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IM TEDDYBÄR-KRANKENHAUS

Perspektivenwechsel nimmt Angst

Schwierige Operation an einem Schneemann aus Plüsch im Teddybär-Krankenhaus. Medizinstudent Nico Hanny und sein Team wollen Kindern die Angst vor Arztbesuchen oder Krankenhausaufenthalten nehmen. Schlecker
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Schwierige Operation an einem Schneemann aus Plüsch im Teddybär-Krankenhaus. Medizinstudent Nico Hanny und sein Team wollen Kindern die Angst vor Arztbesuchen oder Krankenhausaufenthalten nehmen. Schlecker

Rosenheim – Teddybär Benno ist die Treppe hinuntergekugelt.

Nach dem Sturz plagten ihn schlimme Kopfschmerzen. Behandelt wurde er im Teddybär-Krankenhaus. Das macht noch am heutigen Donnerstag Station im Vereinsheim des Eisenbahnersportvereins (ESV) Rosenheim und soll Kindern die Angst vor dem Arztbesuch oder einem Krankenhausaufenthalt nehmen. Für drei Tage wurde der Saal in dem Gebäude zum Teddybär-Krankenhaus umfunktioniert. Die Vormittage sind den Besuchen der Kindergärten vorbehalten. Am Nachmittag kann jedes Kind von 13.30 bis 16 Uhr kommen, welches sein krankes Plüschtier oder seine Puppe behandeln lassen will.

Teddybär Bruno wurde nach einer ausführlichen Anamnese mittels eines Tageslichtprojektors geröntgt. Zum Glück hat sich das große Plüschtier bei seinem morgendlichen Sturz keine Kopfverletzung zugezogen, dafür aber laut Röntgenaufnahme einen Armbruch. „Das hätte ich nicht gedacht“, staunte Bärenbesitzer Bastian. Sofort zog der fünfjährige Bub mit dem plüschigen Patienten weiter zur Verbandstation. Dort bekam er zum Schluss noch ein Rezept überreicht, das er in der Apotheke einlösen konnte. Die Medizin für den Bären bestand aus Müsli und Apfel. „Das esse ich jetzt aber alles selber auf. Benno geht es eh schon wieder super“, meinte Bastian und verließ gutgelaunt mit seinem Bären unter dem Arm das Teddybär-Krankenhaus.

Kind und Puppe im Operationssaal

Die fünfjährige Elisa brachte Puppe Lisa mit. „Die hat eine Schere gegessen“, berichtete das kleine Mädchen aufgeregt. Gut, dass Dr. ted. Magdalena Haslinger wusste, was in so einem Fall zu tun ist. Die Medizinstudentin führte Kind und Puppe in den Operationssaal. Elisa wurde mit Kittel und Mundschutz ausgestattet und durfte dann die Operation selbst durchführen.

Ursprünglich stammt die Idee für das Teddybär-Krankenhaus aus Skandinavien. Durch den Perspektivenwechsel vom Patienten zum behandelnden Arzt sollen die Kinder verschiedene medizinische Instrumente und Abläufe kennenlernen – ähnlich wie bei einem echten Arzt- oder Krankenhausbesuch.

In Deutschland gab es dieses Angebot bis jetzt nur in Städten mit Universitätskliniken, beispielsweise in Erlangen. Dort studiert derzeit auch der Rosenheimer Nico Hanny. Der 26-Jährige könnte sich gut vorstellen, später einmal als Kinderarzt zu praktizieren. Darum ließ er sich in Erlangen auch gerne zur Mithilfe im Teddybär-Krankenhaus verpflichten. Nach seinem ersten Einsatz stand für ihn fest: „So etwas muss es auch in meiner Heimatstadt geben.“

Der Rosenheimer machte sich auf die Suche nach Partnern und fand diese beim Jugendhilfeträger „Startklar“, bei dem er vor einigen Jahren seinen Bundesfreiwilligendienst absolviert hat. „Startklar“ hat vor einem Jahr zusammen mit Sozialer Stadt, Stadtjugendamt und Stadtjugendring das Projekt „Pumperlgsund!“ ins Leben gerufen. „Uns ist es wichtig, das Bewusstsein und die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu stärken, bei Kindern und Jugendlichen aber auch bei Erwachsenen“, begründet Projektleiter Franz Langstein das Engagement. Gefördert wird die Aktion außerdem von der Sparkassenstiftung Zukunft. „Die Kinder- und Jugendhilfe ist einer der Schwerpunkte der Stiftungsarbeit“, so Alexa Hubert, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung. Weitere Partner des Rosenheimer Teddybär-Krankenhauses sind die Romed-Klinik Bad Aibling und der Kreisverband Rosenheim des Roten Kreuzes.

Viele Hundert Stunden investiert

Nico Hanny war es bei der Gestaltung des Rosenheimer Teddybär-Krankenhauses wichtig, dass alles so realistisch wie nur möglich aussieht. Selbst ein MRT-Modell mit Lichteffekten hat der Medizinstudent zusammen mit seinem Vater liebevoll gebastelt. „Ich habe sicherlich viele Hundert Stunden in dieses Projekt gesteckt. Das war es aber auch wert. Es macht mir viel Spaß, und den Kindern bringt es was“, sagt er. Der 26-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, wie es ihm selbst als Kind erging, wenn er zum Arzt musste: „Gerne bin ich da natürlich nie hingegangen.“ Bei Dr. ted. Eva Laube, die im richtigen Leben als Krankenschwester arbeitet, war es nicht anders. „Natürlich hat man da als Kind ein bisschen Angst. Alles ist ungewohnt. Die Geräte und ihre Funktionsweisen kennt man halt nicht“, erinnert sich die 24-Jährige zurück.

Bei den Kindern, die derzeit im Teddybär-Krankenhaus zu Gast sind, könnte sich das ändern. Die meisten der kleinen Besucher, die an der Aktion teilnahmen, verloren schon nach kürzester Zeit die Angst vor den weißen Kitteln und vor Spritzen und Geräten. Wenn es nach Hanny geht, soll das Teddybär-Krankenhaus darum auch in Rosenheim ein fester Programmpunkt werden.

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