Wissen allein genügt nicht

Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin.
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Philosophieprofessor Julian Nida-Rümelin.

Philosophieprofessor warnt davor, unreflektierten Informationen Glauben zu schenken

Digitalisierung darf nicht aus der reinen Anhäufung von Daten bestehen. Es braucht auch die Kompetenz, diese zu bewerten und einzuordnen. Das sagt Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, der Philosphie und politische Theorie an der Universität München lehrt. Seit 2018 ist er Direktor des bayerischen Forschungsinstituts für digitale Transformation und leitet den Bereich „Kultur im Zentrum Digitalisierung Bayern“.

Die große Herausforderung in Zeiten der Digitalisierung besteht aus seiner Sicht darin, den aktuellen Trend zum Datenhandel in eine Entwicklung zur Wissensgesellschaft zu transformieren. Wissen verlangt Urteilskraft, die Fähigkeit zur Bewertung, Einordnung und Interpretation von Daten. Bisher lebe der Mensch, so Nida-Rümelin, allenfalls in einer Datengesellschaft, wo Wissen als unberührte Daten herumliege. Viele seien der Meinung, sich nicht weiterbilden zu müssen, da sie alles googlen oder auf Wikipedia nachlesen können. Die Gefahr bestehe darin, diesen Informationen unreflektiert Glauben zu schenken.

Mensch als Autor des Lebens

Die Voraussetzung, um mit Informationen richtig umgehen zu können, erklärt Nida-Rümelin anhand des Humanismuskonzeptes, das den Menschen als „Autor des eigenen Lebens“ sieht. Das heißt, der Mensch ist für seine Ideen und Handeln verantwortlich. Humanistisches Denken bezieht sich also direkt auf ethische und praktische Aspekte im Leben: Menschenwürde, Freiheit, Vernunft, Verantwortung. Bildung solle demnach bestimmte Fähigkeiten fördern: der Mensch soll befähigt werden, Urteile zu bilden und Entscheidungen treffen zu können. Er soll sich auf bestimmte Fragestellungen konzentrieren können, thematisch in die Tiefe gehen und sich neue Dinge erarbeiten können.

Auf der Jahrestagung 2019 des Cusanuswerks in Kasteel de Berckt hat Prof. Dr. Nida-Rümelin einen Vortrag mit dem Titel „Bildungshumanismus und Digitalisierung“ gehalten. Er ist abrufbar auf YouTube.

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