Null Toleranz bei Killerspielen

Dr. Ludwig V. Geigerbei der Buchvorstellung im OVB-Medienforum.  Schlecker
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Dr. Ludwig V. Geigerbei der Buchvorstellung im OVB-Medienforum. Schlecker

Ein leidenschaftliches Plädoyer für Familie und Sport hielt Dr. Ludwig V.

Geiger bei seiner Buchpräsentation im OVB-Medienforum. Der Sportmediziner will mit „Abenteuer Gehirn“, erschienen im Rosenheimer Verlagshaus, Jugendlichen, Eltern und Lehrern zeigen, „was uns stark macht“ - und damit Gewalt, Radikalisierung und Drogensucht vorbeugen.

Rosenheim - Dr. Ludwig V. Geiger zählt zu den renommiertesten Sportmedizinern Süddeutschlands. Bekannt wurde er durch seine über 20-jährige Betreuung von Spitzensportlern des Deutschen Skiverbands (DSV) und des Olympiastützpunktes Bayern. Besonders am Herzen liegt ihm der Einfluss sportlicher Bewegung auf die kindliche Entwicklung in körperlicher, geistiger und emotionaler Hinsicht. Zu diesem Thema wurden von ihm bereits einige Bücher erfolgreich publiziert, wie Verleger Klaus Förg (Rosenheimer Verlagshaus) berichtete.

Das Interesse an Geigers neuestem Werk ist groß – die Plätze für die Buchpräsentation waren innerhalb weniger Tage ausgebucht. Im Publikum fanden sich neben vielen Spitzen- und Hobbysportlern auch eine ganze Reihe von Lehrern, Ärzten und interessierten Eltern. BR-Moderatorin Katrin Stadler führte durch den Abend.

„Gewalt, Radikalisierung und Drogensucht sind Themen dieser Zeit, sie machen Angst“, betonte OVB-Verleger und Gastgeber Oliver Döser. Thomas Pfüller, langjähriger Generalsekretär des DSV, sprach über die „Riesenverantwortung“ in der Kinder- und Jugendarbeit. Für ihn steht fest: „Sport kann einiges leisten, um Drogen und Gewalt entgegenzuwirken.“

Damit ist er einer Meinung mit Geiger. „Sport verbessert die Hirnleistung, er schützt vor Drogenmissbrauch, Gewaltausbrüchen und psychischen Erkrankungen“, schreibt er in „Abenteuer Gehirn“ und nimmt seine Leser mit auf eine abenteuerliche Reise durch dieses enorm aktive Organ. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche. „Wissen ist Macht. Nur wer die Möglichkeiten seines Gehirns kennt, kann sich vor dessen Fehlleistungen schützen und seine Leistungsfähigkeit nutzen“, ist der Mediziner überzeugt.

Ein „Riesengehirn“ mitten im Himalaya

Verpackt hat er seine wissenschaftlichen Informationen in eine humorvolle und unterhaltsame Geschichte, in deren Mittelpunkt die Entdeckung eines „Riesengehirns“ mitten im Himalaya steht. Der Autor vermittelt „trotz“ humorvollen und kindgerechten Schreibstils hochinteressante Fakten und räumt auf den über 90 Seiten mit so manchem Mythos auf.

Bei der Buchpräsentation lieferte er brisante Informationen zu Themen wie Gewalt, Radikalisierung und Drogen. Gezielt wählte Geiger dafür drastische Bilder, um sein Publikum aufzurütteln. Gewalt und Brutalität seien bei den über 14-Jährigen in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen, synthetische Drogen wie Crystal Meth auf dem Vormarsch.

Geiger durchleuchtete Lebensgeschichten von jugendlichen Amokläufern und erkannte dabei Parallelen. „Sie kamen aus zerrütteten Familien und verbrachten ihre Freizeit mit Computer-Killerspielen.“ Diese Spiele, besonders „Ego-Shooter“, können laut Geiger nachweislich zu einer Abstumpfung im Gehirn führen. Die Folge: Empathieverlust, also die Fähigkeit, mit anderen Menschen mitzufühlen.

Der Weg hin zu innerer Stärke führt nach Überzeugung des Mediziners über eine intakte Familie, Bezugspersonen und eine hoffnungsvolle Lebensperspektive. Ächtung sei eine gute Waffe gegen Gewalt und Drogenmissbrauch: „Killerspiele dürfen Eltern bei ihrem Nachwuchs niemals dulden.“

Nach der Buchvorstellung stand eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. Daran beteiligten sich Alexander Huber (Huber Buam), Hermann Huber, passionierter Bergsteiger, Burkard Schiedermair, Vertrauenslehrer am Gymnasium Raubling, Michaela Salminger, Heilpraktikerin für Psychotherapie, und Karl-Heinz Brauner, Beratungs- und Drogenkontaktlehrer am Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim.

„Bergsteiger brauchen keine Drogen“

„Wir kommen nicht mit einer vollen Festplatte auf die Welt“,erklärte Extrembergsteiger Alexander Huber. Darum sei es wichtig, Kindern möglichst viele positive Erfahrungen mit auf den Weg zu geben. Bergsteiger Hermann Huber berichtete über seine glückliche Kindheit und seine große Leidenschaft: „Wir Bergsteiger brauchen keine Drogen.“

Michaela Salminger betonte, welch entscheidende Rolle die Familie gerade auch bei suchtkranken, jungen Menschen spielt. Burkard Schiedermair und Karl-Heinz Brauner berichteten über Erfahrungen mit ihren Schülern. „Das sind immer noch offene und nette Kinder. Auffällige Schüler sind bei uns eine verschwindende Minderheit“, so Brauner. Dieser Aussage widersprach eine Lehrerin aus dem Publikum: „Ich kenne sehr wohl drogenabhängige Jugendliche, außerdem auch junge Leute, die sich ritzen oder magersüchtig sind.“

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