25 JAHRE JAKOBUS-HOSPIZVEREIN ROSENHEIM

„Das Netzwerk trägt“

Reinhilde Spies, Gründungsmitglied des Jakobus-Hospizvereins und aktuell Erste Vorsitzende, begrüßte zum 25-jährigen Bestehen des gemeinnützigen Vereins zahlreiche Festgäste im Bildungswerk. Schlecker
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Reinhilde Spies, Gründungsmitglied des Jakobus-Hospizvereins und aktuell Erste Vorsitzende, begrüßte zum 25-jährigen Bestehen des gemeinnützigen Vereins zahlreiche Festgäste im Bildungswerk. Schlecker

Das 25-jährige Bestehen des Rosenheimer Jakobus Hospizvereins (JHV) wurde im Bildungszentrum in Rosenheim mit zahlreichen Gästen gefeiert. Reinhilde Spies, Vorsitzende und Gründungsmitglied, blickte in die Runde und stellte zufrieden fest: „Das Netzwerk, auf das ich immer so gebaut habe, trägt.“

Rosenheim – Es habe sich wahnsinnig viel geändert in den vergangenen 25 Jahren, beschrieb Spies in ihrer Begrüßung. „Aus einem „Ein-Frau-Betrieb mit der Vorsitzenden Margret Sperr“ wurde ein erfolgreicher Verein mit heute über 40 aktiven Hospizhelferinnen und fünf Hospizhelfern, mit sechs Familien- und einer Handvoll Trauerbegleitern. „Ich bin wahnsinnig stolz auf die Menschen, die in unserem Verein sind“, sagte sie sichtlich bewegt.

Für sie bedeute Hospizarbeit, da zu sein, aufmerksam zu sein, sich nicht aufzudrängen und vor allem: Da zu sein, wenn ein Mensch einen anderen brauche. Sie freue sich sehr, dass jetzt für diese Menschen, die jemanden in ihren letzten Stunden brauchen, ein Haus gebaut wird – das Chiemsee-Hospiz in Bern au. Von Beginn an sei der Wunsch nach einem stationären Hospiz in den Statuten des Vereins gestanden. Alois Glück habe dieses Projekt auf solide Füße gestellt, bedankte sie sich.

Sie selbst werde am 15. Mai bei der nächsten Jahreshauptversammlung nach zehn Jahren als Vorsitzende des Jakobus-Hospizvereins ihr Amt in „gute Hände“ weitergeben. Als Beisitzerin „mit der besonderen Aufgabe Chiemsee-Hospiz“ werde sie aber noch einmal für den Vorstand kandidieren, kündigte sie an.

Landrat Wolfgang Berthaler erklärte in seiner Festrede, dass sich die Gesellschaft in den letzten Jahren kräftig verändert habe. Die Großfamilie sei weitestgehend abgelöst durch Singlehaushalte. „Das Individuum lebt oft allein und muss dann aufgefangen werden“, stellte er fest. Umso erfreulicher sei die Verwirklichung des Chiemsee-Hospizes. Die Zusammenarbeit der Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land sowie der Stadt Rosenheim verlaufe gut. Auch die OVB-Weihnachtsspendenaktion habe mit ihrem beachtlichen Erfolg von über 800  000 Euro für die Hospizbewegung dazu beigetragen. Baubeginn könnte eventuell noch heuer sein, hofft Berthaler.

„Konkret vor Ort braucht es Menschen, die die Hospizidee in Handeln übersetzen.“ Alois Glück

Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer lobte vor allem Reinhilde Spies in ihrer Funktion als Vorsitzende des Jakobus- Hospizvereins und beschrieb ihr großes Engagement für die Hospizbewegung. „Was Menschen in der Phase des Abschieds durch Sie erfahren, ist einzigartig und unersetzlich“, bescheinigte sie. Im Namen der Stadt Rosenheim überreichte sie der sichtlich gerührten Reinhilde Spies unter großem Beifall der Festgäste die Goldene Bürgermedaille als Anerkennung ihrer erfolgreichen und unermüdlichen Arbeit.

Alois Glück sprach als Vorsitzender des „Netzwerks Hospiz“ und des Fördervereins Chiemseehospiz ebenfalls über die Bedeutung der Hospizbewegung für die Gesellschaft. „Es ist noch nicht lange her, da wurden die Sterbenden in den Kliniken in ein kleines Kämmerchen geschoben“, rief er in Erinnerung. „Wir brauchen die Hospizbewegung weiter, damit die Verankerung in der Gesellschaft bleibt“, betonte er.

Die Zusammenarbeit der drei Landkreise und der Stadt Rosenheim für das Chiemsee-Hospiz „dürfte einzigartig in Deutschland sein“, vermutet er. Neben der Trägergesellschaft und dem Verwaltungsrat seien auch die Hospizvereine aus Rosenheim, Berchtesgaden, Prien und Traunstein im Beirat vertreten. So würden sie beteiligt an der Bauplanung und an Personalentscheidungen. „Konkret vor Ort braucht es Menschen, die die Hospizidee in Handeln übersetzen. Es soll in Bernau nicht schleichend ein Krankenhaus betrieben werden“, betonte er. Und an Reinhilde Spies gewandt: „Sie waren die treibende Kraft für das Hospiz. Ich habe vielleicht Türen geöffnet aufgrund meines Lebenslaufes.“

Auch einige enge Weggefährten ließen es sich nicht nehmen, ihrer Vorsitzenden für ihre wertvolle und inspirierende Arbeit zu danken. Claudia Grosse, Zweite Vorsitzende des JHV, rechnete vor, dass die Mitgliederzahl von 550 in den vergangenen zehn Jahren auf 800 gestiegen sei. Viel Lebenszeit, Energie, Durchhaltevermögen, schlaflose Nächte und Herzblut habe die Vorsitzende diese Zeit gekostet. „Da hat sie ganz schön was bewegt“, lobte sie.

Koordination mit dem ambulanten Kinderhospiz (AKM)

Simone Püschel, Koordinatorin für Kinderhospizarbeit beim JHV, stellte ihre Arbeit vor, die „relativ jung“ in der Vereinsgeschichte ist. Kernaufgabe sei dabei unter anderem die Unterstützung von Familien mit schwer oder lebensbedrohlich erkrankten Kindern und Jugendlichen. In enger Zusammenarbeit mit dem Ambulanten Kinderhospiz München (AKM) wachse dieser wichtige Zweig der Hospizarbeit im Rosenheimer Raum immer weiter. Sechs Familienhelferinnen sind inzwischen beim JHV tätig. Charlotte Freudenberger, Netzwerkfachkraft vom AKM, war extra aus München zur Feierstunde angereist, um die hilfreiche Zusammenarbeit zu unterstreichen.

Dr. Sylvia Ruhenstroth-Bauer, engagierte Palliativärztin und ehemaliges Vorstandsmitglied des JHV, sprach vielen Anwesenden aus dem Herzen, als sie Reinhilde Spies persönlich versicherte: „Du warst wie eine gute Mutter für ihr Kind. Du hast die Hospizbewegung bei uns bedingungslos begleitet – durch alle Ängste und Trotzphasen hindurch, und so konnte der Verein an jeder Aufgabe wachsen.“

Musikalisch wurde die Jubiläumsfeier von Eva Mittermaier (Geige) und Elisbeth Neumayer (Harfe) sowie dem Rosenheimer Klinikchor unter Leitung von Hans Kelnberger einfühlsam begleitet.

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