Für das Wohl der Tiere

Die Deutschen essenam liebsten Schweinefleisch. In ihrem kurzen Leben sollen es die Tiere so gut wie möglich haben. pixabay

Wenn das Schwein ein glückliches Leben hatte, schmeckt das Schnitzel gleich viel besser. Doch bei den vielen verschiedenen Tierwohl-Labels den Durchblick zu behalten, ist gar nicht einfach.

Die Fleischtheke im Supermarkt kann ganz schön verwirrend sein. Da sieht man Schnitzel mit „Bio“-Siegeln, Steaks mit Nummern zur Haltungsform, Hackfleisch mit Logos, die einem überhaupt nichts sagen. Einfach hat es, wer nur auf den Preis achtet. Der lässt sämtliche Labels links liegen und schnappt sich das Billig-Fleisch.

Doch wer sich darüber Gedanken macht, wie es den Tieren zu Lebzeiten wohl ergangen ist, der wird vom Discounter-Schnitzel zwar satt, aber womöglich nicht glücklich. Wie findet man nun im Supermarkt heraus, bei welchen Produkten auf das Tierwohl geachtet wurde? Hier die gängigsten Labels im Überblick.

Das staatliche Tierwohlkennzeichen

In der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ist ganz grundsätzlich geregelt, wie Nutztiere in der Landwirtschaft gehalten werden müssen. Der Begriff „Tierwohl“ allerdings geht über diesen gesetzlichen Mindeststandard hinaus, bezieht sich zum Beispiel auf die Haltung, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Mit dem staatlichen Tierwohlkennzeichen soll eine einheitliche Kennzeichnung gefunden werden. Es ist schon beschlossen, aber noch nicht eingeführt. Zunächst soll es für Schweine gelten, später werden weitere Nutztiere dazu kommen. Es soll auf freiwilliger Basis in drei Stufen vergeben werden. In Stufe 1 ist zum Beispiel vorgeschrieben, dass jedem Schwein der gesetzlich vorgeschriebene Platz von 0,75 Quadratmetern plus 20 Prozent zur Verfügung stehen muss.

Neuland

Das Warten auf ein staatliches Tierschutzlabel hat zahlreichen Initiativen in Deutschland deutlich zu lange gedauert. Sie haben daher ihre eigenen Kennzeichnungen entwickelt. Neuland zum Beispiel definiert sich selbst als Programm zur besonders tiergerechten und umweltschonenden Tierhaltung. Es ist ein sehr strenges Siegel für die Produkte von Masthühnern, Mastschweinen, Mastrindern und Legehennen. Die Betriebe werden mindestens einmal pro Jahr unangemeldet kontrolliert. Neuland schreibt unter anderem einen ganzjährigen Auslauf und Stroh-Einstreu vor. Das Futter muss heimisch und darf gentechnisch nicht verändert sein. Antibiotika ist verboten.

Für mehr Tierschutz

Für mehr Tierschutz ist das Label des Deutschen Tierschutzbundes für Masthühner, Mastschweine, Legehennen und Milchprodukte. In der ersten Stufe muss den Tieren zum Beispiel mehr Platz zur Verfügung gestellt werden. Kühe bekommen Liegeboxen, Mastgeflügel einen Außenbereich und Strukturelemente wie Sitzstangen. Verboten ist das Kastrieren ohne Betäubung, das Kupieren der Schnäbel bei Legehennen und der Einsatz von Gen-Futter.

Gütesiegel „Tierschutz kontrolliert“

Das Label „Tierschutz-kontrolliert“ der globalen Tierschutzorganisation Vier Pfoten gibt es in Deutschland und Österreich. Im deutschen Einzelhandel sind zum Beispiel Milch- und Rindfleischprodukte mit dem Siegel zu bekommen. Die Stufe Silber verspricht Verbesserungen der konventionellen Tierhaltung, die Stufe Gold steht für maximale Tierschutzstandards bei Haltung, Transport und Schlachtung.

EU-Bio

Die EU-Verordnung Ökologischer Landbau bezieht sich neben Vorgaben zu Ökologie und Nachhaltigkeit bei Ackerbau, Obst- und Gemüseanbau und Co. auch auf die Tierhaltung. Sie schreibt zum Beispiel eine flächengebundene Tierhaltung vor. Der Landwirt darf nur so viele Tiere halten, wie Fläche zur Verfügung steht. Ein Schwein zum Beispiel bekommt statt dem gesetzlichen Mindeststandard von 0,75 Quadratmeter 1,3 Quadratmeter Fläche plus einem Quadratmeter Auslauf. Mindestens 50 Prozent der Fläche muss spaltenfrei sein, es bekommt einen Liegebereich, Einstreu und Auslauf. Das Kupieren der Schwänze sowie präventiver Antibiotika-Einsatz ist verboten, das Kastrieren mit Schmerzmitteln erlaubt.

Bio-Verbände wie Demeter, Naturland oder Bioland schreiben noch strengere Regeln in Sachen Tierwohl vor als das EU-Bio-Siegel.

Demeter/Naturland/ Bioland

Bei Bioland und Naturland müssen 50 Prozent des Futters aus dem eigenen Betrieb und von einem anderen Verbands-Erzeuger kommen. Die Tiere dürfen nicht weiter als 200 Kilometer transportiert werden. Die Säugezeit von Ferkeln muss mindestens 40 Tage betragen – der gesetzliche Mindeststandard liegt mit Ausnahmeregelung bei 21 Tagen.

Haltungsform

Kein neues Label, sondern vielmehr eine Sortierung der vorhandenen Standards ist die Kennzeichnung „Haltungsform“. Sie wurde von Supermärkten ins Leben gerufen, um die bestehenden Tierwohlformen in vier Stufen einzuordnen. Stufe 1 entspricht in etwa dem gesetzlichen Mindeststandard. Stufe 2 gilt, wenn beispielsweise das Schwein plus zehn Prozent an Platzangebot hatte. Stufe 3 entspricht einem Plus von 40 Prozent an Platz und einem Offenfrontstall. Stufe 4 bedeutet 100 Prozent mehr Platz sowie Auslauf. Bioprodukte und andere Produkte mit sehr hohem Tierwohl-Niveau werden der höchsten Stufe zugeordnet.

Initiative Tierwohl

Auch die Initiative Tierwohl wurde von der Seite des Lebensmitteleinzelhandels ins Leben gerufen. Teilnehmende Landwirte setzen sich für mehr Tierwohl ein und bekommen dafür ein Entgelt. Bislang gibt es das Siegel für Geflügelprodukte und für wenige Schweinefleischprodukte. Für Masthühner werden etwa zehn Prozent mehr Platz als der Mindeststandard vorgeschrieben – dieser liegt bei Masthühnern bei 39 Kilo pro Quadratmeter.

Mehr Infos zum Tierwohl gibt es beim Bundesinformationszentrum Landwirtschaft unter www.landwirtschaft.de

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