass auch immer, ist für mich, wie in die Heimat zu kommen.

Und wenn sie schon mal da sind, werden Sie auch den Rosenheimer Christkindlmarkt besuchen?

Schießler: Da gehe ich natürlich durch! Ich komme nie schadlos an einem Glühweinstand vorbei. Ich bin selbst nicht der größte Christkindlmarkt-Besucher, aber es gehört einfach dazu. Sich alles anzuschauen und auch eine feine Bratwurst zu essen.

Neben dem Glühweinstand und der Würstchenbude, haben Sie einen Stand, der für Sie unabdingbar zum Christkindlmarkt gehört?

Schießler: Nein! Ich bin nur froh, wenn ich auf einem Christkindlmarkt und nicht auf einem Wintermarkt bin. Ich war vor kurzem auf einer Lesetour in Norddeutschland und da gibt es die Wintermärkte. Das ist für mich einfach kein richtiger Christkindlmarkt, sondern ein Vergnügungspark, eben mitten im Winter halt.

Ganz im Allgemeinen, was bedeutet der Christkindlmarkt für Sie?

Schießler: Der Christkindlmarkt ist eine Vorbereitung auf Weihnachten. Früher waren die Marktleute unterwegs und haben den Menschen vor Ort die Dinge angeboten, die sie brauchen, um Weihnachten feiern zu können. Denn früher war man noch nicht so mobil, um sie selber woanders zu besorgen. Das kann man heute noch auf dem Christkindlmarkt spüren und entdecken. Es ist schön, wenn man auf einem Markt diesen Glitzer und Glamour spüren darf. Was wir feiern, ist die Geburt Gottes und da müssen wir alle Register ziehen.

Was ist für Sie das Besondere an Weihnachten?

Schießler: Die Grundlage meines Lebens und Glaubens. Die Tatsache, Gott an meiner Seite zu wissen, nimmt mir jede Angst. Weihnachten macht mir meine Herkunft klar. Denn ich komme von dem, der alles ist, was mein Leben ausmacht. Er tritt ein in mein kleines, menschliches und schwaches Dasein. Weihnachten gibt mir zudem die Sicherheit, da tritt jemand an meine Seite, der niemals wieder von mir weichen wird. Darum bin ich gerüstet, um mich allen Herausforderungen meines Lebens stellen zu können.

Und wie verbringen Sie als Pfarrer die Weihnachtstage?

Schießler: Nicht nur an Weihnachten, auch sonst im ganzen Jahr sind wir als Seelsorger rund um die Uhr erreichbar. In den 35 Jahren, in denen ich diesen Beruf nun schon ausüben darf, habe ich natürlich auch gelernt, mich einzuteilen. Zum Beispiel fange ich jetzt schon sehr früh an mit den Vorbereitungen für eine gute Weihnachtsbotschaft. Am Heiligen Abend feiern wir mittags, nachmittags und in der Nacht Christmetten, damit sich die Menschen verteilen können. Wenn da eine Kernbotschaft da ist, die ich gerne weitersagen möchten, dann kann ich auch völlig entspannt rangehen. Weihnachtsstress kenne ich nicht mehr.

Sie sind also von morgens bis abends am arbeiten. Haben Sie auch einen Moment, wo sie mal zur Ruhe kommen können?

Schießler: An Heilig Abend habe ich immer meine zwei Stunden für mich selbst. Das ist mein persönliches In-sich-gehen. Und überhaupt empfinde ich es nicht als Arbeit, was ich da als Priester tun darf. Es ist ein Geschenk, den Gottesdienst zu halten und Hoffnung weitergeben zu können. Das Weihnachtsfest bedeutet ganz besonders, dass man Begegnungen erlebt, geht es doch vor allem um die Begegnung zwischen Gott und dem Menschen, die wir so „nachspielen“.

Sie sind an Weihnachten sehr beschäftigt. Gibt es dennoch eine Tradition, auf die Sie an diesem Tag nicht verzichten wollen?

Schießler: In den zwei Stunden, die ich mir für mich nehme an Heiligabend, rufe ich die Menschen an, die in jüngster Zeit einen Verlust erlebt haben. Das habe ich in meiner Zeit als Kaplan in Rosenheim, 1987 bis 1991, angefangen. Es sind Menschen, wo vielleicht der Partner gestorben ist, die Beziehung auseinander gegangen ist oder die ihr geliebtes Haustier verloren haben. Diese Menschen gebe ich zu verstehen, dass ich mit den Gedanken bei ihnen bin und sie nicht alleine sind.

Tun Sie das, weil die Menschen an Weihnachten rührselig werden?

Schießler: Nein, weil wir genau das tun müssen, was das Weihnachtsevangelium beschreibt. Die Menschenfreundlichkeit Gottes wird greifbar. Aber das geht nur durch uns Menschen. Für mich ist das immer mein persönlicher Höhepunkt an Weihnachten, wenn die Menschen spüren, dass ihnen ganz nahe ist und an sie denkt. Darum schreiben wir uns ja auch Weihnachtspost, so einfach ist das.

Viele Menschen denken mit Hilfe von Geschenken aneinander.

Schießler: Das ist ein ganz wichtiges Thema, denn es darf weder nur noch um Äußerliches, Geschenke und Glühwein gehen, noch soll das einfach fehlen. Aber das Fest wird nicht mehr wahrgenommen, wenn es blutleer wird und der Inhalt wegbricht, wenn nur noch die äußere Fassade bleibt.

Und wie stehen Sie zu dem Konsum an Weihnachten?

Schießler: Ich bin der Meinung, dass beides zusammen geht: Wir feiern die Geburt Christi, also das Erscheinen der Güte und der Menschenfreundlichkeit Gottes in unserer Welt. Das ist unsere Botschaft, die wir hinaustragen dürfen. Alles drumherum, ist nicht getrennt davon, denn es ist aus dieser Botschaft heraus entstanden. 

Aber wir müssen ja alle sparen dieses Jahr - vor allem bei den Energiekosten. Auch bei Ihnen?

Schießler: Wir haben keine Heizung in der Kirche. Die Leute bringen ihre eigenen Decken mit oder wir stellen ihnen welche. In der Kirche gibt es auch einen Glühweinstand. Nach der Messe können sich die Menschen am Glühwein aufwärmen und sich dabei gleich noch mit den anderen Gläubigen treffen.

Gibt es noch weitere Maßnahmen, die Sie ergreifen?

Schießler: Wir bauen außerdem mit den Jugendlichen einen Holzchristbaum, aber dieses Jahr ohne elektrischem Licht. Generell werden wir in diesem Jahr massiv einsparen an Energie- und Verbrauchskosten. Wenn das wegen der steigenden Kosten für uns alle gilt, dann müssen wir auch als Kirchen da kreativ sein und mitmachen!

Sie lesen die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma, wieso haben Sie diese Geschichte gewählt?

Schießler: Ich wurde gefragt! Davor habe ich sie noch nie gelesen, aber ich übe schon sehr fleißig! Und ich sags wie es ist: es ist schon schwer und der Vortrag hat es in sich.

Aber Ihr Bairisch ist doch hervorragend. Müssen Sie dennoch viel üben?

Schießler: Ich hatte gute Eltern, die mich zweisprachig erzogen haben, hochdeutsch und bairisch. Aber Bairisch zu lesen, da musst du dich schon anstrengen und hoch konzentriert sein. Aber ich traue es mir zu, bin doch vor ein paar Jahren selber ein bayerisch-sprechender Preisträger geworden. In Straubing während des Gäubodenfestes erhielt ich die “Bairische Sprachwurzel”. In der Begründung, ich sei ein „dialektaler Menschenfischer“, cool, oder?

Was kann der Zuhörer aus dieser Geschichte lernen?

Schießler: Die letzten vier Sätze der „Heiligen Nacht“ sind der Schlüssel für diese Frage. Es geht um die Armut der Welt. Diejenigen, die nichts mehr haben, können auch annehmen.

„Und fragt’s enk, ob dös nix bedeut’, / Dass’s Christkind bloß Arme g’sehg’n hamm.“. Von was für einer Armut wird hier gesprochen?

Schießler: In der Herberge der Welt war kein Platz für Gott, dennoch ist Gott in unser Leben hereingebrochen und die Armen haben ihn aufgenommen. So wurde die Armut umgekehrt und überwunden. Sie haben ihn angenommen und wurden dadurch reich gemacht. Wir müssen also in dieser Welt Platz für den Herrn Gott schaffen und dann werden wir wieder merken, wie reich wir eigentlich sind.

Sehen Sie dort auch einen Bezug zum Krieg in der Ukraine?

Schießler: Ich selbst habe zwei Familien bei mir aufgenommen. Ich habe selten so eine Hilfsbereitschaft erlebt, wie wir jetzt in unserem Land für die Menschen aufbringen, die aus der Ukraine zu uns gekommen sind. Wir können stolz aufeinander sein, was wir alles zusammen stemmen und bewältigen. Mich freut es einfach nur, wenn sich die Menschen füreinander einsetzen. In diesem Moment wird‘s so richtig Weihnachten.

Nun zu einem aktuellen Thema, weit weg von Weihnachten: Wie stehen Sie zur WM in Katar?

Schießler: Welche WM? (lacht). Nein, jetzt ernsthaft: 12 Jahre hätten wir Zeit gehabt, uns zu entscheiden, ob und vor allem, wenn ja, wie wir daran teilnehmen. Mir war klar, dass diese WM völlig an mir vorbei geht, weil ich das einfach auch nicht arbeitstechnisch schauen könnte. Und übrigens: Das wichtigste kommt ja sowieso nach dem WM Endspiel, nämlich die Geburt Jesu. Das ist mir viel wichtiger als ein Goldpokal.

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